Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: volle Zustimmung

Anti-Sexistin, Friday, 04.06.2004, 14:48 (vor 7917 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: volle Zustimmung von Arne Hoffmann am 04. Juni 2004 08:49:53:

Hi Garfield,

Alle Themen, die eigentlich positiv sind, wurden mittlerweile zum großen Teil von selbstherrlichen Gutmenschen übernommen, die nun eifrig ihre Dogmen pflegen, sich dabei toll und überlegen dünken und immer frei nach dem Motto "was nicht sein kann, darf nicht sein" handeln und reden. Das betrifft eben nicht nur das Thema Gleichberechtigung, sondern beispielsweise auch die Themen Umweltschutz oder Asyl. Und da ist es dann eben auch so, daß jemand, der Meinungen äußert, die nicht den gängigen Dogmen und Klischees entsprechen, als ignoranter Umweltschädling oder eben als Rechtsradikaler bezeichnet wird.

Umgekehrt haben auch viele Rechte ihre Dogmen und Klischees und greifen jeden, der eine andere Meinung äußert, als "selbstherrlichen Gutmenschen" an.
Beispielsweise ist es nun mal nicht so, dass man hierzulande nur "Asyl" zu sagen braucht und schon aufgenommen wird. Wer sowas behauptet, hat sich eben mehr mit bestimmten Angstphantasien und Stimmungsmache beschäftigt als mit der Anhörungspraxis. Man könnte ja auch mal Flüchtlingsbiographien lesen wie beispielsweise Devrim Kayas "Meine einzige Schuld ist, als Kurdin geboren zu sein" oder "Unbequem", die Zeitschrift kritischer Polizisten, oder oder oder.
Zum anderen ist auch nicht jeder ein "Gutmensch", der überhaupt noch moralische Erwägungen (außer dem Schicksal der tausendjährigen Nation) ins Spiel bringt und vor einer hysterisierenden Darstellung warnt. Die rechtsradikalen und -extremistischen Zausel, die an Ausländer, Abgeordnete und Journalisten Hassbriefe schicken, legen ihnen regelmäßig aufhetzerische Angstmacher-Artikel aus Zeitungen bei, in denen Panik vor einer Überflutung Deutschlands durch Millionen von Asylanten geschürt wird. Insofern ist es gerade bei diesem Thema sehr wichtig, ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl anzumahnen.
Es ist ja nun beiliebe nicht so, dass man sagen könnte: "Also die Rechten führen die Ausländer und Asyl-Debatte so angenehm sachlich, aber die Linken wittern bei jeder Problematisierung sofort den Holocaust."

Je mehr Themen es gibt, über die nicht offen gesprochen werden darf

Ach, wo darf denn nicht offen gesprochen werden? Ich finde die Opfer-Tour ein bisschen billig, wo man selbst vom Leder zieht und beim kleinsten kritischen Gegenwind so tut, als ob man hierzulande seine Meinung nicht mehr äußern dürfte. Wer stark auftritt, muss schon damit rechnen, dass auch starke Einwände kommen.
Arne

Ein paar sozialpsychologische Grundlagenkenntnisse würden in keiner Gruppe schaden. Auch nicht einem maskulistischen Forum.

Wo Gruppen zusammenkommen, bilden sich Gruppenmeinungen. Auch schon die Rede von "Gutmenschen" ist doch ein Stereotyp im sozialpsychologischen Sinne.

Seit ich mich hier zu Wort gemeldet habe, wurde ich öfter aufgefordert, jeden einzelnen Schreiber hier in seiner Meinung individuell zu beachten. Nun, wo ist dies hier der Fall? Misogyne und frauen-sexistische Äußerungen sind hier das Probleme bei zahlreichen Usern. Die These von den Abzockerinnen ist genauso global wie die alt-feministische These vom Patriarchat (*gähn*). Von daher wäre mal sinnvoll hier zu differenzieren: welche Frauen, welche Feministinnen etc. statt Globalgespenster aufzubauen. Das ist mein Kritikpunkt. Allerdings nehme ich Arne hier noch aus. Der ist da besser informiert als die meisten User hier.

Wenn die These gilt, daß der Gesetzgeber Frauen bevorzugt, dann sollte dies auch auf dieser Ebene diskutiert werden und nicht auf der planen "Frauen sind Abzockerinnen"-Tour. Wenn danach gefragt wird, woher dies kommt, dann sollte gefragt werden, aus welcher feministischen Richtung bzw. aus welchen feministischen Richtungen. Alice Schwarzer ist nun denkbar ungeeignet für Frauen als Gutmenschen einzustehen. Wer dies nicht glaubt, sollte mal ihr Buch über Petra Kelly lesen. In ihm werden die Unterschiede zwischen dem Gutweibchentum der Grünenpolitikerin und einer Alt-Feministin, die durch die Philosophien de Beauvoirs und Sartres geprägt war (das Sartre-Zitat "Täter und Opfer wie wir alle" ist ein Motto des anderen Geschlechts) sehr deutlich. Petra Kelly als eine völlig fehlgeschlagene moderne Frau, die gleichzeitig ein aggressionsloses, grünes und friedfertiges Weiblichkeitsbild vertrat, was Schwarzer nie getan hat. Sie kann zwischen empirischer Statistik und Strukturalismus durchaus unterscheiden. Davon könnte sich mancher User hier auch etwas abscheiden, wenn die gesetzliche Benachteiligung von Männern mit der "Frauen sind Abzockerinnen"-These vermengt wird. Da machen es sich einige von Euch zu einfach. Das führt dann zu einer Opfer-Täter-Dialektik zugunsten der Männer. Männer eben als Globalopfer - Frauen als Globaltäter.

An dem rechtsmüffligen Gebelle eines Nick alleine, das schon an sich problematisch ist, kann man sich aufhängen. Aber meine obigen Punkte sind noch gravierender. Insofern sollte die Trennung von juristischer, faktischeer, statistischer und struktureller Ebene mal mehr bedacht werden. Und nur "Frau" als gemeinsames Feindbild wird dieses Forum nicht weiterbringen, den Maskulismus schon gar nicht. Damit dann doch noch einzelne kontroverse, interne Positionen zu deckeln, weil immerhin ist man ja gegen dasselbe, bringt es nicht. Insofern ist dieser offene Konflikt hier sehr begrüßenswert. Konflikte können eben die Luft reinigen und etwas bewegen, wenn sie vernünftig ausgetragen werden.

Anti-Sexistin


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