Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: volle Zustimmung

Garfield, Friday, 04.06.2004, 19:03 (vor 7917 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: volle Zustimmung von Arne Hoffmann am 04. Juni 2004 14:26:21:

Hallo Arne!

"Nach der Asylrechtsänderung Mitte der neunziger Jahre wurde das nicht mehr zum Thema gemacht, wohl auch weil die rassistischen Ausschreitungen viele Journalisten und Politiker sehr vorsichtig gemacht haben. Vor der Asylrechtsänderung war genau das, was du beschreibst, ein Thema in zahllosen Zeitungsartikeln"

Nachdem du Nick geantwortet hast, habe ich dir schon mal geantwortet, aber es kann sein, daß du meine Antwort damals nicht gelesen hast, weil der ganze Thread dann ja gelöscht wurde.

Anfang der 90er Jahre hat es tatsächlich einen verstärkten Ansturm von Asylbewerbern gegeben. Das lag einfach daran, daß das Asylgesetz der Bundesrepublik ja aus der Zeit des Kalten Krieges stammte. Die Grenzen nach Osten waren damals sowieso dicht, und im Westen war die Bundesrepublik von reichen Ländern umgeben, die ihre Grenzen wiederum auch gut bewachten. Folglich konnten nur wenige Armutsflüchtlinge nach Deutschland kommen.

Als sich dann aber der Ostblock auflöste, änderte sich das sehr bald. Nun wurden die Grenzen nicht mehr so streng bewacht, und je mehr Menschen im Osten bei der Umstrukturierung der Wirtschaft zu kurz kamen, umso mehr Armutsflüchtlinge gab es, die nun einfach herkamen und hier Asyl beantragten. In Rostock beispielsweise tauchten Anfang der 1990er Jahre massenweise Zigeuner aus Rumänien auf. Vielleicht hat die rumänische Regierung da etwas nachgeholfen und irgendein Gesetz verabschiedet, das die Zigeuner dazu veranlaßt hat, massenweise nach Deutschland zu kommen. Vielleicht war es aber auch einfach so, daß es sich unter ihnen herumgesprochen hat, daß man in Deutschland sehr einfach Asyl beantragen kann, dann erst einmal versorgt ist und auch für die Dauer des Verfahrens ganz offiziell in Deutschland bleiben kann. In Rostock-Lichtenhagen gab es eine Aufnahmestelle für Asylsuchende, und die wurde innerhalb von wenigen Tagen plötzlich von Unmengen von Zigeunern aufgesucht, von denen leider viele hochgradig kriminell waren. Die Behörden wurden dem Ansturm nicht mehr Herr, und das so entstandene Chaos hat dann letztendlich zu den Krawallen von Rostock-Lichtenhagen geführt, in denen sich rechtsradikale Randale-Touristen aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland ausgetobt haben.

Es hat diese Probleme durch steigende Zahlen von Asylbewerbern also wirklich gegeben - das war keine von den Medien künstlich geschürte Hysterie. Die Menschen in den westlichen Bundesländern haben davon wohl nicht so viel mitbekommen, denn die Asylbewerber kamen meist aus dem Osten, meldeten sich dann in den östlichen Bundesländern und wurden mehrheitlich auch dort untergebracht.

Damals wurde viel darüber diskutiert, warum denn gerade die Ostdeutschen so "ausländerfeindlich" wären, wo doch im Westen der Anteil von Ausländern viel höher war. Die im Westen lebenden Ausländer waren aber zum großen Teil Gastarbeiter, die teilweise schon seit Jahrzehnten dort waren und sich in der Zeit nahtlos in die Gesellschaft integiert hatten. Solche Gastarbeiter gab es in der DDR auch, aber in weit geringerer Anzahl. Und mit denen hatte die Bevölkerung dort auch kein Problem. Die Aufnahmestelle in Rostock-Lichtenhagen beispielsweise existierte schon seit 1990. Zuerst waren dort ehemalige vietnamesische Gastarbeiter aus DDR-Zeiten untergebracht, später auch Schwarzafrikaner, die - wenn ich mich recht erinnere - auch schon länger als Gastarbeiter in Deutschland waren. Das waren normale Menschen, mit denen die Anwohner auch keine Probleme hatten. Als die Randalierer dort später wüteten, wurden sie sogar von Anwohnern in ihren Wohnungen aufgenommen.

Probleme gab es erst, als Anfang der 1990er Jahre sehr viele Armutsflüchtlinge im Osten Asyl beantragten und als sich herausstellte, daß ein nicht geringer Prozentsatz davon tatsächlich kriminell war. Nachdem die Krawalle in Rostock-Lichtenhagen begonnen hatten, hat man die Zigeuner schnell abtransportiert und sie auf verschiedene kleinere Heime verteilt. Da gab es dann auch prompt wieder Probleme und Anzeigen, z.B. wegen Tierquälerei und Diebstahl.

Das alles ließ sich einfach nicht mehr totschweigen. Mittlerweile hat sich diese Situation wieder deutlich entschärft. Wenn man aber das deutsche Asylgesetz aufweicht, dann ist es gut möglich, daß wir dieselben Probleme wieder bekommen. Und daß dann obendrein auch noch rechtsradikale Organisationen davon profitieren. Die haben Anfang bis Mitte der 1990er Jahre nämlich auch mehr Zulauf bekommen als heute. Heute hört man von DVU oder Republikanern ja kaum noch etwas. Nur die NPD war durch das Verbotsverfahren mal zeitweise wieder in den Medien, aber danach wurde es um diese Partei auch wieder still.

Freundliche Grüße
von Garfield



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