Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: ja, mein ich

Garfield, Friday, 04.06.2004, 18:14 (vor 7917 Tagen) @ Andreas (der andere)

Als Antwort auf: Re: ja, mein ich von Andreas (der andere) am 04. Juni 2004 12:40:11:

Hallo Andreas!

"...Du hast mein Zitat davor etwas gekürzt, um so antworten zu können, aber zwischen "viele" bzw. "noch mehr" und "Milliarden" besteht ja wohl doch ein kleiner Unterschied."

Sicher, aber es geht mir ja nicht darum, nun irgendwelche Zahlen abzuschätzen. Fakt ist, daß sich durch die Anerkennung einer "geschlechtsspezifischen Verfolgung" als Asylgrund die Zahl der Menschen, die Aussicht auf Asyl in Deutschland haben, beträchtlich erhöhen wird. So wird sich folgerichtig auch die Zahl der Asylanten in Deutschland erhöhen.

"Migrationsbewegungen gibt es immer, und aus Sicht der Flüchtlinge ist es wohl nicht weniger legitim, vor dem Tod durch Verhungern zu fliehen als vor der Gefahr des gewaltsamen Todes durch Militärs, Folter etc."

Das ist richtig. Aber was würde wohl geschehen, wenn alle Menschen, die irgendwo in der Welt gerade Hunger leiden, sich dann einfach auf den Weg nach Deutschland machen würden? Es ist doch klar und logisch, daß unser flächenmäßig vergleichsweise kleines Land solch einen Ansturm niemals verkraften könnte. Allein die Ernährung all dieser Menschen wäre ein riesiges Problem.

Es ist doch viel sinnvoller, darauf hinzuarbeiten, die Situation in den jetzigen armen Ländern zu verbessern. Wenn man das effektiv tun würde, dann würde man viel mehr Menschen damit helfen als durch irgendeine Ausweitung der deutschen Asylgesetze.

Das ist allerdings viel schwieriger, und man muß sich dabei auch mal gegen die Interessen der Wirtschaft stellen. Man muß dann vielleicht auch mal einen Diktator, der ein Land aussaugt und mit Terror überzieht, mit militärischer Gewalt entfernen, und dabei stellt sich dann schon mal die Frage, ob es überhaupt legitim ist, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes dermaßen einzumischen. Wenn man das allerdings verneint, dann kann man sich da konsequenterweise auch nicht in irgendeiner anderen Form einmischen.

"Ich bin auch kein Wirtschaftswissenschaftler, aber die These, daß Zuwanderer allein die Sozialkassen belasten, nichts jedoch zur Erhöhung des Budgets beitragen würden, kommt mir ein wenig wie ein Cliché vor."

Um sich darüber ein Bild zu machen, muß man kein Wirtschaftswissenschaftler sein. Natürlich tragen auch Asylbewerber, selbst wenn sie hier gar keine Arbeitsgenehmigung haben, zum Konsum bei. Das ist aber nur auf den ersten Blick von Nutzen. Denn das Geld für diesen Konsum bekommen sie ja von der Gesellschaft, ohne daß sie dafür einen Nutzen erbringen. Unter'm Strich macht die Gesellschaft dadurch also minus.

Zwar stärkt die Erhöhung der Bevölkerungszahl den Binnenmarkt und führt somit zu mehr Produktion, was dann Arbeitsplätze schafft. Leider erhöht sich die Zahl der Arbeitsplätze aber nicht proportional zur Bevölkerungszahl. Wenn also ein zusätzlicher Mensch da ist, wird dafür kein zusätzlicher Arbeitsplatz geschaffen.

Nehmen wir mal an, daß auf 100 zusätzliche Menschen ein neuer Arbeitsplatz entstehen würde. Wenn also 100.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen, würde das dann 1.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Das klingt erst einmal gut. Dabei muß man aber sehen, daß wir ja schon über 4 Millionen Erwerbslose haben. Und die 100.000 Flüchtlinge kommen dann noch obendrauf. Die über 4 Millionen offiziell als arbeitslos gemeldeten Menschen und die 100.000 Neubürger (sofern sie überhaupt eine Arbeitsgenehmigung haben) können sich dann um die 1.000 neuen Arbeitsplätze prügeln. Unter'm Strich müssen dann die 1.000 zusätzlichen Erwerbstätigen 99.000 zusätzliche Menschen finanziell versorgen. Da sie das mit ihren Steuern und Abgaben nicht schaffen, ergibt sich eine zusätzliche Belastung, die dann auf die Allgemeinheit verteilt werden muß. Üblicherweise geschieht dies durch Erhöhung von Steuern und Abgaben, was aber dann den Binnenmarkt wieder schwächt, und so dafür sorgt, daß von den 1.000 neuen Arbeitsplätzen vielleicht 100 schnell wieder verloren gehen...

