Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Das große Versagen

Nick, Saturday, 07.06.2003, 16:24 (vor 8278 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Soziologe: "Die heutigen Männer sind Versager" von Arne Hoffmann am 06. Juni 2003 19:22:59:

Hallo Arne, hi Jörg

...derselbe Thread wie bei Max + Moni ...deshalb dieselbe Antwort auch hier:

Wir müssen uns irgendwann einmal der Frage stellen, welche Ursachen eigentlich "die Männer" gelegt haben, daß es zu den heutigen Zuständen überhaupt kommen konnte. Es reicht keineswegs aus zu sagen: "Die Femis haben uns dies und dies angetan". Hilft das etwa? Nein, das ist nur Gejammer. Da muß man drüber raus. Es ist zu klären, warum "wir" es zuließen?

Mehr noch, wieso hauptsächlich Männer diese Entwicklung durchgesetzt haben? Ein Faktum, dem man kaum widersprechen kann. Die komplett rechtsfeindliche Idee dieses Mertin z.B., der einem betrogenen Mann, dem ein Kind untergeschoben wurde (strafbar mit bis zu 2 Jahren Gefängnis nach §169 StGB), als Geschädigtem die Aufklärung dieser Tat unter Strafe verbieten möchte, dies vielmehr abhängig machen will von der Zustimmung(!) der Täterin(!), das ist so hanebüchen... wie regelhaft! Wir reden hier ja dauernd darüber, wie regelhaft das geworden ist. Wie aber konnte es dazu kommen, daß so etwas zur Regel wurde? Ist das kein Grund zur Selbstanfrage an uns Männer? Ich meine: nicht nur an diesen Knülch, sondern an "die Männer" in diesem Land?

All die Novellen zum §218 wurden von Männern verabschiedet... sie wurden von Männern höchstrichterlich bestätigt bzw. modifiziert... das Scheidungsrecht wurde 1977 v.a. von Männern verabschiedet... denn damals gab es relativ wenige Frauen im Bundestag. Dieses Scheidungsrecht wird im Prozeß auch von den männlichen Richtern angewandt, ohne daß sie innerlich - oder gar laut - aufschreien (von wenigen Ausnahmen abgesehen).

Usw. usf.

Wie kommt das eigentlich? Wie ist das möglich?

Meine These dazu: wir haben unser Leben verloren, wir sind Zombis! Denn unsere Familien sind tot. Wir stammen nicht mehr von Lebenden ab.

Mit der Trennung von Arbeitsplatz und Lebensmittelpunkt, der seit der Industrialisierung für die Männer die Regel wurde, wurden die tragenden Strukturen der Familie zertrümmert. "Sie" blieb am "Herd", "er" ging "auf Arbeit"... 10, 12... 16 Stunden lang.

Das war aber nicht immer so. In vorindustrialisierten Zeiten waren die verschiedenen Lebenswelten räumlich ungetrennt und floßen auch wesensmäßig ohne klare Grenzen ineinander. Es lebten 3-4 Generationen des Familienverbandes unter einem Dach, jeder hatte seine eigene Verantwortlichkeit für die ganze Familie und es herrschte nicht das Konkurrenz- sondern das Kooperationsprinzip, denn jeder war auf den anderen angewiesen. Deshalb "herrschte" auch keiner in der Familie über den Anderen, wie es die Mär vom Patriarchat vorlügt. Das war in Handwerksbetrieben nicht anders als in der Landwirtschaft. Mit der kapitalistischen Produktionsweise wurde das alles komplett zerstört.

Das Zerreißen der Familien war aber auch - und zwar noch brutaler - Ergebnis der großen Massenkriege des letzten Jahrhunderts, in denen praktisch alle Ehemänner, Väter und Söhne für viele Jahre fern von ihren Familien für Leichenberge zu sorgen hatten - bzw. in großer Zahl selbst in solchen endeten.

Für den Ersten Weltkrieg sind die dramatischen kulturellen Verwüstungen wenigstens noch in Ansätzen als solche seelisch realisiert und existentiell "verarbeitet" worden - jedenfalls gab es ernsthafte und nicht von vornherein zum Scheitern verurteilte Versuche dazu. Im Zweiten allerdings wurde jeder Bezug zu vorherigen kulturellen Strukturen, zumal hier in Deutschland, restlos vernichtet. Die Männer, die Väter, die Ehemänner, die Söhne... waren nicht nur in Millionenstärke physisch vernichtet. Die Überlebenden waren von allen hergekommenen positiven Identifikationen "des Männlichen" vollkommen abgeschnitten und quasi entwurzelt worden - im Grunde eine kollektive Kastration "des Mannes" schlechthin. Die im Gigatonnen-Bereich fabrikmäßig hergestellten Leichenberge diskreditierten "die Täter" - die aber selber entmündigte Opfer des Geschehens waren. Und das ist die vergleichsweise tiefere seelische Kränkung! Ähnliches kann man aber auch von den Frauen und der Weiblichkeit sagen: man braucht nur die fanatisch verzückte Inbrunst in Frauenaugen auf Filmen von "Führerbesuchen" gesehen zu haben - und dann die durch den brennenden Schutt ihrer ehemaligen Städte irrenden gottverlassenen Frauengestalten...

