Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: volle Zustimmung

Arne Hoffmann, Friday, 04.06.2004, 20:29 (vor 7917 Tagen) @ Anti-Sexistin

Als Antwort auf: Re: volle Zustimmung von Anti-Sexistin am 04. Juni 2004 15:39:34:

Hi Anti-Sexistin,

ich kann verstehen, dass du gut mit susu zurecht kommst, ihr habt manchmal doch einen sehr ähnlichen Stil drauf. :-)

In einigen Punkten bin ich allerdings noch nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe.

Wenn Alice Schwarzer grundsätzlich nicht den Patriarchatswahn hätte, dann wäre sie eine Radikalfeministin

Du meinst, was Alice Schwarzer davon abhält, eine Radikalfeministin zu sein, ist ihr Patriarchatswahn? Eine "echte" Radikalfeministin wäre mithin eine, die eine vorgegebene Identität "Frau" ablehnt oder zumindest kritisch beurteilt?

und dann klänge das so:
"Die feministische Theorie ist zum größten Teil davon ausgegangen, daß eine vorgegebene Identität existiert, die durch die Kategorie 'Frau(en)' bezeichnet wird. Diese Identität soll nicht nur die feministischen Interessen und Zielsetzungen in der Welt des Diskurses anleiten, sondern auch das Subjekt bidlen, dessen politische Repräsentation angestrebt wird. [...] Die politische Annahme, daß der Feminismus eine universale Grundlage haben müsse, die zu einer quer durch die Kulturen existierenden Identität zu finden sei, geht häufig mit der Vorstellung einher, daß die Unterdrückung der Frauen eine einzigartige Form besitzt, die in der universalen und hegemonialen Strutur des Patriarchats bzw. der männlichen Herrschaft auszumachen sei. Allerdings ist die Vorstellung von einem universalen Patriarchat in den letzten Jahren auf breite Kritik gestoßen, weil sie unfähig ist, den spezifischen Vorgehensweisen der Geschlechter-Unterdrückung in den konkreten kulturellen Zusammenhängen REchnung zu tragen." [...]
Jetzt die Kritik:
"Zweifellos verleiht der Feminismus dem Patriarchat einen universalen Status, um den Anschein des eigenen Anspruchs, repräsentativ zu sein, zu stützen."

Von wem stammen denn Text und Kritik? Deine Auslassungszeichen weisen ja darauf hin, dass du irgend jemanden zitierst und es nicht nur ein von dir zur Anschauung konstruierter Text ist.

"Die Unterstellung, daß der Feminismus für ein Subjekt, das er selbst konstruiert, eine breitere Repräsentation erreichen kann, hat ironischerweise die Konsequenz, daß feministische Zielseztungen zu scheitern drohen, weil sie sich weigern, der konstitutiven Macht ihrer eigenen Repräsentationsansprüche Rechnung zu tragen."

Aber ist das nicht gerade eines der Erfolgsgeheimnisse "des Feminismus"? Dass bestimte Feministinnen (z. B. Schwarzer) erklärt haben, für alle Frauen zu sprechen und ihnen die Medien diese Repräsentationsinstanz abgenommen haben? Wenn immer es um Frauenthemen geht, wird Alice Schwarzer dazu befragt, und kann ihre Ansicht dazu durchsetzen.

Ansonsten ist der Maskulismus ruckzuck beim universalen Matriarchat.

Das ist er bei einigen Theoretikern sowieso schon.

Ebenso der Diskurs über häusliche Gewalt an Männern. Hier wurden einige Artikel zitiert, die den Gewaltbegriff allzusehr ausdehnen: Sexentzug und Gekeife ist noch nicht dasselbe wie seinen Partner oder seine Partnerin krankenhausreif zu schlagen.

Ich persönlich bin auch gegen eine Entgrenzung des Gewaltbegriffs und eine Gleichsetzung von beispielsweise verbaler Gewalt und Schlägen. Man hat mir deshalb auch schon vorgeworfen, ich würde verbale und psychische Gewalt, "wie sie ja für Frauen typisch" sei, zu gering rechnen.

Vielleicht sollten diese Diskussionen gar nicht auf per se feministischer/maskulistischer Basis diskutiert werden, da hierbei die Gefahr zu groß ist, in beiden Lagern zu einseitig zu verlaufen, da nun mal andere geschlechtsspezifische Schwerpunkte gesetzt sind.

Das ist fast eine logische Schlussfolgerung aus deinem oben angeführten Text. Wenn man Männer- und Frauen-Identitäten ohnehin als weitgehend konstruiert betrachtet, macht auch eine Schützengraben-Aufteilung in Maskulismus/Feminismus wenig Sinn.

Herzlicher Gruß

Arne


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