Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Generationenvertrag

Garfield, Tuesday, 27.01.2004, 15:11 (vor 8045 Tagen) @ Tran

Als Antwort auf: Re: Generationenvertrag von Tran am 27. Januar 2004 10:38:24:

Hallo Tran!

"Da bin ich eher für Flickschusterei."

Flickschusterei bedeutet aber, die jetzigen Führungskräfte weitgehend in Amt und Würden zu belassen. Und die werden dann schon dafür sorgen, daß nicht zuviel geflickschustert wird.

"C leiht B Geld, wofür dieser ihm Zinsen zahlt. Warum sollte C ihm das Geld sonst geben?"

Z.B. weil er sonst keine Zinsen dafür bekommt, und somit nur die Wahl hat, sein Geld in die Matraze zu stopfen oder es durch Beteiligung an einem Unternehmen produktiv sinnvoll anzulegen.

"Nun gibt B das Geld an A weiter, natürlich ebenfalls verzinst, denn schliesslich spielt er seine Vermittlerrolle nicht umsonst, er möchte ja auch verdienen."

Ja, und das treibt dann die Preise und damit die Lebenshaltungskosten für die Bevölkerung wieder ein Stück nach oben.

"Ist der Zinssatz zu hoch wird er den Kredit nicht annehmen. Keiner zwingt ihn."

Wirklich nicht? Wie soll er sich denn mit veralteten Maschinen als Kleinunternehmer sonst weiter am Markt behaupten? Er hat ansonsten nur noch eine Möglichkeit: Den Laden dicht zu machen.

"Wieso leider? Wieso ist Herr A in Deinen Augen durchweg eine arme Sau?
Er wollte doch den Kredit haben, oder?"

Wollte er das? Meinst du, er konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als für Zinsen zu arbeiten?

"Was hat A denn mit dem Geld gemacht das es jetzt auf einmal allen so viel schlechter geht als vorher?"

Nun, dafür hat er neue Maschinen gekauft! Die alten hat er zwar verkauft, aber die hatten leider nur noch Schrottwert, und mehr hat er dafür auch nicht bekommen.

"Sollte es seinem Betrieb dann jetzt nicht besser gehen?"

Theoretisch schon. Praktisch bricht leider durch die steigende Arbeitslosigkeit die Kaufkraft und damit auch der Markt weg. Er müßte die Preise senken, aber das kann er durch die Kreditbelastung leider nicht...

"Wo siehst Du zwischen Herrn B und Herrn C einen Unterschied? Beide verleihen ihr Geld, beide bekommen dafür Zinsen, beide verdienen daran."

Nochmal: Der Unterschied besteht darin, daß Herr C für seine Zinsen nichts weiter tut, als einen Geldbetrag einzuzahlen und einen Vertrag zu unterschreiben. Danach braucht er keinen Finger mehr zu rühren, und sein Vermögen wird trotzdem immer größer und größer. Woher kommt wohl dieser wundersame Zuwachs? Wer arbeitet dafür?

"Doch, er hat sein Einkommen. Das ist doch genau das was er will, oder? Mit der neuen Maschine kann er nichts anfangen, ausser eins: daran arbeiten."

Für sein Einkommen arbeitet er im Unternehmen. Da es dem Unternehmen aber finanziell schlecht geht, verzichtet er auf einen Teil seines Einkommens. Denn er bekommt kein Weihnachts- und kein Urlaubsgeld mehr. Für diesen Verzicht bekommt er nichts. Er hilft seinem Chef damit, den Kredit abzuzahlen, aber er erwirbt keine Anteile am Unternehmen.

"Verzicht worauf?"

Na, auf Weihnachts- und Urlaubsgeld, und auf eine Lohnerhöhung, die zumindest die Inflation ausgleichen würde!

"Bring mir bessere Argumente, vielleicht kann ich sie dann ändern."

Na ja, du mußt schon lesen, was ich schreibe! Oder bring doch mal Gegenargumente!

"Wieso ohne etwas dafür zu tun? Immerhin verleiht er sein Geld!"

Ja, und? Ist das mit schwerer Arbeit verbunden? Übrigens verleiht jeder sein Geld an Banken, jedenfalls jeder, dessen Lohn oder Gehalt auf ein Girokonto überwiesen wird. Empfindest du es als gewaltige Großtat deinerseits, wenn Geld auf dein Konto überwiesen wird?

