Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: volle Zustimmung

Garfield, Friday, 04.06.2004, 12:44 (vor 7917 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: volle Zustimmung von Arne Hoffmann am 04. Juni 2004 08:49:53:

Hallo Arne!

"Umgekehrt haben auch viele Rechte ihre Dogmen und Klischees und greifen jeden, der eine andere Meinung äußert, als "selbstherrlichen Gutmenschen" an."

Ja, das ist genau dasselbe. Allerdings glaube ich, daß unter den Rechten der Prozentsatz der Gutmenschen relativ gering ist. Da findet man dafür mehr hirnlose Schläger, die eigentlich gar keine wirklichen politischen Meinungen haben, sondern einfach nur irgendeinen Grund suchen, um sich austoben zu können. Solche Typen gibt es allerdings auch im linken Lager, wie man bei gewissen Mai-Demos jedes Jahr sehen kann.

Es ist aber eben so, daß die Themen, die Rechtsradikale bevorzugt aufgreifen, in unserer Gesellschaft meist nicht als "politisch korrekt" gelten. Deshalb zieht es viele Gutmenschen eben eher nach links als nach rechts.

"Beispielsweise ist es nun mal nicht so, dass man hierzulande nur "Asyl" zu sagen braucht und schon aufgenommen wird."

Ja, das ist richtig. Aber dabei muß man auch sehen, daß die Mehrheit der Asylsuchenden nun einmal reine Armutsflüchtlinge sind. Wir können aber nun einmal nicht alle Armen dieser Welt hier aufnehmen. Und zwar nicht - wie viele Rechte behaupten - weil wir sonst unsere kulturelle Identität verlieren und als Deutsche im Meer der Ausländer untergehen würden. Zuwanderung aus anderen Ländern hat es schon immer gegeben - das ist ein ganz normaler Vorgang. Es ist einfach so, daß eine bestimmte Landfläche auch mit der heutigen Technologie eben nur eine begrenzte Zahl von Menschen aufnehmen und ernähren kann. Auch unser Wirtschaftssystem verkraftet keine endlosen Ströme von Einwanderern. Wir haben doch jetzt schon offiziell über 4 Millionen Erwerbslose - tatsächlich liegt die Zahl wahrscheinlich doppelt so hoch. Das belastet die Staatskasse enorm.

"Die rechtsradikalen und -extremistischen Zausel, die an Ausländer, Abgeordnete und Journalisten Hassbriefe schicken..."

...tragen letztendlich nur dazu bei, Rechtsradikale weiter zu diskreditieren.

"Insofern ist es gerade bei diesem Thema sehr wichtig, ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl anzumahnen."

Wenn du das bezogen auf Nicks Mail an die Bundestagsabgeordneten meinst, gebe ich dir recht. Er hat sich da wirklich sehr merkwürdig ausgedrückt, und seiner Argumentation hätte ich so auch nicht zugestimmt. Trotzdem hat er im Endeffekt recht, wenn er meint, daß unbegrenzte Zuwanderung allen in Deutschland lebenden Menschen (egal, welcher Nationalität) nur schaden kann. Das allerdings so zu begründen, wie er es getan hat, halte ich ebenfalls für kontraproduktiv.

"Ach, wo darf denn nicht offen gesprochen werden?"

Beispielsweise darf man in Deutschland die Problematik der Ausländerkriminalität nicht ansprechen ohne gleich als Rechtsradikaler eingestuft zu werden. Auch das Problem des Asylmißbrauchs darf nicht angesprochen werden. Zwar geht die Justiz sehr wohl davon aus, daß ein großer Teil der Asylsuchenden eben Armutsflüchtlinge sind und handelt auch entsprechend - aber das tut sie nur, weil das eben notwendig ist, um unser Sozialsystem nicht noch schneller zu überfordern. Geredet werden darf darüber nicht, es sei denn, man kritisiert diese Praxis. Es gilt aber eben nicht als "politisch korrekt", offen zu sagen, daß viele Menschen hier nur deshalb Asyl beantragen, weil sie in ihrer Heimat keine Perspektive haben und davon ausgehen, daß sie hier in Deutschland auch dann finanziell wesentlich besser dran sind, wenn sie hier ebenfalls keinen Job finden.

Wenn beispielsweise ein Türke von Deutschen zusammen geschlagen wird, dann kann es durchaus passieren, daß darüber groß in den Medien berichtet wird. Das ist ja auch in Ordnung. Wenn aber ein Deutscher von Türken zusammen geschlagen wird, dann wird darüber maximal am Rande berichtet. Dann liest man vielleicht mal einen winzigen Artikel, in dem steht, daß jemand krankenhausreif geschlagen wurde. Daß die Täter Türken waren, wird manchmal noch nicht einmal erwähnt. Im umgekehrten Fall wird aber häufig deutlich explizit betont, daß die Täter Deutsche waren, es wird oft ein größerer Artikel daraus gemacht, wobei man dann auch nicht vergißt, die Thematik des Rechtsradikalismus anzusprechen. Daß es in Deutschland auch rechtsradikale Ausländer gibt, die genauso nationalistisch eingestellt sind wie deutsche Skinheads, darf natürlich auch nie erwähnt werden.

Das läuft alles genauso ab wie in der Gleichberechtigungs-Debatte. Auch da werden ja weibliche Opfer und männliche Täter gern als typisch dargestellt, während der umgekehrt Fall heruntergespielt wird. Weibliche Täter sind dann nur Ausnahmen, und wenn es doch mal welche gibt, dann hatten sie bestimmt eine triftigen Grund für ihr Handeln...

Freundliche Grüße
von Garfield


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