Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

@Xenia: Weibliche Sexualität

Garfield, Monday, 07.02.2005, 20:17 (vor 7667 Tagen) @ Xenia

Als Antwort auf: Re: Strafen für Freier? von Xenia am 04. Februar 2005 21:08:10:

Hallo Xenia!

"...sondern weil es eine lange lange laaaaaaaaange Tradition der Kontrolle von weiblicher Sexualität gegeben hat."

Das ist zwar im Prinzip richtig, aber man muß mit solchen Aussagen sehr vorsichtig sein. Der feministische Standpunkt dazu ist folgender:

Da die Männer die Frauen unterdrücken wollten, unterdrückten sie auch ihre Sexualität. Eine Frau mußte dann angeblich immer brav und keusch sein, ein Mann dagegen konnte tun und lassen, was er wollte. Aber zum Glück hätte der Feminismus die Frauen ja nun befreiht, und nun könnten sie ihre Sexualität frei ausleben, idealerweise untereinander, haleluja.

Das ist natürlich Blödsinn.

Das Problem ist praktisch Teil des Problems, das ich bereits in meinem letzten Beitrag erwähnt habe, nämlich daß es aufgrund der früher nicht vorhandenen modernen Verhütungsmittel jederzeit möglich war, daß eine Frau nach Geschlechtsverkehr mit einem Mann schwanger wurde.

Was war nun, wenn sich der Typ anschließend vom Acker machte? Der Frau wollte man keine Verantwortung für die Ernährung des Kindes zumuten. Tatsächlich war das in früheren Zeiten auch nicht einfach, neben Schwangerschaft und Geburt auch noch Nahrung usw. heranzuschaffen. Also blieb das Problem üblicherweise am Vater der Frau hängen. Der konnte dann zusehen, wie er noch ein Kind mehr ernährt. Deshalb war er (genausowenig übrigens wie die Mutter der Frau, die entweder selbst auch dafür arbeiten mußte oder der so zumindest Geld verloren ging) üblicherweise wenig begeistert darüber. Auch gab es dann obendrein noch das Problem, daß viele Männer wenig Neigung zeigten, das Kind eines fremden Mannes zu ernähren, so daß es weitaus schwieriger war, die Frau unter die Haube zu bekommen. Man hatte also nicht etwa nur ein Kind mehr zu ernähren, sondern man wurde auch die Tochter nicht mehr so einfach los. Und große Geschenke konnte man von einem eventuellen Bräutigam erst recht nicht mehr fordern. Und man mußte üblicherweise auch noch eine höhere Migift aufbringen, damit sich überhaupt jemand fand. Das alles waren immense Kostenfaktoren, die man natürlich gern umgehen wollte.

Deshalb achtete man darauf, daß die Tochter möglichst nicht schwanger wurde, bevor sie einen festen Partner hatte. Als dann die Geschlechtskrankheiten aufkamen, bewirkte das, daß noch mehr darauf geachtet wurde. Viele Männer wollten dann nämlich eine Ehefrau, bei der sie sich auf gar keinen Fall mit irgendetwas infizieren können. Deshalb wurde dann so ein Theater um die Jungfräulichkeit veranstaltet.

Bei Männern ließ es sich schwerer nachweisen, ob sie vor der Ehe schon Sex hatten. Aber man versuchte alles, um auch bei einem künftigen Ehemann sicher zu stellen, ob er nicht mit irgendeiner Geschlechtskrankheit infiziert war. Bei "Genial daneben" kam mal die Frage nach dem Schwiegervatergriff. Das sah so aus, daß der Vater der Braut dem künftigem Bräutigam bei der Begrüßung nicht an die Hand, sondern an den Unterarm griff. Das tat er, um zu prüfen, ob der Kandidat womöglich geschwollene Lymphdrüsen hatte, was (wenn ich mich recht erinnere) auf Syphilis hindeutete.