"Wenn ich in einem Jahr mit meiner Ausbildung (Mikrotechnologe) fertig bin werde ich in einem sogenannten Reinraum arbeiten. Die Maschinerie die da drin steht und damit verbunden ist wird sich wohl kaum je ein Privatmann leisten können.

Um eine solche Firma aufzubauen sind sehr sehr hohe Kredite notwendig."

Die ein kleiner Unternehmer aber sowieso nicht bekommt.

"Mit anderen Worten: ohne einen Herrn C und Herrn B wäre ich in einem Jahr arbeitslos."

In diesem System ja. In einem besseren System nicht. Denn ohne Zinsen würde alle Personen mit hohem Barvermögen regelrecht nach Möglichkeiten zur Geldanlage suchen. Jeder, der eine gute Geschäftsidee hat, könnte dann dafür einen finanzkräftigen Partner finden, mit dem zusammen er ein Unternehmen gründen könnte.

Jetzt muß man dann aber leider zur Bank gehen. Und für die Bank ist die Geschäftsidee nur einer von vielen Faktoren. Du kannst noch so ein gutes Konzept haben und fachlich noch so kompetent sein: Wenn du mit Jeans und T-Shirt bei der Bank erscheinst und außer deiner Wohnungseinrichtung und einem 8 Jahre alten VW "Polo" keine Sicherheiten vorzuweisen hast, dann kriegst du keinen großen Kredit. Und selbst wenn du einen kriegst, mußt du ihn mit Zinsen zurückzahlen, was gerade für Unternehmensgründer eine große Belastung ist.

Gerade in Zeiten, wenn die Arbeitslosigkeit steigt und die Menschen immer weniger Geld ausgeben, muß man mit niedrigen Preisen auf den Markt gehen. Vor allem dann, wenn man nur ein kleines Unternehmen und somit keine starke Position am Markt hat. Und wenn man sich auch keine teuren Werbekampagnen leisten kann. Wie soll man aber niedrige Preise machen, wenn man hohe Belastungen durch Kredite am Hals hat?

"Richtig, ich hab das einfach mal so anhand Deiner Art zu argumentieren vermutet."

Nun, ich werfe es keinem Reichen vor, daß er sein Geld zinsbringend anlegt. Das System bietet ihm diese Möglichkeit, also nutzt er sie. So ist das nun einmal. Die Menschen kann man schlecht ändern - das System aber wohl.

"Aber was meinst Du mit "Denk mal darüber nach, wieso!"?"

Nun, ganz offensichtlich empfindest du ja gewisse Dinge selbst als negativ. Wieso nimmst du sie dann in Schutz?

"Alles nicht, aber in diesem Bereich schon."

Wirklich? Kann man einen Bereich so klar vom Rest der Welt abtrennen?

"Natürlich erwarten und bekommen sie dafür eine Gegenleistung.
Aber sollte es nicht normalerweise anders laufen?"

Ja, eben!

"Ich denk mal (ganz grob gesehen) sollte es ursprünglich mal so funktionieren:
Der Unternehmer schaut sich an was die Parteien (CDU/SPD/wer auch immer) nach ihrer Wahl so vorhaben. Ist ihm dann das eines der Vorhaben der (zum Beispiel) CDU nützlich, so lässt er der CDU halt eine Parteispende zukommen, so das die CDU die nächste Wahl gewinnt. CDU setzt ihr Vorhaben um, was dann der Firma zugute kommt."

Genau so läuft das auch. Die CDU-Politiker freuen sich über das Geld, und so tun sie dann fortan vor allem das, was ihnen noch mehr Geld seitens der Wirtschaft einbringt. In Afrika nennt man sowas Korruption, aber hier redet man lieber von "Spenden".

"Ich denke sie sind es."

Ich glaube nicht, daß unsere Politiker wirklich so unfähig sind. Ich denke, sie stellen sich oft absichtlich dumm und tun so, als hätten sie die Folgen ihrer Gesetze nicht vorhersehen können. Daß aber beispielsweise die Bundestagsabgeordneten die Preiserhöhungen durch den Euro vorhergesehen haben, sieht man schon daran, daß sie sich in der Zeit vor der Euro-Einführung mehrmals satt die Diäten erhöht haben.

