Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Wieso?

Garfield, Tuesday, 03.02.2004, 14:52 (vor 8038 Tagen) @ Tran

Als Antwort auf: Re: Wieso? von Tran am 03. Februar 2004 11:21:15:

Hallo Tran!

Ach ja, stimmt, die Seite war vom MDR. Aber sie hatten die Infos von der Kripo, und das stand dort auch so. Die Kripo nutzt solche Möglichkeiten gern, um Hinweise zur Aufklärung von Straftaten zu bekommen. Dazu wäre es natürlich sehr kontraproduktiv, irgendwelche vagen Spekulationen zu veröffentlichen. Und der MDR ist wohl etwas seriöser als z.B. die "BILD"-Zeitung. Da gehe ich eigentlich nicht davon aus, daß die dann noch irgendetwas hinzuspekulieren. Sie werden alles genauso wiedergegeben haben, wie es ihnen von der Kripo mitgeteilt wurde. Und die ist ganz offensichtlich mit hoher Sicherheit davon ausgegangen, daß der Täter aus dem Osten gekommen sein muß - weil er eben f6-Zigaretten hatte. Wenn es kein Verkaufsverbot gäbe und diese Zigaretten im Westen einfach nur seltener verkauft werden würden, hätte man diesen Schluß so nicht ziehen können bzw. es wäre sehr unseriös und vor allem auch unprofessionell gewesen.

Im April 2003 schrieb der Typ auf der anderen Seite ja auch, daß er im Saarland f6 nicht bekommt und auf Anfrage von einem Händler die Antwort erhielt, daß der Verkauf dort verboten ist.

Ich weiß auch nicht genau, welchen Hintergrund dieses Verkaufsverbot hat. Es gibt da mehrere Möglichkeiten:

1. Eine Vereinbarung mit anderen großen Zigarettenherstellern. In dem Fall hätte illegaler Verkauf von f6 im Westen mit Sicherheit eine Klage zur Folge. Deshalb halte ich das für eher unwahrscheinlich.

2. Eine Auflage des Bundeskartellamtes. Das wäre durchaus möglich, weil Philip Morris im Westen mit Marlboro ja Marktführer ist. In dem Fall kann ich mir gut vorstellen, daß da einige Beamte gegen Bakschisch gern die Augen schließen und einen vertragswidrigen Verkauf von f6 im Westen tolerieren. Allerdings könnte man sich so etwas nicht lange leisten, und andere Zigarettenhersteller würden wahrscheinlich dafür sorgen, daß das vor Gericht landet.

3. Eine konzerninterne Entscheidung, um sich mit f6 im Westen keine Konkurrenz für Marlboro zu schaffen. f6 wird ja nicht mehr nach DDR-Rezeptur hergestellt. Möglicherweise steckt dasselbe drin wie in den Marlboros. Das kann ich als Nichtraucher schlecht beurteilen. Mit Sicherheit hat man die Zigaretten im Osten zumindest anfangs auch deutlich billiger verkauft als Marlboro, da die Einkommen im Osten ja niedriger sind. Es wäre schwer zu erklären, wieso dieselben Zigaretten im Westen teurer verkauft werden als im Osten. Verkauft man sie im Westen aber genauso billig, sinkt womöglich der Umsatz bei den Marlboros, so daß man deren Preis dann auch senken muß. Ich kann mir gut vorstellen, daß Philip Morris deshalb entschieden hat, f6 nur im Osten zu verkaufen, und daß sie auch Händler im Westen entsprechend unter Druck gesetzt haben.

Diese 3. Möglichkeit erscheint mir am wahrscheinlichsten. Das würde auch erklären, wieso man im Internet nichts zu einem Verkaufsverbot findet, sondern nur Aussagen darüber, daß f6 im Westen nicht verkauft wird.

Vor allem große Händler wie Karstadt lassen sich aber nicht so leicht unter Druck setzen. Die können auch zentral für ihre Filialen in Ost und West einkaufen. In der Nähe der östlichen Bundesländer kann ohnehin jeder Kunde auch in den Osten fahren, um sich dort f6 zu beschaffen. So kann ich mir gut vorstellen, daß Philip Morris bei größeren westlichen Kunden in der Nähe der ehemaligen Grenze ein Auge zudrückt und den Verkauf von f6 dort duldet. Mittlerweile hat sich der Preis vielleicht auch schon an Marlboro angenähert, so daß ein Verkaufsverbot im Westen weniger Sinn macht.

Viele Produzenten verkaufen ihre Produkte in zwei Varianten: Erstens als teures Markenprodukt und zweitens als billiges Noname-Produkt, letzteres oft über Billig-Supermarktketten wie ALDI. Häufig sind es exakt dieselben Produkte, denn es wäre oft uneffektiv, tatsächlich Produkte in unterschiedlichen Qualitäten herzustellen. Der Unterschied besteht meist nur in der Verpackung und natürlich im Preis.

Wenn man das offen zugibt, kaufen viele Kunden natürlich nicht mehr das teure Markenprodukt, sondern die günstigere Noname-Variante. Deshalb hält man das üblicherweise geheim. Wenn nun f6 als Billig-Variante von Marlboro gedacht war, macht es durchaus Sinn, f6 im Westen nicht zu verkaufen.

Freundliche Grüße
von Garfield


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