Und bei verheirateten Frauen sah es so aus, daß der Ehemann grundsätzlich für während der Ehe geborene Kinder unterhaltpflichtig war. So fand es auch ein Ehemann nicht toll, eventuell für das Kind eines anderen aufkommen zu müssen. Und selbstverständlich wollte er es auch möglichst vermeiden, sich über seine Frau mit einer Geschlechtslrankheit zu infizieren.

Im übrigen wurde die Sexualität der Jungen auch kontrolliert, allerdings aus anderen Gründen. Dafür entwickelte man sogar Apparaturen, die eine Erektion des Jungen anzeigen und dann sofort Alarm im elterlichen Schlafzimmer auslösen sollten.

"Heute trifft dies nicht mehr so eindeutig zu. Jedenfalls nicht bei den Frauen meiner Generation."

Ja, Xenia, aber durch die heutigen modernen Verhütungsmittel ist es heute auch nicht mehr nötig, die Töchter genauestens zu kontrollieren, und so macht es heute auch kaum noch jemand. Trotzdem nehmen nur wenige Frauen die Dienste männlicher Prostituierter in Anspruch.

Das Problem besteht nämlich darin, daß sich Verhaltensweisen, die sich teilweise über Millionen Jahre hinweg instinktiv eingeprägt haben, nicht in ein paar Jahrzehnten wieder auflösen. So funktioniert das eben nicht.

"Di stellst das ja so dar, als hätte die Frau den vater als Ernährer gerade mal so zugelasen - und nicht, dass eine lange Tradition darauf beharrt hätte, dass der Vater auf seine Nachkommen rechnete, sie wollte, sie bracuhte, sie schützte, sie verlangte."

Auch die Frauen wollten Nachkommen! Aber ganz egal, wer die Nachkommen mehr wollte: Sex hatte in früheren Zeiten nun einmal zwangsläufig Nachkommen zur Folge. Dagegen half nur sexuelle Enthaltsamkeit, aber das haben eben weder viele Männer noch viele Frauen hinbekommen.

"Und für sehr lange Zeit auch die alleinige Verfügungsgewalt über sie (inklusive der Frau) hatte. Mit anderen Worten, dass Kinder vorhanden waren, dass dieselben mit ihrem Vater aufwuchsen etc. war nicht etwa die Idee der Frau gewesen, sondern die des Mannes."

Es wäre die Idee des Mannes gewesen, wenn er sich selbst und die Frau geschaffen hätte. Das hat er aber nicht. Das zweigeschlechtliche Prinzip hat sich im Verlauf der Evolution nun einmal so herausgebildet, wie wir es heute kennen. Und aufgrund der Umstände war es bei den Menschen logisch, daß der Mann die Aufgabe des Ernährers übernahm. Das konnten sich weder Männer noch Frauen aussuchen - das war einfach so.

Daß der Mann in gewisser Weise über Frau und Kinder bestimmen konnte (was übrigens nicht in jeder Kultur gleichermaßen stark ausgeprägt war - unter bestimmten Umständen hat es sogar immer wieder auch matriarchale Kulturen gegeben), hing ganz wesentlich mit seiner Ernährerrolle zusammen. Er ernährte eben oft die Familie, also galt er auch oft als Familienoberhaupt.

Wie das dann wirklich in den 4 Wänden einer Familie aussah, ist wieder eine ganz andere Geschichte.

"Die Frau ist nur Mittel zum Zwecke gewesen, zum Zwecke der Fortsetzung der Dynastie - hocherrschaftlich gesprochen."

Auch der Mann war Mittel zum Zweck. Zur Fortpflanzung gehören bei zweigeschlechtlichen Lebewesen nun einmal immer zwei.

"Um dies zu erreichen und dabei auch sicher zu gehen, dass das Kind von ihm ist, gehörte eine strikte Kontrolle der Sexualität der Frau (die ja gemeinhin als labil und hysterisch galten) dazu, Kontrolle vom Mann, der Familie, der Kirche, dem Staat. Der ganzen Gesellschaft."

Na ja, aber so strikt, wie du das hier darstellst, war die Kontrolle nie wirklich, weil nämlich auch Frauen zu allen Zeiten fremd gegangen sind.