Das hat sie mehrheitlich aber nicht dazu veranlaßt, Maßnahmen gegen Preiserhöhungen bei der Euro-Einführung zu fordern. Schließlich verdient der Staat daran ja auch gut mit...

"Deine Argumente die Planwirtschaft und die DDR betreffend lassen detailiertes Wissen oder aber Phantasie erkennen.
Woher weisst Du das alles?"

Da empfehle ich dir auch das Buch "Was war die DDR wert?" von Siegfried Wenzel. Manches weiß ich aber auch einfach deshalb, weil ich 20 Jahre in der DDR gelebt habe.

"Für die schlechte Wirtschaftslage war von allem die Planwirtschaft zuständig."

Ja, die Planwirtschaft trieb in der DDR recht merkwürdige Blüten. Aber sie war definitiv nicht der wesentliche Grund für die schlechte Situation der DDR-Wirtschaft. Lies das Buch - dann wirst du das besser verstehen.

"Völlig zusammenbrechen wird es nicht, eher schon demontiert. Aber eben nur unser Sozialsystem. Was dann passiert? Nun, im ersten Moment würde ich natürlich mal vermuten das die Arbeitslosigkeit leicht sinken - hingegen die Kriminalitätsrate leicht steigen wird. Ersteres wäre auch in Deinem Sinne, oder?"

Wieso sollte die Arbeitslosigkeit durch Demontage des Sozialsystems sinken? Weniger Sozialleistungen = weniger Kaufkraft = weitere Schwächung des Marktes = keine oder kaum Neueinstellungen. Klar wird sich die Wirtschaft über die sinkenden Sozialbeiträge freuen und die so erzielten Zusatzprofite gern einstecken. Aber investiert wird das Geld kaum hier auf dem schwächer werdenden deutschen Markt, sondern auf den Märkten, wo alles wächst, z.B. in China.

"Was unsere Politiker so von sich geben glaubt bereits heute keiner mehr."

Doch, leider gibt es immer noch viele Mensche, die ihnen glauben. Weil sie einfach an irgendetwas glauben wollen.

"Zur Wahl geht man trotzdem. Idiotisch, was?"

Ja. Man will halt das größere Übel verhindern...

"Und weil das viel nicht tun, bin ich bisher noch immer wählen gegangen."
"Das verstehe ich jetzt nicht."

Na ja, ich weiß ja, daß viele wählen gehen. Wenn viele davon dann das größere Übel wählen, muß ich später damit leben. Also gehe ich auch zur Wahl und wähle das kleinere Übel.

"Danke für die Aufklärung. Ich hatte vorher noch nie davon gehört.
Ich weiss nicht ob das alles so stimmt was Du zu diesem Thema schreibst, aber dieses Szenario hört sich irgendwie nicht allzu gut an."

Nein, das klingt ganz und gar nicht gut, und die Unternehmen, die der TCPA beigetreten sind, hängen das auch nicht gern an die große Glocke. Deshalb hört man kaum etwas darüber. Die Kundendienstmitarbeiter einiger Firmen (z.B. bei AMD) leugnen sogar teilweise, daß ihr Unternehmen TCPA ebenfalls unterstützt.

Unter www.againsttcpa.com findest du mehr Infos darüber.

"Selbst erstellte Inhalte auf Internetseiten sind bereits geistiges Eigentum des jeweiligen Autors.
Wenn Du zum Beispiel Gedichte schreibst und diese auf Deiner Homepage veröffentlichst hast Du da genauso die Rechte daran als hättest Du sie als Buch herausgegeben.
Nennt sich Urheberrecht, find ich auch gut das es sowas gibt."

Stimmt, da hatte ich mich falsch ausgedrückt. Es ging der GEMA natürlich nicht um geistiges Eigentum, sondern darum, daß man genau wie auch beim Hören von Musiktiteln zahlen soll, wenn man dieses geistige Eigentum irgendwie nutzt. Mit TCPA hatte das erst einmal nichts zu tun. Man könnte die TCP-Chips aber nutzen, um so GEMA-Gebühren einzutreiben. Das ist ein Punkt, der von TCPA so momentan (noch) nicht geplant ist, aber sowas ließe sich dann realisieren.

"Schlechtes Beispiel. Warum sollte ich das tun?"

