Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Der Generationenvertrag ist kein Vertrag

Daddeldu, Friday, 23.01.2004, 03:01 (vor 8050 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Re: Generationenvertrag von Nick am 21. Januar 2004 08:55:19:

Hallo Nick,

Der sogenannte "Generationenvertrag" ist weder eine Floskel, noch ein Betrug, noch Veruntreuung oder gar Volksverdummung. Er ist auch keineswegs nur ein schnödes "Finanzierungssystem". Es handelt sich der Sache nach tatsächlich um einen (natürlichen) Vertrag, der besagt: Eltern erziehen ihre Kinder und Kinder sorgen für ihre Eltern, wenn diese alt geworden sind.

Du wirfst die wechselseitige Verpflichtung zwischen Eltern und Kindern mit der Finanzierung der öffentlichen Rentenkasse durcheinander. Die Sachen haben nichts miteinander zu tun. Eltern sind IHREN Kindern gegenüber zum Unterhalt verpflichtet, Kinder sind IHREN Eltern gegenüber zum Unterhalt verpflichtet. Mit dem Rentensystem, bei dem eine Generation für eine Masse Fremder zahlt und später Anspruch hat von einer Masse anderer Fremder Geld zu bekommen, hat das ja nun wirklich nur eine schematische Ähnlichkeit.

Jeder Mensch, der überhaupt lebt - also "irgendwie" erzogen, versorgt und (hoffentlich) geliebt wurde - ist allein dadurch schon eo ipso in den Vertrag eingetreten,

Aus diesen Deinen Worten ergibt es sich ja schon: erzogen, versorgt und geliebt wurde der Mensch von seinen Eltern, nicht von den Rentnern der Bundesrepublik Deutschland. Die Rentner haben da – in ihrer Rolle als Rentenzahler und nunmehr Rentner – gar nichts beigetragen.

Vielleicht ist Dir nicht bewusst worüber hier diskutiert wird: Die Anwendung des Begriffes „Generationenvertrag“ auf das öffentliche Rentensystem als politisches Schlagwort, nicht auf die Eltern-Kind-Beziehung als ethisch-sittliche Rechtfertigung und Begründung.

Ich kann mir überhaupt keinen Vertrag vorstellen, der in sich sittlich berechtigter wäre, als gerade dieser.

Nun, dass die wechselseitige Verpflichtung zwischen Eltern und Kindern sittlich berechtigt ist, da habe ich keine Einwände.

Einwände habe ich nur – siehe oben – wenn man das Rentensystem damit durcheinander wirbelt.

Und mit dem Wort „Vertrag“.

Das Wort hat nämlich eine sehr klar umrissene Bedeutung: Die zwischen (mindestens) zwei Parteien durch Betätigung ihres FREIEN WILLENS zustande gekommene Übereinkunft. Das ist ein Vertrag. Und die Freiwilligkeit ist der Grund, warum man die Einhaltung von Verträgen von jedermann erwarten kann. Und meistens geht es um wechselseitige Verträge, bei denen ich gebe, um zu empfangen. Austausch von Leistungen. Eine weitere positive Bedeutung die hier mitschwingt.

Der bösartige Trick der Politiker bei der Anwendung des Begriffes „Generationenvertrag“ auf das Zwangssystem Rente ist nun, sich die zugrunde liegende Bedeutung der FREIWILLIGKEIT des Vertrages zu klauen und dem Rentensystem unterzuschieben. Wenn mir jemand vorhält: „Du hast Dich freiwillig dazu verpflichtet. Niemand hat dich gezwungen, und die Gegenleistung hast Du freudig in Empfang genommen. Jetzt leiste auch Deinen Teil.“, dann werde ich das sofort einsehen, wenn der Mahner über einen Vertrag redet. Redet er über die Rente, stimmt weder das Argument der Freiwilligkeit noch der Gegenleistung.

Den Begriff „Schneeballsystem“ finde ich in diesem Zusammenhang sehr treffend.

ein natürliches, organisches Fließgleichgewicht, beruhend auf dem elementaren Naturprinzip der Generationenfolge,

Oder so.