"Offengestanden ist mir langsam nicht mehr klar, wie weit du in der zeit zurückgehen willst, wenn du davon redest, nach welchen kriterien die Frau ihren Mann ausgewählt haben soll - die meiste zeit der letzten 2500 Jahre hat sie dies - zumindest in den europäischen "Hochkulturen" - nicht selber getan, das ist eine Neuheit, die mit dem Aufkommen der Liebesheirat in der bürgerlichen Schicht Einzug hielt."

Was sind 2500 Jahre gegen Millionen Jahre Evolution? Nicht einmal 2500 Jahre würden ausreichen, um alles, was sich in Jahrmillionen herausgebildet hat, vollkommen auszulöschen!

Ja, es war in früheren Zeiten häufig so, daß Menschen durch ihre Eltern schon während der Kindheit verheiratet wurden. Das betraf aber auch Männer. Gerade auch in den höheren Kreisen konnte ein Mann keineswegs jede Frau heiraten, die ihm gefiel. Er mußte genauso Rücksicht auf die Interessen des Landes oder auch des Unternehmens nehmen. Die Ehe wurde ja überhaupt vor allem aus ökonomischen Gründen eingeführt. Deshalb war sie im einfachen Volk früher auch gar nicht so verbreitet wie viele heute denken.

Wenn Eltern einen Mann für ihre Tochter auswählten, dann gingen sie dabei nach ganz ähnlichen Kriterien vor wie eine Frau, die einen Partner für sich selbst suchte. Da wurde dann beispielsweise auch sehr auf das Einkommen geachtet. Außerdem hat man oft sehr wohl auch die Meinung der Tochter berücksichtigt. Die meisten Eltern wollten auch damals das Beste für ihre Kinder, und nur wenige waren dabei so ignorant, ihre Kinder gar nicht nach ihrer Meinung zu fragen.

"Von welcher Zeit also redest du, von der Steinzeit? Da würde mich dann interessieren, woher du deine Informationen hast."

Auch über die Steinzeit wissen wir mittlerweile durch archäologische Ausgrabungen sehr viel. Aber du mußt dir doch nur den menschlichen Körper und die rein äußerlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau ansehen, um zu erkennen, wie die Aufgabenverteilung damals ausgesehen hat. Wir sind allesamt wandelnde Geschichtsbücher, Xenia.

"Dass Männer die aktive und Frauen die passive Rolle bei der Partnerwahl zugeschrieben wird, ist jedenfalls nichts, was sich organisch aus irgendwelchen natürlichen Begebenheiten entwickelt hat, keine Natur, sondern Kultur. Mit anderen Worten, es hätte auch völlig anders verlaufen können."

Nein, eben nicht. Haben Katzen Kultur? In der freien Natur läuft alles so ab, wie es nun einmal ablaufen muß. Und wenn es mal anders abläuft, dann stirbt die jeweilige Art aus. Da kann also nichts anders verlaufen. Die Natur verfährt da knallhart nach dem Try and Error-Prinzip. Alles, was auf Error hinausläuft, stirbt und nur die erfolgreichen Versuche überleben.

Und wir Menschen haben sehr lange Zeit in der Natur unter genau diesen Gesetzen gelebt. Das vergessen viele heute, wo die moderne Technologie uns immer unabhängiger von der Natur macht. Aber das ist erst seit sehr kurzer Zeit so. Die Natur steckt deshalb immer noch ganz tief in uns drin, und die werden wir auch nicht so schnell los.

"Dass Frauen einfach nur zu pfeifen brauchten in einer Disko um einen Mann abzubekommen - wann warst du zuletzt in einer Disko? Und falls vor nicht allzulanger Zeit - du hast die Mädels da gesehen?"

