Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Nathan, der Jude

Garfield, Wednesday, 12.05.2004, 19:33 (vor 7937 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Nathan, der Jude von Nick am 11. Mai 2004 15:40:07:

Hallo Nick!

"Sie ist auch nicht totalitär, nicht nur, weil ihr die Macht dazu (gottseidank) fehlt, sondern weil sie etwas verteidigt, was nicht eben nicht in der Verfügung des Menschen steht. Es steht jedem frei, dieses Gut abzulehnen, aber nicht, es nach "demokratischem Volkswillen" zu verändern."

Das stimmt nicht so ganz, Nick. Wenn man der Kirche die Macht dazu gibt, dann wird sie auch totalitär.

In der DDR gab es ja viele Kindergärten. Viele davon wurden nach der Wiedervereinigung geschlossen, viele blieben aber erhalten, und einige davon wurden an die christlichen Kirchen übergeben.

Nun war es ja in der DDR nicht unbedingt üblich, Kirchenmitglied zu sein. Zwar hatte man als Kirchenmitglied keine Repressalien zu befürchten, aber die Kirchen bekamen andererseits auch kaum Unterstützung vom Staat. Deshalb waren nun viele Mitarbeiter in diesen nunmehr kirchlichen Kindergärten auch keine Kirchenmitglieder.

Auf diese Mitarbeiter wurde dann massiv Druck ausgeübt. Man machte ihnen unmißverständlich klar, daß sie als Mitarbeiter eines kirchlichen Kindergartens gefälligst auch Kirchenmitglieder zu sein haben, und daß sie, wenn sie und ihre Familien nicht in die jeweilige Kirche eintreten, eben gefeuert werden. Und diejenigen, die nicht in die Kirche eintraten, wurden dann auch gefeuert, offiziell natürlich aus Kostengründen.

"Ein Glaube, der "beschlossen" würde und veränderbar wäre, wäre keiner. Er wäre nichts wert und würde vergehen, wie alles andere auch."

Richtig, Nick. Aber das ist uninteressant, solange neue Schäfchen neue Steuer-Einnahmen bringen. Bei mächtigen Organisationen geht es immer vorrangig um Geld. Und gerade die katholische Kirche ist auch heute noch eine mächtige Organisation.

Ich traue grundsätzlich keiner Organisation, durch die viel Geld fließt. Da erliegen immer wieder viele der damit verbundenen Versuchung. Noch ein eher harmloses Beispiel aus DDR-Zeiten:

Die DDR-Kirchen wurden von den westlichen Kirchen unterstützt, zumeist mit Sachleistungen (z.B. neue Dachziegel für ein Kirchendach), aber auch z.B. mit Kleidung aus der Kleiderspende im Westen. Der Pastor in meiner Wohngegend bekam öfter solche Spenden aus dem Westen geschickt. Man sah auch deutlich, welche Familie er offensichtlich für die bedürftigste der Gegend hielt: Er, seine Frau und vor allem seine Kinder trugen immer Kleidung aus westlicher Produktion. Die sammelten sich nämlich erstmal das beste aus den Kleidersäcken heraus, und nur das, was sie nicht brauchten, wurde an andere verteilt.

Da kannst du dir ja vorstellen, was passiert, wenn solche Leute irgendwann womöglich Kardinäle oder Bischöfe sind und so Zugriff auf hohe Geldsummen haben. Die hehren christlichen Ideale fliegen dann ganz fix über Bord.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Das ist kein Problem, das nur die Kirchen betrifft. Es ist ein menschliches Problem, das aber eben auch durch die christliche Ethik offensichtlich nicht gelöst wird. Es kann durch gar keine Ethik gelöst werden, sondern letztendlich nur durch wirksame Kontrolle.

Freundliche Grüße
von Garfield


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