NUR und AUSSCHLIESSLICH die aus dem Arbeitseinkommen erbrachten Beiträge (später anteilig zur Hälfte von den Unternehmern mitgetragen)

Die Unternehmer tragen einen Scheiß. Der sogenannte Arbeitgeberbeitrag ist eine genauso bodenlose, politische Finte wie das Gelaber vom „Generationenvertrag“. Der Arbeitgeber kalkuliert das in die Arbeitskosten mit ein und wirft Dich raus, wenn Du ihm nicht Deinen Nettolohn + Lohnsteuern + Arbeitnehmeranteil + Arbeitgeberanteil erwirtschaftest. Für beide Seiten ist es wirtschaftlich exakt dasselbe, ob der Arbeitgeberanteil auf dem Lohnzettel als Bruttoentgelt aufgeführt ist oder nicht. Es ist nur psychologisch etwas anderes. Die Arbeitnehmer sollen einfach nicht an jedem Monatsersten mit der Nase darauf gestoßen werden, dass sie von dem, was der Arbeitgeber für ihre Arbeitskraft ausgibt, ca. 56 % wieder hergeben muss. Da klingen 39,5 % des Bruttolohnes doch weitaus besser. (Beides jeweils ohne Lohnsteuer.)

Sonderbelastungen wie z.B. die Wiedervereinigung oder die Renten der 12 Mio. Vertriebenen konnten aufgebracht werden. Und das war auch voll in Ordnung! Denn diese Deutschen hatten ohnehin schon den höchsten Preis zu zahlen gehabt für Hitlers Geisteskrankheit - nämlich den totalen und endgültigen Verlust ihrer Heimat (und das heißt eben auch: incl. aller Vermögen, aller Sparbücher, aller Bauernhöfe, aller Wirtschaftsbetriebe, aller Wertgegenstände, aller Wohnungen und Häuser etc. pp.)

Für den Verlust ihrer Rentenansprüche hätten die Vertriebenen wenn überhaupt von der Allgemeinheit entschädigt werden müssen, nicht von der wesentlich kleineren Gruppe der Rentenbeitragszahler. Eine unfaire, aber politisch sehr bequeme weil wenig transparente Sonderbelastung der Arbeitnehmer. Und für ihre restlichen verlorengegangenen Vermögenswerte wurden die Vertriebenen auch von der westdeutschen Allgemeinheit entschädigt. In den deutschen Ostgebieten ist denen nach den geltend gemachten Ansprüchen soviel Land enteignet worden, wie der vierfachen Fläche Frankreichs entspricht.

Wenn man all diese Erfahrungen der Vergangenheit mal in die Zukunft extrapoliert […] dann ist es schierer Irrsinn, seine eigene, heutige Altersvorsorge etwa auf Kapitaldeckung aufbauen zu wollen, […] Weißt du denn sicher, daß es in den nächsten 30-40(!) Jahren keine Weltwirtschaftskrise geben wird?

Also wenn ich mich der Extrapolation bedienen darf: in den letzten 50 Jahren gab es keine Kriege (bei uns), keine Weltwirtschaftskrise und keine Hyperinflation. Ein guter Rentenfonds hat aber sein Kapital auch sehr breit angelegt, wodurch er außerordentlich krisensicher wird: Immobilien, Aktien, Staatsanleihen. Alles jeweils im In- und Ausland. Die Katastrophe, die da kommen muss überlebt auch Dein geliebtes umlagefinanziertes Rentensystem nicht.

Von den volkswirtschaftlichen Folgen der demographischen Implosion, die sowieso und ganz gewiß eintreten werden, ganz zu schweigen

Mooment mal, das langsame Absinken der Bevölkerungszahl (= „demographische Implosion“) ist doch wohl das große Problem der umlagefinanzierten Rentenkasse, nicht der kapitalgedeckten.

Dieses archaische Basisprinzip, das seit Menschengedenken immer gültig war, mögen meinetwegen "Poststrukturalisten" und ähnliche Parasiten

Also mit unserer Diskussion um den ominösen Poststrukturalismus hat das hier nun wirklich nichts zu tun. Und die Poststrukturalisten als Parasiten zu bezeichnen liegt wohl auch neben der Sache.

Das staatliche Rentensystem hat nun aus diesem Prinzip der familiären Generationen-Subsidiarität ein kollektives Solidarsystem gemacht.

Das ist weder historisch noch systematisch korrekt. Das ist einfach ein Märchen.

währenddessen eine wachsende Zahl von Leuten sich real daran gewöhnte, auf allen denkbaren Wegen vor allem ihren persönlichen Vorteil zu verfolgen.