Xenia, wenn es in der Disko mehr Frauen als Männer gäbe, dann würde man Männer umsonst hinein lassen. Wenn überhaupt mehr Frauen als Männer aktiv auf Partnersuche wären, dann würden Partnervermittlungen Männer kostenlos aufnehmen. Da es aber genau umgekehrt ist, brauchen Frauen da nichts bezahlen. Ich habe von mehreren Frauen im Alter von Anfang 20 gehört, daß sie bei Kontaktanzeigen jeweils so 30-50 Zuschriften bekommen haben. Ein junger Mann in dem Alter kann froh sein, wenn er eine einzige Zuschrift kriegt.

Es ist nun einmal so, daß Männer da sehr viel aktiver sind als Frauen. Was glaubst du denn, wieso das so ist? Wie du selbst schreibst, wird die Sexualität der Frauen heute bei weitem nicht mehr so kontrolliert wie in früheren Zeiten. Das kann also wohl kaum der Grund sein. Was fällt dir denn da sonst noch ein?

"Dass so mancher Mann dann frustriert zu Prostituierten geht, halte ich für einen Fehlschluß. Denn Männer, die eben keine abbekommen aufgrund welcher Dinge für die sie nichts können auch immer - die gehen nicht oder nur selten zu prostituierten."

Interessant - woher weißt du das? :-)

Es könnte aber sein, daß solche Männer selten zu Prostituierten gehen. Wenn ein Mann gut aussieht, wird er meist eine Partnerin finden, wenn er nicht zu hohe Ansprüche stellt. Sieht ein Mann weniger gut aus, dann kann er trotzdem eine Partnerin finden, wenn er dafür ein dickes Bankkonto hat und ihr so ein gemachtes Nest bieten kann. Sieht er aber nicht gut aus und hat auch kein Geld, dann wird es eng. Und dann wird es für ihn wohl auch schwierig, sich einen Puffbesuch zu leisten.

"Und das ist auch in diesem Forum zu sehen, die lehen das ab, die sagen: ich brauche es zwar, aber bevor ich das mache, mach ichs mir lieber selber."

Hier im Forum triffst du aber viele Männer, die das traditionelle männliche Rollenbild hinterfragen und deshalb auch nicht einsehen, wieso sie Frauen für Sex ständig noch irgendwelche Zusatzleistungen geben müssen. Und die sehen dann oft auch nicht ein, wieso sie eine Frau für Sex bezahlen sollen.

"Und wenn ich mich in meinem bekanntenkreis so umgucke, dann machen dies tatsächlich die meisten. Also nix is mit dem frustrierten Mann, der nur seinen Samenstau nich bei einer Frau auf "normale" Art loswird."

Hm, ich kenne auch niemanden, der sich als Kunde von Prostituierten outet. Irgendwoher müssen aber die Puffbesucher kommen. Sonst gäbe es ja weit weniger Bordelle und Prostituierte. Also vermute ich mal, daß so mancher Mann das einfach nicht gern zugibt. Es ist eben für einen Mann nichts Positives, zugeben zu müssen, daß er Frauen für Sex bezahlen muß, weil es sonst keine mit ihm tut.

Außerdem haben männliche Bordellbesucher ja auch nicht gerade das beste Image in unserer Gesellschaft.

Im übrigen habe ich auch nie behauptet, daß sämtliche männliche Bordellbesucher frustrierte Junggesellen wären. Es gibt da beispielsweise auch noch diejenigen, die von der sexuellen Passivität ihrer Partnerinnen frustriert sind.

"Weswegen es so wenige männliche Prostituierte für Frauen gibt, habe ich ebenfalls hier oben beschrieben. Prostitution ist ebenfalls eine kulturelle Erfindung."

Das ist richtig - Prostitution ist eine kulturelle, quasi rein ökonomische Erfindung. So richtet sich eben auch dort das Angebot nach der vorhandenen Nachfrage. Du behauptest, Frauen würden keine Bordelle besuchen, weil sie durch Kontrolle ihrer Sexualität davon abgehalten werden würden. Diese Kontrolle findet aber schon längst nicht mehr statt.

Und wenn es um Männer-Strip-Shows geht, lassen sich Frauen ja auch nicht davon abhalten.