"Du übersiehst dabei aber, daß so ein Vorgehen gemäß Deiner Argumentation die knappen Kassen noch weiter leeren müßte. Den "Berufsfeministinnen", wie Du sie nennst, geht es ja in erster Linie um die Aufrechterhaltung des eigenen Opferstatus' - die Situation von Frauen in anderen Ländern wird dazu herangezogen, einen übergreifenden Konsens von "Repression gegen Frauen im Allgemeinen" zu produzieren, von dem man dann hier profitiert - stellvertretend. Die Frauen herzuholen würde bedeuten, daß es ihnen a) hier besser geht (obwohl es bei Alice Schwarzer ja heißt, "Von Köln bis Kabul ...") und b) sich etwas am Status veränderte - beides nicht sehr gut geeignet, den Status aufrechtzuerhalten. Erst recht nicht, um ohnehin schon knappe Kassen weiter zu schröpfen."

Das ist natürlich richtig - nur so weit wollen unsere Berufsfeministinnen gar nicht denken. Sie stellen ja immer erst einmal Forderungen. Ideal ist für sie natürlich, wenn diese Forderungen nicht erfüllt werden. Dann können sie sich bis in alle Ewigkeit daran festbeißen. Alice Schwarzer hat sich deshalb ja auch so auf das Thema Pornographie eingeschossen.

Wenn aber diese Forderungen erfüllt werden, können Feministinnen sich natürlich nicht auf einmal dagegen stellen. Es gab zwar schon Fälle, in denen Feministinnen nach Erfüllung einer Forderung plötzlich das Gegenteil gefordert haben, aber das geschah dann oft mit zeitlichem Abstand und/oder nicht durch dieselben Personen. Beispielsweise haben Feministinnen zunächst gemeinsamen Unterricht von Jungen und Mädchen gefordert, um Mädchen die gleichen Bildungschancen zu gewähren. Als das dann aber eingeführt war, hieß es bald, daß die Jungen die Mädchen angeblich unterbuttern würden, und mittlerweile gibt es schon wieder Bestrebungen, Jungen und Mädchen teilweise getrennt zu unterrichten.

Wenn nun also eine Feministin jahrelang die Verhältnisse in islamischen Ländern anprangert, dann kann sie sich natürlich schlecht dagegen aussprechen, wenn jemand fordert, geschlechtsspezifische Verfolgung als Asylgrund anzuerkennen.

"LOL - Was müssen das für Flüchtlinge sein?"

Armutsflüchtlinge. Es gibt in Ländern wie den Philippinen, Rußland oder Indonesien sehr viele Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als irgendwann in die USA oder in irgendein anderes reiches Industrieland zu gelangen. Weil sie in ihren Heimatländern keine angemessene Bezahlung für ihre Arbeit bekommen. Deshalb schotten sich Länder wie die USA, Kanada oder Australien auch sorgfältig gegen Einwanderer ab. Da darf man teilweise noch nicht einmal Übergewicht haben, wenn man dort einwandern möchte.

Da viele Armutsflüchtlinge die strengen Anforderungen, die in vielen Industriestaaten an Einwanderer gestellt werden, nicht erfüllen können, versuchen sie ja auch relativ häufig, auf oft abenteuerliche Weise illegal in diese Länder zu gelangen. Vor kurzem hat die US-Küstenwache z.B. diesen schwimmenden LKW aus Kuba abgefangen.

Wenn das Ziel dieser Armutsflüchtlinge Deutschland ist, brauchen sie aber einfach nur Asyl beantragen - selbst wenn sie keine Aussicht auf einen positiven Bescheid haben, sind sie dann erst einmal für die Dauer des Asyl-Verfahrens hier.

Freundliche Grüße
von Garfield



gesamter Thread:

 

powered by my little forum