Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Generationenvertrag

Garfield, Wednesday, 21.01.2004, 16:42 (vor 8051 Tagen) @ Tran

Als Antwort auf: Re: Generationenvertrag von Tran am 21. Januar 2004 13:14:23:

Hallo Tran!

Ja, die 4jährige Amtszeit trägt natürlich auch dazu bei, daß Politiker vor wirklichen Reformen zurück scheuen. Ich glaube aber, daß sie mehr Angst davor haben, daß die Geldhähne der Wirtschaft für sie zugedreht werden als davor, nicht wieder gewählt zu werden.

Denn auch als Oppositionspolitiker kann man Geld oder andere Zuwendungen aus der Wirtschaft bekommen - wenn man sich dort nicht unbeliebt macht. Außerdem hat man dann auch die Chance, irgendwo in der Wirtschaft einen gutbezahlten Posten zu bekommen, wenn man gar kein politisches Amt mehr hat. Aber auch das klappt eben nur, wenn man sich vorher vor allem bei den Chefs der Großunternehmen nicht unbeliebt gemacht hat.

"Die Gehälter der Politiker doch (glaube ich) kaum ins Gewicht fallen, wenn man bedenkt was solch ein Staat wie unserer insgesamt an Ausgaben haben mag."

Das mag sein. Das Problem besteht aber mehr darin, daß viele Politiker so gut leben, daß sie sich überhaupt gar nicht mehr in die Situation einen normalen Durchschnittsbürgers hineinversetzen können, selbst wenn sie das denn wollten. Und durch ihre vielen Privilegien bekommen sie selbst die Auswirkungen ihrer Gesetze gar nicht zu spüren. Zahlen sie die sogenannte "Öko-Steuer" an der Tankstelle? Nein, denn das bezahlt der Steuerzahler - also wir - für sie. Müssen sie die 10 Euro Praxisgebühr berappen? Nein, denn sie können sich ja privat versichern. Werden sie gezwungen, jeden Monat hunderte von Euro in eine Rentenversicherung einzuzahlen, aus der sie später im Alter kaum noch etwas herausbekommen werden? Nein, denn sie können sich ja auch da privat versichern oder aber bekommen ihre fetten Pensionen so oder so, ganz egal, wie leer die Rentenkassen sind...

"Sollte sich wirklich mal ein fähiger Mann am richtigen Posten befinden soll er auch sein Geld haben."

Das Problem besteht aber darin, daß gutbezahlte Posten vor allem Leute anziehen, die scharf auf's Geld sind. Was nützen uns hochqualifizierte Politiker, wenn die eh alle nur scharf darauf sind, sich die Taschen zu füllen? Ein echter Idealist kann mehr bewegen als 100 Abzocker. Aber in der Politik herrscht mittlerweile eine Athmosphäre, in der echte Idealisten keine Chance mehr haben. Die stören da nämlich nur und werden deshalb schnell wieder vergrault oder weggelobt.

"Naiv wie ich bin behaupte ich einfach mal: je mehr ein Mensch verdient desto weniger anfällig für Bestechungsgelder dürfte er sein."

Das glauben viele, aber es stimmt nicht. Die Haushalte mit den meisten Schulden sind in Deutschland nicht etwa die Haushalte von Leuten mit geringem Einkommen. Nein, es sind Haushalte von Leuten mit mittleren bis hohen Einkommen. Zum einen liegt das daran, daß man ohne ausreichende Sicherheiten ja gar keinen größeren Kredit bekommt. Zum anderen liegt das aber auch daran, daß die meisten Menschen nun einmal den Hals nicht voll kriegen können. Wer viel verdient, der gibt auch viel aus. Dann möchte die Frau nicht mehr arbeiten, aber mit Hausarbeit möchte sie sich dann bitteschön auch nicht die Finger schmutzig machen. Also muß Dienstpersonal her. Dann haben natürlich auch die Kinder hohe Ansprüche. Ein gebrauchter VW "Polo" als Geschenk zum bestandenen Abi reicht dann nicht mehr. Dann braucht man dringend auch noch ein Ferienhaus auf Ibiza, wofür man dann auch Personal engagieren muß. Dann möchte die Frau sich alle paar Wochen neue Kleider, Schuhe usw. kaufen, und zwar natürlich nicht bei C&A und Deichmann. Dann möchte man privat gern einen Oldtimer fahren. So kommt eins zum anderen, und irgendwann reicht auch das beste Gehalt nicht mehr aus. Vielleicht hat man auch noch etwas Geld irgendwie angelegt und dabei keine glückliche Hand gehabt, so daß es dann leider weg ist...

Dann kommt noch dazu, daß man in den "gehobenen Kreisen" natürlich bemüht ist, immer ein gewisses Niveau zu wahren. Dann auf einmal eingestehen zu müssen, daß man sich finanziell vielleicht doch etwas übernommen hat, ist unfein und peinlich.

Ich kenne einen Typen, der eine Firma hatte und in der Zeit jedes Jahr in Spanien Urlaub gemacht hat. Aber nicht etwa als Pauschaltourist. Nein - da mußte eine große Villa und eine Yacht gemietet werden, seine Harley-Davidson ließ er auch einfliegen, und er veranstaltete dort natürlich täglich Parties, auf denen er sich als reicher Millionär aufspielte. Wenn er dann wieder zurück in Deutschland war, dann war er dermaßen pleite, daß seine Mitarbeiter erstmal 1-2 Monate auf ihre Löhne warten mußten. Die konnten seine Protzerei dann ausbaden, nur damit er sich auch ja in der "feinen Gesellschaft" keine Blöße geben mußte.

Wenn einem dann jemand für eine kleine Gefälligkeit mal ein kleines Sümmchen zahlt oder sich sonstwie dankbar erweist, dann neigt man dann schon dazu, darauf einzugehen, um weiter problemlos auf großem Fuß leben zu können.

Freundliche Grüße
von Garfield


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