Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: volle Zustimmung

Arne Hoffmann, Friday, 04.06.2004, 17:26 (vor 7917 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: volle Zustimmung von Garfield am 04. Juni 2004 09:44:47:

Hi Garfield,

Beispielsweise darf man in Deutschland die Problematik der Ausländerkriminalität nicht ansprechen ohne gleich als Rechtsradikaler eingestuft zu werden. Auch das Problem des Asylmißbrauchs darf nicht angesprochen werden. Zwar geht die Justiz sehr wohl davon aus, daß ein großer Teil der Asylsuchenden eben Armutsflüchtlinge sind und handelt auch entsprechend - aber das tut sie nur, weil das eben notwendig ist, um unser Sozialsystem nicht noch schneller zu überfordern. Geredet werden darf darüber nicht, es sei denn, man kritisiert diese Praxis. Es gilt aber eben nicht als "politisch korrekt", offen zu sagen, daß viele Menschen hier nur deshalb Asyl beantragen, weil sie in ihrer Heimat keine Perspektive haben und davon ausgehen, daß sie hier in Deutschland auch dann finanziell wesentlich besser dran sind, wenn sie hier ebenfalls keinen Job finden.

Nach der Asylrechtsänderung Mitte der neunziger Jahre wurde das nicht mehr zum Thema gemacht, wohl auch weil die rassistischen Ausschreitungen viele Journalisten und Politiker sehr vorsichtig gemacht haben. Vor der Asylrechtsänderung war genau das, was du beschreibst, ein Thema in zahllosen Zeitungsartikeln. "Ausländerkriminalität" war Titelgeschichte im FOCUS, "Scheinasylant" war eines der meistbenutzten politischen Schlagworte, die "BILD" als Deutschlands meistgelesene Zeitung steigerte sich in immer neue Horrorphantasien herein, stellenweise zog auch der SPIEGEL mit, rechtskonservative Politiker verglichen Flüchtlinge mit Heuschreckenschwärmen, die alles kahlfressen und verwüsten, Stoiber sprach von der Gefahr einer "durchrassten Gesellschaft" und so weiter. Sorry, ich habe etliche solcher Artikel und deren Analysen für meine Magisterarbeit durchkämmt; ich könnte noch stundenlang mit Beispielen weitermachen.

Daß es in Deutschland auch rechtsradikale Ausländer gibt, die genauso nationalistisch eingestellt sind wie deutsche Skinheads, darf natürlich auch nie erwähnt werden.

Da stimme ich dir allerdings zu. Als beispielsweise das Zentrum für Antisemitismusstudien im Auftrag der Europäischen Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) in einer Untersuchung herausgearbeitet hatte, dass physische Attacken gegen Juden sowie die Schändung und Zerstörung von Synagogen häufig von Muslimen ausgeführt werden, wurden diese Ergebnisse von der EUMC nicht nur sorgsam unter Verschluss gehalten; es wurden auch ständige Nachbesserungen im Sinne eines "erheblichen Perspektivenwechsels" gefordert. In Deutschland lebende Muslime sollten als Minderheit nämlich nicht diskriminiert werden dürfen. "Wir sind an die Grenzen des Möglichen gegangen, irgendwann war das aber nicht mehr mit wissenschaftlicher Korrektheit vereinbar" hatten sich die für diese Untersuchung verantwortlichen Forscher beklagt. Hier haben wir aktuell offenbar in der Tat ein Tabu vorliegen. Wobei das im Zusammenhang mit der Islamismus-Debatte auch langsam aufweicht.

Herzlicher Gruß

Arne


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