Das haben schon immer alle Menschen gemacht. Darauf beruht die Geschichte der Menschheit.

man konnte nun auch Kinder ein ganzes Leben lang zuverlässig verhüten […] und am Ende dennoch auf hohe Renten spekulieren - aufgebracht werden sollten die nämlich von "den Kindern der Anderen(!)".

Nun, die konsequente Konsequenz wäre dann natürlich, die bösen Kinderlosen nachträglich aus dem Rentensystem heraus zu kicken, ihnen ihre Rentenbeiträge wieder zurück zu zahlen, mit einem vernünftigen Zinssatz selbstverständlich, und dann sollen sie eben schauen, wo sie bleiben, die unsolidarischen Ärsche! (Die Summe wäre allerdings höher als das, was ein Rentner so im Schnitt insgesamt ausgezahlt bekommt.)

Beispiel: der (vermeintliche) "Kapitalstock" von 48 Milliarden, der an die Bundeswehr ging - das hört sich nach ungeheuer viel Asche an (und ist es natürlich auch, absolut gesehen), aber wenn du mal 48.000.000.000 durch 16.000.000 Rentner teilst, dann sind das 3000 DM pro Nase. Das sind nicht mal zwei Monatsrenten.

Ehrlich gesagt sehe ich nicht den geringsten Grund das zu tun, denn es waren damals nicht 16 Mio. Rentner, sondern ein Bruchteil davon. Damals hatten die Leute nämlich noch den menschlichen Anstand, ihr Leben, quasi in einem letzten Akt von gelebter Generationensolidarität, kurz nach dem Renteneintritt auszuhauchen. Oder, besser noch, kurz davor. Und wenn wir nun 48 Mrd. DM durch, sagen wir mal, 4,8 Mio. Rentner teilen (rechnet sich so schön) dann sind wir schon bei 10.000 DM. Und damals hat der Durchschnittsrentner gewisslich keine 1.500 DM Rente bezogen. So mag diese Summe so um die 15 Monate hingelangt haben.

Und das 10 Jahre nach dem Krieg. Wenn man in dieser Richtung weiter gemacht hätte, könnte der Kapitalstock heute vielleicht einen überwiegenden Teil der Rente finanzieren.

Ich halte die meisten heutigen Politiker, ganz anders als du, nicht etwa für besonders schlitzohrig, sondern für ganz besonders dumm und sehr, sehr unfähig. Ein gelernter Porzellanverkäufer ist Bundeskanzler,

Schröder hat dann aber auch Jura studiert und eine erfolgreiche mittelständische Kanzlei aufgebaut. Das sollte man dann vielleicht auch nicht vergessen.

Zur Gaudi des verblödeten Pöbels, der sie ja immerhin "gewählt" hat. Es ist eine einzige Tragödie, daß solch einem urteilsunfähigen Haufen die Entscheidung über elementare Zukunftsfragen aufgegeben ist.

Ach ja, Demokratie ist schon scheiße.

Dazu gehört für mich, bezogen auf unsere heutige Frage, unverzichtbar folgendes:
[…]
(Jede Menge Allgemeinplätze und Forderungen, die eh schon erfüllt sind gelöscht)
- Der Grundsatz sozialpolitischer Gerechtigkeit ist Ausgleich von Geben und Nehmen, Pflichten und Rechten, Verantwortung und Freiheit […]
- Und zwar bekommt man dabei heraus (Rente), nach Maßgabe dessen, was man hinein gegeben hat (Kinder)
- Wer es anders haben will, soll es sich selbst anders organisieren; Ausnahmen nur bei ungewollter Kinderlosigkeit.
- Rentenbeiträge muß jeder dennoch zahlen - weil er nämlich, wie jeder Mensch, zwei Eltern hat(te)!

Zunächst einmal müssen heute eine Menge Leute natürlich nix einzahlen. Und weiterhin ist es offenkundig ungerecht (und klar verfassungswidrig), jemanden zum Einzahlen zu zwingen und ihm nichts herauszugeben. Die Begründung – man hatte zwei Eltern – ist offenkundiger Unfug.

Du kannst echt gut schreiben, schade dass Du solchen Unsinn ablässt.

Netten Gruß,
Daddeldu

P. S.: Öhm, sag maaal, wie viele Kinder hast DU eigentlich?


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