Mach doch einfach mal ein Experiment. Leg dir mal zwei kostenlose Mail-Adressen zu, bei GMX, Hotmail, Abacho oder sonstwo. Dann gehe in irgendein Erotik-Forum und schreibe dort zwei Beiträge: In einem gibst du dich als Mann aus und schreibst, daß du eine nette, aufgeschlossen Frau für ein sexuelles Abenteuer suchst. In der anderen gibst du dich als Frau aus und schreibst, daß du einen netten, aufgeschlossenen Mann für ein sexuelles Abenteuer suchst. Du mußt natürlich den Wortlaut so variieren, daß nicht gleich jedem auffällt, daß beide Beiträge von dir stammen. Und du mußt das Glück haben, daß der Foren-Admin die IP-Adressen nicht vergleicht. Aber ich wette, selbst wenn er das tut, dann wirst du in der Zeit bis zum Löschen der Beiträge schon auf der weiblichen Mail-Adresse weitaus mehr Mails haben als auf der männlichen. Ich würde sogar darauf wetten, daß du bei der männlichen Adresse keine einzige Mail finden wirst.

Wieso also sollte eine Frau, der es nur um Sex geht, ein Bordell besuchen? sie wird immer und überall gratis einen Mann dafür finden, wenn sie nicht sehr unattraktiv ist. Wenn sie aber mehr als Sex möchte, dann nützt ihr ein Bordell natürlich erst recht nichts, genausowenig wie einem Mann in der Situation.

"Die armen verheirateten Freier! Vielleicht finden sie auch einfach nur, dass die alte Schaluppe neben ihnen im Bett lang nich mehr sop knackig ist, wie die junge Prostituierte."

Vielleicht, aber Aussehen ist keineswegs alles. Sieh dir mal fremdgehende Promi-Männer an. Die haben oft extrem attraktive Ehefrauen, wo sich jeder an der Kopf faßt und spontan sowas denkt wie 'wie kann der Trottel nur'. Trotzdem gehen sie fremd.

Oft suchen fremdgehende Männer und Frauen schlicht und einfach nur Abwechslung. Oft sind ihnen ihre Partner(innen) zu passiv. Und manchmal haben sie auch bestimmte Fantasien, die sie mit dem Partner oder der Partnerin nicht ausleben können oder wollen.

Aber wie dem auch sei: Für Frauen ist es recht einfach, dann schnell und gratis einen Partner zum Fremdgehen zu finden. Männer haben es da eben schwerer, außerdem haben sie bei einer Geliebten auch immer das Problem, daß die womöglich von ihnen schwanger wird. Zwar gibt es dagegen Kondome, aber es ist ja schon vorgekommen, daß Frauen Kondome heimlich angebohrt haben, um so doch schwanger zu werden und die Männer dann über das Kind an sich zu binden. Ein Verhältnis kann überhaupt auch viel leichter herauskommen als ein Puffbesuch. Solches Theater kann sich ein Mann einfach ersparen, wenn er in ein Bordell geht.

"Ich präzisiere noch einmal: die meisten Freier sind meiner Annahme nach eben nicht solche, die eine Partnerin haben wollen, aber keine kriegen, weil sie irgendeinem ideal nicht entsprechen. Weil diese Männer eben meistens nicht zu Prostituierten gehen, sondern dazu - zu stolz sind."

Ich bezweifle, daß gerade diese Männer so stolz sind. Zu Stolz gehört ein gewisses Selbstvertrauen, und woher soll das kommen, wenn einem immer wieder verdeutlicht wird, daß man unattraktiv ist? Wenn du glaubst, daß Männer sowas locker wegstecken, irrst du dich.

"Die meisten Freier sind solche, die entweder eine beziehung haben, aber keine Lust haben was dafür zu machen, oder die keine Beziehung haben, und auch keinen Bock drauf haben, sich eine anzuschaffen oder irgendwas dafür zu tun. Mit anderen Worten, das sind nicht all die potentiellen guten Kinderväter, die da hingehen, sondern es sind die - vielleicht nicht mehr potentiellen - Beziehungslustlosen."

