Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: OT: Tankstellen, Portugal, Life Stinks

Garfield, Friday, 30.01.2004, 12:50 (vor 8043 Tagen) @ Daddeldu

Als Antwort auf: OT: Tankstellen, Portugal, Life Stinks von Daddeldu am 29. Januar 2004 17:44:05:

Hallo Daddeldu!

"Ich weiß auch nicht, ob die sich (trotz Verbotes) absprechen. In einem Interview hat mal ein Sprecher von denen behauptet, sie seien halt alle einem so harten Wettbewerb ausgesetzt, dass der Preis bei allen auf unterstem Niveau sei und jede Marktänderung (d. h. $-€-Verhältnis und Ölpreis in Rotterdam) sofort weitergegeben werde."

Der ADAC hat aber schon oft darauf hingewiesen, daß Preiserhöhungen auch ganz ohne Änderung des Rohölpreises erfolgen. Das passiert dann auch immer etwa gleichzeitig bei allen großen Mineralölkonzernen.

"Du hattest behauptet sie seien legal und gerichtlich durchsetzbar, was definitiv falsch ist."

Dann hast du mich falsch verstanden. Ich meinte lediglich, daß es Preisabsprachen gibt und daß so eben der Markt auch ganz ohne staatliche Einflußnahme keineswegs frei ist.

"Ja, weil die Marktmechanismen dazu führen."

Von mir aus bezeichne diese Preisangleichungen als Marktmechanismus. Das ändert aber nichts daran, daß es zwischen großen Unternehmen üblicherweise keine harten Preiskämpfe gibt. Das wiederum gibt den Endverbrauchern wenig Möglichkeiten, die Preise zu drücken. Manche Dinge wie z.B. Benzin oder Lebensmittel muß man nun einmal kaufen, ob man will oder nicht. Wenn das Preisneiveau nun überall gleichermaßen hoch ist, bleibt dem Kunden nichts anderes übrig, als das zähneknirschend in Kauf zu nehmen. Nur wenn tatsächlich die finanziellen Möglichkeiten der Endverbraucher überschritten sind, sie also dadurch gezwungen werden, weniger zu konsumieren, zwingen die Umsatzeinbrüche zu Preissenkungen. Das bedeutet dann aber auch, daß vorher viele Endverbraucher in die Situation kommen, daß sie Dinge, die sie eigentlich dringend brauchen, nicht mehr kaufen können.

"Das ist falsch."

Nein, Daddeldu, das ist nicht falsch! Es gibt Gerichtsurteile, die Unternehmen dazu verdonnert haben, ihre Preise zu erhöhen.

Weder Portugal noch Griechenland waren mit den Ostblockländern vergleichbar. Portugal war - wie du ja selbst hier schreibst - Mitte der 70er Jahre ein total zerrüttetes Land. Und das, trotzdem es bis dahin nicht sozialistisch orientiert war. Deiner Theorie zufolge hätte es 1974 also ein blühendes Land mit florierender Wirtschaft sein müssen. Dann wäre dort mit Sicherheit auch niemand auf die Idee gekommen, Großunternehmen zu verstaatlichen. Diese Situation hat also nicht der Sozialismus verursacht, sondern es war eher so, daß das nicht-sozialistische Chaos letztendlich so etwas wie Sozialismus als letztes Mittel in der Not verursacht hat.

Außerdem war es auch in Deutschland so, daß beispielsweise Volkswagen nach dem zweiten Weltkrieg in Staatsbesitz überging. Hat sich das auf VW nachteilig ausgewirkt? Fahr mal heute über eine deutsche Autobahn und zähle die Automarken, die du dort siehst. Wetten, daß du dabei das VW-Zeichen am meisten zu sehen bekommst?

Auch in Frankreich gibt es schon lange staatliche Unternehmen. Mit Sozialismus hat das an sich wenig zu tun, und der Tatsache, daß Frankreich unter den führenden Industriestaaten ist, hat das auch keinen Abbruch getan.

Daß es den Portugiesen besser ging als den DDR-Bürgern, möchte ich bezweifeln. Die DDR stand auch verglichen mit diversen marktwirtschaftlich orientierten Staaten vom Lebensstandard her gar nicht so schlecht da. Verglichen mit der Bundesrepublik sah sie natürlich weitaus weniger toll aus, dabei muß man aber auch bedenken, daß die Bundesrepublik ja eines der reichsten Länder überhaupt war und noch ist. Und daß sie nach dem Krieg weitaus bessere Startbedingungen hatte als die DDR.

Und in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wurde die DDR auch von westlichen Wirtschaftsexperten hinter Großbritannien eingeordnet. Nach einigen Berechnungsmethoden lag sie sogar sehr knapp hinter Großbritannien.

"Die Preissteigerungen, betrachtet man alle Produkte, nicht nur gezielt herausgegriffene, sind unter der 2 %-Marke, also im normalen Inflationsbereich."

Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Meine Verlobte und ich haben diese Euro-Preiserhöhungen jedenfalls deutlich zu spüren bekommen. Und das ist nicht nur so ein Gefühl. Wir führen ein Haushaltsbuch, und da kann man blau auf weiß sehen, daß sich unsere Ausgaben für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs nach der Euro-Einführung deutlich erhöht haben, also nicht nur um etwa 2%.

"Dann zerpflücke doch bitte, dass es den Menschen überall auf der Welt in einer friedlichen Marktwirtschaft besser ging als in einer friedlichen Planwirtschaft."

Daddeldu, es gab und gibt in Asien, Afrika, Südamerika und selbst in Europa genügend marktwirtschaftlich orientierte Staaten, in denen es der Bevölkerung alles andere als gut geht! Sieh dir doch nur mal die Zustände in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion an. Und wie sah es denn in Deutschland im 19. Jahrhundert aus? Willst du etwa behaupten, daß es damals in Deutschland sowas wie Planwirtschaft gab?

"Ich fand seine Anfangsbedingungen etwas unfair, weil er, im Gegensatz zu einem echten Obdachlosen, keine vernünftige Kleidung hatte. Seine kostbaren Schuhe wurden gestohlen und er hatte gar keine mehr. Er hatte Null Beziehungen und Kenntnisse dort und nicht den Besitz eines angepassten Berbers, also Schlafsack etc."

Ja, Daddeldu, aber mit solch unfairen Startbedingungen hat leider anfangs jeder Obdachlose zu kämpfen! Bisher ist wohl zumindest in den führenden Industriestaaten noch niemand in die Obdachlosigkeit hineingeboren worden und als Obdachloser aufgewachsen. Aber das wird sich wohl bald ändern...

Freundliche Grüße
von Garfield


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