Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Generationenvertrag

Tran, Thursday, 22.01.2004, 10:30 (vor 8051 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Generationenvertrag von Garfield am 21. Januar 2004 14:42:39:

Guten Morgen Garfield!

"Die Gehälter der Politiker doch (glaube ich) kaum ins Gewicht fallen, wenn man bedenkt was solch ein Staat wie unserer insgesamt an Ausgaben haben mag."
Das mag sein. Das Problem besteht aber mehr darin, daß viele Politiker so gut leben, daß sie sich überhaupt gar nicht mehr in die Situation einen normalen Durchschnittsbürgers hineinversetzen können, selbst wenn sie das denn wollten. Und durch ihre vielen Privilegien bekommen sie selbst die Auswirkungen ihrer Gesetze gar nicht zu spüren. Zahlen sie die sogenannte "Öko-Steuer" an der Tankstelle? Nein, denn das bezahlt der Steuerzahler - also wir - für sie. Müssen sie die 10 Euro Praxisgebühr berappen? Nein, denn sie können sich ja privat versichern. Werden sie gezwungen, jeden Monat hunderte von Euro in eine Rentenversicherung einzuzahlen, aus der sie später im Alter kaum noch etwas herausbekommen werden? Nein, denn sie können sich ja auch da privat versichern oder aber bekommen ihre fetten Pensionen so oder so, ganz egal, wie leer die Rentenkassen sind...

Da bin ich allerdings anderer Meinung. Natürlich lassen sich wehtuhende Verordnungen leichter erlassen wenn sie nicht den eigenen Geldbeutel betreffen. Aber ich denke ein halbwegs intelligenter Mensch kann sich halbwegs in die Lage eines einfachen Arbeiters hineinversetzen, selbst wenn er (mit) an der Spitze des Staates steht.
Ich glaube es geht da mehr ums Wollen denn ums Können.

"Sollte sich wirklich mal ein fähiger Mann am richtigen Posten befinden soll er auch sein Geld haben."
Das Problem besteht aber darin, daß gutbezahlte Posten vor allem Leute anziehen, die scharf auf's Geld sind. Was nützen uns hochqualifizierte Politiker, wenn die eh alle nur scharf darauf sind, sich die Taschen zu füllen? Ein echter Idealist kann mehr bewegen als 100 Abzocker. Aber in der Politik herrscht mittlerweile eine Athmosphäre, in der echte Idealisten keine Chance mehr haben. Die stören da nämlich nur und werden deshalb schnell wieder vergrault oder weggelobt.

Vielleicht würde es etwas ändern, würde die Macht in die Hände nur eines einzigen Mannes vergeben, meinetwegen mit all seinen Ministern und Beratern drumherum, aber eben mit der alleinigen Entscheidungsmacht.
Müsste natürlich der Richtige sein. Also hat auch diese Sache wieder ihren Haken.

"Naiv wie ich bin behaupte ich einfach mal: je mehr ein Mensch verdient desto weniger anfällig für Bestechungsgelder dürfte er sein."
Das glauben viele, aber es stimmt nicht. Die Haushalte mit den meisten Schulden sind in Deutschland nicht etwa die Haushalte von Leuten mit geringem Einkommen. Nein, es sind Haushalte von Leuten mit mittleren bis hohen Einkommen. Zum einen liegt das daran, daß man ohne ausreichende Sicherheiten ja gar keinen größeren Kredit bekommt. Zum anderen liegt das aber auch daran, daß die meisten Menschen nun einmal den Hals nicht voll kriegen können. Wer viel verdient, der gibt auch viel aus. Dann möchte die Frau nicht mehr arbeiten, aber mit Hausarbeit möchte sie sich dann bitteschön auch nicht die Finger schmutzig machen. Also muß Dienstpersonal her. Dann haben natürlich auch die Kinder hohe Ansprüche. Ein gebrauchter VW "Polo" als Geschenk zum bestandenen Abi reicht dann nicht mehr. Dann braucht man dringend auch noch ein Ferienhaus auf Ibiza, wofür man dann auch Personal engagieren muß. Dann möchte die Frau sich alle paar Wochen neue Kleider, Schuhe usw. kaufen, und zwar natürlich nicht bei C&A und Deichmann. Dann möchte man privat gern einen Oldtimer fahren. So kommt eins zum anderen, und irgendwann reicht auch das beste Gehalt nicht mehr aus. Vielleicht hat man auch noch etwas Geld irgendwie angelegt und dabei keine glückliche Hand gehabt, so daß es dann leider weg ist...
Dann kommt noch dazu, daß man in den "gehobenen Kreisen" natürlich bemüht ist, immer ein gewisses Niveau zu wahren. Dann auf einmal eingestehen zu müssen, daß man sich finanziell vielleicht doch etwas übernommen hat, ist unfein und peinlich.

Nun ja, da ist es ja in seiner reinsten Form: das ankurbeln der deutschen Wirtschaft. Stell Dir vor der Mensch an sich wäre bescheiden und würde sich mit wenig begnügen (freiwillig - ohne Not). Diese weitverzweigte Wirtschaft wie wir sie haben wäre doch so gar nicht möglich, oder?
Im Grunde hat es auch seine Vorteile wenn der Mensch immer mehr haben will.
Allerdings gibt es auch den von Dir angesprochenen Nachteil: die Gefahr der Bestechung. Aber wie soll man ihr begegnen?
Was wir hier machen, dieses darüber nachdenken was falsch läuft, ist doch eingentlich unnütz. Stattdessen sollte man sich Gedanken über mögliche Lösungen machen.
Aber da hab ich für meinen Teil nichts parat.

Ich kenne einen Typen, der eine Firma hatte und in der Zeit jedes Jahr in Spanien Urlaub gemacht hat. Aber nicht etwa als Pauschaltourist. Nein - da mußte eine große Villa und eine Yacht gemietet werden, seine Harley-Davidson ließ er auch einfliegen, und er veranstaltete dort natürlich täglich Parties, auf denen er sich als reicher Millionär aufspielte. Wenn er dann wieder zurück in Deutschland war, dann war er dermaßen pleite, daß seine Mitarbeiter erstmal 1-2 Monate auf ihre Löhne warten mußten. Die konnten seine Protzerei dann ausbaden, nur damit er sich auch ja in der "feinen Gesellschaft" keine Blöße geben mußte.

"Kenne einen Typen" ist Gegenwart, "der eine Firma hatte" hingegen Vergangenheit. Kann ich dann davon ausgehen das er die Firma nicht mehr hat? Falls ja hätte sich der Fall im Grunde von selbst erledigt. Falls nicht kann die Retourkutsche nicht mehr lange dauern.
Wenn er so schlecht mit Geld umgehen kann hat er die Firma nicht lange.
Dieser Typ klingt für mich irgendwie nach "von Beruf Sohn", also nach einem verzogenen Bengel mit einer geerbten Firma. Irgendsowas in der Richtung.

Wenn einem dann jemand für eine kleine Gefälligkeit mal ein kleines Sümmchen zahlt oder sich sonstwie dankbar erweist, dann neigt man dann schon dazu, darauf einzugehen, um weiter problemlos auf großem Fuß leben zu können.

Ok, klar. Aber wie kann man dem begegnen? Mir fällt keine Lösung ein.
Es wird da wohl auch keine Lösung geben, da dieses Problem nunmal einen Trieb des Menschen betrifft: die Gier.
Vielleicht kann jeder einen Trieb bei sich selbst unterdrücken, aber wie will man das für ein ganzes Volk bewerkstelligen?

Tran


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