Ich glaube, daß auch so mancher Familienvater ins Bordell geht.

Was macht dich da eigentlich so sicher?

Und selbst wenn es so wäre: Ist es denn ein Wunder, wenn ein Mann heute keinen Bock mehr auf Beziehung, Ehe oder gar Kinder hat? Ich finde es eher verwunderlich, daß es immer noch so viele Männer gibt, die dieses Risiko eingehen.

"Ich habe schonmal gehört, dass ein mann eine Frau verlassen hat, weil ihm ihre Brüste zu klein waren, und sie sich nicht operieren lasen wollte (das Ganze ist natürlich nur die Schuld der Frau gewesen)."

Ich habe auch schon davon gehört, daß ein Mann seine Frau verlassen hat, weil sie eine Schönheits-OP nach der anderen durchzog und sie ihm dabei immer weniger gefiel.

Im übrigen gibt es mittlerweile selbst bei Pornodarstellerinnen wieder einen Trend zur Natürlichkeit. Weil den Männern die aufgeblasenen Silikon-Ballons offenbar mittlerweile über sind.

Und ein Mann, der seine Frau zu einer Brust-OP drängt, kann sich darauf gefaßt machen, daß er damit bei seiner Umwelt keineswegs positiv ankommen wird. Da wird also niemand sagen, daß die Frau schuld wäre, wenn er sie verläßt.

"Was die Penisgröße angeht - bisher hatte ich noch nie einen der mir zu klein war, also kann ich dazu nix sagen."

Dann hast du Glück gehabt - freu dich drüber. Andere Frauen legen nicht nur Wert auf die Größe, sondern auch auf die Form des Penis. Eine Frau beklagte sich mal bei mir darüber, daß der letzte Typ, den sie abgeschleppt hat, so einen dünnen Schwanz mit unproportional großer Eichel obendrauf gehabt hätte. "In letzter Zeit habe ich nur Pech mit den Schwänzen". sagte sie noch dazu.

"Ich hab auch schon gehört, dass Männer sagten, ihnen sei die Brustgröße völlig egal, weil es kämem ja haha, auf die inneren Werte an. Ebenfalls völliger Schmarren."

Natürlich ist das ein Schmarren. Genauso wie die Aussagen von Frauen, daß für sie nur die inneren Werte zählen würden. Merkst du was? Wieder gibt es keinen wesentlichen Unterschied...

"Übrigens entblößen zur Freude vieler Männer nicht grade wenig bestückte damen Tag für Tag ihre Brüste im fernsehen, den Zeitschriften. Also so einen Entrag in den Perso brauchen wir Frauen ja gar nicht, uns kann mans schon von weitem ansehen."

Na ja, Männer sieht man die entsprechenden Eigenschaften ja ebenfalls von weitem an. Frauen stehen ja auch auf große, kräftige Männer. Das ist praktisch das Äquivalent der männlichen Vorliebe für große Brüste. Und es gibt im Übrigen auch Männer, die ihre diesbezüglichen körperlichen Vorzüge gern zur Schau stellen. Oft auch zur Freude der daran interessierten Frauen.

Das Äquivalent zur Penisgröße wäre die Größe der Vagina. Nur daß die dann nicht zu weit sein darf. (Aber auch bei der Penisgröße ist zuviel ja eher unangenehm.)

"Zur Vagina - das ist für die Frau mit allergrößter Sicherheit auch nicht gerade das schönste, wenn sie beim Sex nix mehr empfindet."

Ja, aber der Mann kann dann wenigstens noch die Klitoris stimulieren. Allerdings dürfte es ihm schwer fallen, wenn er schon bei der Bewegung in der Vagina nichts spürt und dann noch durch die Fummelei an der Klitoris abgelenkt ist, die Erektion zu halten... Hm, aber wir sollten das Thema lieber nicht weiter ausdehnen, sonst kriegen wir noch Probleme wegen Jugendschutz... :-)

"Andererseits ist dies behebbar, ich sag nur Beckenbodenmuskel."

