Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Feministinnen raten

Arne Hoffmann, Saturday, 05.06.2004, 13:15 (vor 7916 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: volle Zustimmung von susu am 05. Juni 2004 01:28:10:

Hi susu,

Eine Bekannte, die Journalismus studiert hat, bewarb sich mal bei der EMMA. Sie wurde zunächst als Freie genommen, sollte dann aber einen Artikel über Zwangsprostitution und Menschenhandel in der Ukraine schreiben. Sie ging davon aus, daß sie dazu recherchieren solle, bekam dann aber erklärt, sie könne ja einfach einen Text zu diesem Thema aus der Mitte der 80er adaptieren. Mehr als ein paar Datumsangaben müsten ja nicht geändert werden, es hätte sich da ja nichts geändert. Auf ihren Einwand, mitlerweile sei ja z.B. die Mauer gefallen wurde ihr dann erklärt aus organisatorischen Gründen müsse leider auf eine Zusammenarbeit verzichtet werden ...

:-o
Da sag ich jetzt gar nichts mehr.
Das übertrifft ja noch jedes Klischee, das man von der "Emma" hat ...
*keinwunderdassdiemeinbuchsodämlichrezensieren*

Zum Ratespiel:
Bei dir weiß man ja wenigstens schon, in welche Richtung es geht. Während ich Catherine McKinnon, Laura Mulvey, Susan Sontag und meinetwegen bell hooks zitieren würde, bewegst du dich vor allem in der Queer Theory und dem Poststrukturalismus. :-) Halb hätte ich Kristeva erwartet, die kann ich aber gerade nicht ausmachen.

1) "Den Argumenten der Feministinnen sollten wir allerdings nicht weniger mißtrauisch begegnen: oft macht das Polemische Anliegen sie ganz wertlos"

Dieses erste Zitat finde ich schon so ziemlich am schwersten. Theoretisch könnte der Satz sogar von mir sein ... ;-) Kannst du das zeitlich irgendwie eingrenzen? (Aber vielleicht wissen es zum Beispiel Anti-Sexistin oder Andreas auch so.)

2) "In dem von Iragray hergestellten Kontext wird ein Gegensatz sichtbar zwischen der linearen Zeit der mathematischen Probleme der zusammenhängenden Größenbeziehungen, der Abstandsformeln und der linearen Beschleunigung einerseits und der herrschenden Erfahrung der zyklischen Zeit der Menstruation andererseits. Ist es für den weiblichen Geist-Körper offensichtlich, das Intervalle Endpunkte haben, daß Parabeln die Ebene Sauber aufteilen und daß die lineare Mathematik des Unterichts die Welt der Erfahrung auf eine intuitiv naheliegende Weise beschreibt?"

Das ist Cyberfeminismus, und zwar nicht Donna Haraway, sondern ganz eindeutig Sadie Plant.
*hüstel* Behaupte ich mal so forsch ... :-)

3) "Better dead than read! [..] If gender is a doing and a reading of that doing, a call-and-response that must be continually done and redone, then it's also unstable, and there are ways I can disrupt it."

Okay, doing gender, undoing gender, unreading gender. Knifflig. Es wird ja nicht noch einmal die Buler sein. Auch nicht Irigaray selbst? Monika Treut vielleicht?

4) "I am sick of this gender game, I´ve been to war too many times before on the playground of - my -identity!"

Das ist wieder eindeutig: Alix Olson.

5) "Die Familie ist die in allen Kulturen vermutlich häufigste und grundlegendste Form eines Zusammenschlusses mit anderen, ein System, das den meisten von uns seit Beginn unserer Existenz wohlvertraut ist. Dennoch oder gerade deswegen ranken sich um dieses Thema etliche Mythen und falsche Klischees. Die einen mögen althergebracht sein, etwa die Vorstellung von der > > natürlichen<< Beziehung zwischen Mutter und Kind."

Hört sich nach Barbara Vinken an, da es ja ein typisches Zitat sein sollte. Und bei deinem Geschmack stammt es vermutlich aus "Dekonstruktiver Feminismus" und nicht aus diesem Mutterschafts-Buch (komm jetzt nicht auf den Titel).

Warten wir mal ab, was sonst noch so an Vorschlägen kommt, dann kannst du ja vielleicht Tipps geben.

Herzlicher Gruß

Arne


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