Nun, in einem eigenen Staat bräuchtest du z.B. keine Steuern zahlen! :-)

"Im ernst: das genannte zähle ich zum gegebenen Rahmen."

Dann ist dieser Rahmen aber definitiv zu eng! Ein geschiedener, unterhaltspflichtiger Mann kann nicht mehr frei über sein Leben bestimmen, und das finde ich so nicht in Ordnung.

"Sozialhilfe ist doch gedacht für Bedürftige, also für Menschen die für sich selbst nicht aufkommen können. Hast Du ein eigenes Haus musst Du dieses verkaufen, sonst bist Du nunmal nicht bedürftig."

Ohne eigenes Haus bist du aber noch viel mehr bedürftig! Dann hast du nämlich obendrein auch noch Miete zu zahlen. Früher war das nicht so tragisch, weil es Arbeitslosenhilfe gab. Da mußte man schon sehr lange arbeitslos sein, um in die Arbeitslosenhilfe abzurutschen. Jetzt reicht es, wenn du ein Jahr lang arbeitslos bist - und das kann mittlerweile fast jeden treffen. Wenn im Gegenzug wenigstens noch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung nennenswert gesunken wären, könnte man das ja noch akzeptieren. Aber das ist ja auch nicht passiert. Wir zahlen also weiterhin praktisch dasselbe ein, kriegen aber weitaus weniger raus. Anlaog dazu läuft das bei der Rente. Fatal ist, daß viele Menschen ein Haus als Altersvorsorge haben möchten. Um dann im Alter nicht auch noch die Miete auf dem Hals zu haben. Das geht jetzt so auch nicht mehr. Wenn man dann wenigstens noch dafür sorgen würde, daß die Mieten nicht fröhlich weiter steigen - aber das passiert ja auch nicht.

Ich weiß wirklich nicht, wie ich noch für's Alter vorsorgen soll. Für die staatliche Rente muß ich gezwungenermaßen jeden Monat mehrere hundert Euro einzahlen, werde aber später wohl nicht mal mehr diese Summe monatlich herausbekommen. Riester-Rente wird später auf jeden Fall besteuert und bringt so auch nichts. Alle anderen Formen der Altersvorsorge werden einem genommen, sobald man länger als ein Jahr arbeitslos ist. So langsam erscheint es mir, als würde die Politik kontinuierlich darauf hinarbeiten, uns jegliche Möglichkeit zur Altersvorsorge zu nehmen.

Letztendlich gibt es nur eine Möglichkeit, dem zu entkommen: Schwarzarbeit.
Und dadurch wird dann alles noch schlimmer.

"Warum sollte Dich der Staat unterstützen? Hast Du nicht als Arbeitsloser eigentlich die Pflicht Dir eine neue Arbeit zu suchen?"

Wenn es Arbeitsplätze in Hülle und Fülle gäbe, wäre das richtig. Es wird aber immer schwieriger, eine Erwerbsmöglichkeit zu finden. Man kann Menschen in der Situation nicht einfach schulterzuckend im Regen stehen lassen. Wenn man das doch tut, wird sich das böse rächen.

"Das das nicht einfach ist ist mir selbst klar. Aber ich wage zu behaupten das es für den überwiegenden Teil machbar wäre."

Wie erfolgreich kann die Suche nach Arbeitsplätzen sein, die es nun einmal nicht gibt?

"Im Übrigen halte ich das Brückenszenario für übertrieben."

Noch ist es übertrieben. Aber in 10 Jahren mag das schon ganz anders aussehen.

"Oder nicht entkommen wollen?"

Das ist die Frage. Aber wenn du die Wahl hättest, hier zu leben oder mit deinen Freunden auf einer einsamen Insel - was würdest du wählen?

"Ich glaube auch nicht das das Zufall ist, ich find das eher ganz natürlich."

Du findest es natürlich, daß Kinder reicher Eltern eher eine Führungsposition bekommen sollten als Kinder von armen oder durchschnittlich verdienenden Eltern?

"Aber was willst Du mir damit sagen?"

Daß es die angebliche Chancengleichheit für alle im realen Leben nicht gibt. Und wenn wir erst einmal Studiengebühren und Elite-Unis haben, wird es sie noch viel weniger geben.

Freundliche Grüße
von Garfield


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