Manchmal reicht das. Es gibt aber Fälle, in denen das nicht reicht. Und das sind dann ja gerade die Extremfälle, wo die Vagina dann eben sehr geweitet ist. Es hat schon seinen Sinn, daß so manche Frau ohne medizinischen Grund einen Kaiserschnitt wählt. Dabei geht es nicht nur darum, die Schmerzen bei der Geburt zu vermeiden.

"Ja, das kan schon sein, das man nicht gerne über Vaginas redet im öffentlichen Diskurs, vielleicht liegt das daran, das da so Sachen herauskommen wie Blut und Gebärmutterschleim - und weil im westlichen Europa Vagina im Gegensatz zum Phallus keine wirklch große öffentliche symbolische Tradition hat."

Welche Tradition hat denn der Phallus in Europa? Sind Kirchtürme etwa Phallus-Symbole? :-)

"Weibliche Bedürfnisse beim Sex tretn heutzutge deswegen in den Vordergrund, weil sie jahrhunderte/jahrtausendelang niemanden interessiert haben."

Das stimmt so nicht. Weibliche Bedürfnisse standen schon immer im Mittelpunkt, und es galt schon immer als Aufgabe des Mannes sie zu befriedigen. Auch die sexuellen Bedürfnisse. Ich erinnere mich da an ein Lied aus dem Mittelalter. Das handelte von einem fahrenden Ritter, der eine Frau trifft. Sie haben (mehrmals!) Sex miteinander, und als die Frau ihn noch einmal zum Geschlechtsverkehr auffordert, er aber nun wirklich nicht mehr kann, verspottet sie ihn, und er zieht frustriert weiter.

Dann gab es mal einen Fall, in dem ein Graf eine Stadt erobert hat. Aus Wut über den hartnäckigen Widerstand der Stadtbewohner ordnete er an, sämtliche Männer in der Stadt zu kastrieren. Daraufhin erschien eine Delegation von Frauen aus der Stadt bei ihm. Sie sagten, er könne den Männern ja Nasen oder Zungen abschneiden, aber die Hoden müsse er ihnen lassen, denn die würden den Frauen gehören und wären zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse und zum Kindersegen da.

Die "ehelichen Pflichten" waren auch nie eine einseitig weibliche Sache. Auch Männer waren dazu verpflichtet, und es hat Fälle gegeben, in denen Scheidungen damit begründet wurden, daß der Mann diesen Pflichten nicht nachgekommen ist.

"Ich wiederhole auch nochmal: wenn ein mann mit einer Frau keinen Sex mehr haben will, dan wird sie denken "was ist mit *mir* los?". daher die vielen Missverständnisse bei erektiler Dysfunktion. Frauen lasten diese Dinge immer sich an."

Jain. Sie denken dann zwar, daß sie ihm vielleicht nicht mehr attraktiv genug sind, aber das lasten sie dann nicht sich an, sondern ihm. Er begehrt sie nicht mehr wie früher, er gibt ihnen nicht mehr das Gefühl, eine richtige Frau zu sein, er ist schuld.

"Übrigens, nicht jede Frau sucht sich gleich einen anderen Mann, weil ihrer nicht mehr mit ihr schlafen will das ist ebenfalls ein Ammenmärchen."

Ich habe auch nicht behauptet, daß das jede Frau tut. Wenn es aber eine tut, dann wird sie ziemlich schnell einen neuen Liebhaber finden. Ein Mann dagegen hat es schwerer - und entscheidet sich deshalb vielleicht für das Bordell.

"Ich verwette jedoch meinen Haarschopf darauf, dass ich jede Menge Leute finde, bei denen sich genau das andre abspielt."

Ja ja, die Frage ist nur, wie lange du danach suchen mußt. Wenn dir auf Anhieb nichts einfällt, ist das schon mal ein Indiz dafür, daß es wohl nicht so häufig vorkommt...