Diese Kulturkatastrophe ohne alle Vergleiche wurde niemals seelisch verarbeitet, sie wurde vielmehr in einer kollektiven Vollnarkose "vergessen": die Entwicklung des "Wirtschaftswunderlandes" Bundesrepublik Deutschland war im Grunde die Entwicklung eines vaterlosen Landes, ohne Geschichte, ohne Traditionen, ohne Werte, dessen mythische Vorzeit im Jahre 1933 liegt. Davor ist Finsternis, terra incognita, ungewußte Wildnis. Über tausend Jahre höchst anständiger Geschichte sind einfach komplett verschwunden! Ich meine, daß wir immer noch, meist ohne klares Bewußtsein davon, an diesem apokalyptischen Trauma auf den Tod leiden. Hier liegt für mich die Wurzel der Malaise!

Wir Männer werden wiederentdecken müssen, was "Mann sein" archetypisch eigentlich ist - und was "Frau sein" ist. Damit ist viel mehr gemeint, als "wie ich mich als Mann so fühle". Das meint die komplette Rekonstruktion der ganzen polaren Struktur einer lebensfähigen Kultur, der vitalen Ergänzung von männlich und weiblich, der fundamentalen "Liebe zum ganz ANDEREN".

Ob das gelingen kann? Mein Realismus sagt: nein. Meine Sehnsucht sagt: sicher nicht ohne den äußerst schmerzhaften Weg zurück, durch all die Zerstörungen hindurch, zu dem, was man da eigentlich alles verloren hat. Was es da alles mal gab...

Und wenn das allgemeine Bewußtsein dafür völlig verschüttet ist? Na, dann experimentiert man eben mit "Gleichberechtigung"! Was für ein kaltblütiger Unsinn! Welch blinde Hingabe an die eigene Vernutzung und Vernichtung! Die degenerierten Frauen werden "wie" die degenerierten Männer. Denn darauf läuft der ganze Femikram ja hinaus. Sie wollen jetzt auch "auf Arbeit gehen dürfen"! Und im Stehen pinkeln! Und was war da noch...?

Gleichberechtigung: dieser Begriff strahlt für mich ungefähr soviel lebenswarme Spannkraft, Erotik und Schönheit aus wie "Bruttosozialprodukt", "Subventionsabbaugesetz", "Kosteneffizienz" oder "Wertberichtigung". Er ist mit alledem ja auch zutiefst wesensverwandt. Wir alle sind zu entmenschten, konfektionierten Din-Norm-Rädchen in einer kalten Wirtschaftsmaschine geworden, elektronisch mit allerlei Scheinwelten verkabelt, seelisch mehr tot als lebendig, zu Waren sind wir geworden, die an der Börse der Belanglosigkeit gehandelt werden, zu "Gebrauchgegenständen" eines globalen Molochs. Da hatte der Marx recht, das hat er alles richtig vorausgesehen.

Diese "Seins"-Form wird von der Seele kaum noch real wahrgenommen. In tiefster Narkose darnieder liegend durchziehen einzelne zerrissene Schwaden von Identitätserinnerungen den Nebel des sterbenden kollektiven Deliriums. Sie werden nur noch als unscharfe Individualpartikel ohne bedeutenderen Zusammenhang zu Anderem, gar zu Größerem, zum Ganzen, zu tiefgründigen Wert- und Sinnzusammenhängen dämmernd registriert. Daß es so etwas überhaupt geben kann, Wert und Würde des Menschseins, Sinn eines Lebens, daß es das sogar mal ganz real gegeben hat, davon weiß man nichts mehr, ahnt nicht mal mehr was. Das steht nur noch im Grundgesetz...

Diesen Dieter Otten kennzeichnet gewiß nicht, daß er christlich - sondern daß er dämlich ist, weil er unsäglich seicht und naiv Dinge daherplappert, die er nie durchdacht hat. Ein flacher Troubadour des Zeitgeistes, läppisch und uninteressant. Unerträglich seine Lobhudeleien über "die Frauen" - als wären es nicht "heutige Frauen"! Aber in einem hat er ahnend recht: uns Männern ist unsere männliche Identität abhanden gekommen! Wir wissen nicht mehr, wer wir eigentlich sind. Daran kranken wir, deswegen sind wir so schändlich impotent im Angesicht dieser albernen Groteske des "Feminismus"! Und werden impotent bleiben, solange wir nur gegen[/u] den Feminismus kämpfen. Oder gar gegen "die Frauen", unsere tiefsten Vertrauten von Alters her, unsere treuesten Verbündeten im irdischen Leben.

Aber es gibt sie nicht mehr, die wackeren Weiber, sowenig wie die edlen Ritter! Den Frauen ist ihre Identität nämlich ebenfalls verloren gegangen! Deswegen sind sie jetzt "feministisch": sie können es nämlich nicht mehr besser!

Oh, welcher grenzenlose Trübsinn ist über meine geliebte Welt gekommen!

Zugang zu unseren menschlichen Wurzeln, die ja noch irgendwie rudimentär angelegt sind, finden wir Zombies allerdings - und da ahnt Otten richtig - in den flackernden seelischen Bildern, die in den trüben Halothan-Schwaden mitunter noch aufblitzen. Jawohl, ich sage es gern - für diejenigen, die sich unter dem Begriff "seelisches Bild" etwas vorstellen können: da gibt es auch bei mir den "christlichen Ritter" - da gibt es Edelmut, Selbstlosigkeit, Maß, Beständigkeit, Milde, Zucht...

Oder es gibt sie eben nicht mehr.

Und komme mir jetzt keiner mit "Realismus"!
Ich habe ausdrücklich über etwas ganz anderes geredet!

Sagt euch der Nick


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