"Von ehelichen Pflichten in Bezug auf Sex halte ich übrigens auch nichts, niemand kann zum Sex gewzungen werden, kein Ehemann, keine Ehefrau."

Das klingt so erstmal gut. Aber du mußt dir dabei vor Augen halten, daß Sex das wesentliche Bindeglied zwischen Paaren ist. Es gibt zwar immer so schöne Sprüche, von wegen, daß Freundschaft und gemeinsame Interessen viel wichtiger wären. Das trifft so aber nur für Paare zu, die für Sex zu alt sind. Für alle anderen gilt, daß sie Freundschaft und gemeinsame Interessen auch mit guten Freund(inn)en haben können. Sex ist das Einzige, was sie (in monogamen Beziehungen) nur mit dem Partner haben.

Natürlich wird auch keine Frau ihren Mann zum Sex zwingen wollen. Wenn er nicht mehr will, muß er eben damit rechnen, daß sie eines Tages weg ist. So einfach ist das.

"Thja, die entsprechen nur leider allesamt nicht dem, was sich in meiner Umgebung abspielt - aber ich schätze, das ist meine Schuld - oder die der kollektiven Frauschaft vielleicht, was andres kanns ja nicht sein."

Was spielt sich denn in deiner Umgebung ab?

"Ehrlich gesagt würde ich mir an deiner Stelle überlegen, ob du nichtnal den Wohnoirt wechseln solltest."

Habe ich doch vor einigen Monaten gerade! :-)

"Dass Frauen sich nicht mehr zu Dingen zwingen lassen, das finde ich doch eine erfreuliche Entwicklung."

Sie haben sich auch früher nicht zu Sex zwingen lassen, wenn du das meinst.

"Umgekehrt gibts noch genug Männer, denen man ihren Dreck hintererräumen muss."

Das ist richtig, aber es gibt mittlerweile auch genügend Frauen, für die Ordnung ein Fremdwort ist.

"Ich kenne übrigens so gut wie keine Frau, die ein Problem hätte, über ihre Beziehung zu reden."

Ja ja, mit einer guten Freundin redet sie vielleicht gern darüber. Sie muß aber mit dem Partner darüber reden, und davor scheuen viele Frauen zurück. Das sind jedenfalls meine persönlichen Erfahrungen, und ich höre das auch immer wieder von anderen Männern.

"kenne aber sehr viele Männer, die das nicht tun - und meistens deswegene, weil sie es nicht können, weil es ihnen unheimlich schwer fällt, ihre Bedürfnisse zu verbalisieren."

Ja, das kann ich mir vorstellen. Männer haben ja genaugenommen überhaupt keine Bedürfnisse zu haben. Sie sollen funktionieren.

"Und Probleme sprechen sie ebenfalls so gut wie nie an - meiner Erfahrung nach - sondern schweigen sie lieber tot, kehren sie unter den Teppich, sitzen das aus."

Ich denke, das ist auch ein Punkt, wo es wenig Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt.

"Frauen reden schon ehrlich mit ihrem Partner."

Laut meinen Erfahrungen eben gerade nicht. Und auch das Problem der Kuckuckskinder beweist das Gegenteil.

"Ich kenne auch viel zuviele Männer, die nichts vo dem tun, was von ihnen angeblich verlangt wird, aber auch gar nichts."

Ja, nicht jeder Mann beugt sich den weiblichen Wünschen. Manch einer hat das anfangs zwar getan, ist damit dann übel auf die Nase gefallen und seitdem ist eben Schluß mit lustig.

"Wenn wir von 500.00 Zwangsprostituierten ausgehen, dann wedren die wohl nicht pro Tag einmal ein und denselben Kunden bedienen müssen."

Das ist aber eben keine real nachweisbare Zahl. Ich könnte genauso gut behaupten, daß es in Deutschland nur etwa 1000 Kunden für Zwangsprostituierte gibt und darauf aufbauend dann behaupten, daß es wohl kaum so viele Zwangsprostituierte geben kann.

Freundliche Grüße
von Garfield


gesamter Thread:

 

powered by my little forum