Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Christliche Ethik

Daddeldu, Monday, 03.05.2004, 05:17 (vor 7947 Tagen) @ Andreas (der andere)

Als Antwort auf: Re: Kleiner Exkurs Ethik von Andreas (der andere) am 02. Mai 2004 16:37:13:

Hallo Andreas,


Ethik zeichnet sch gerade dadurch aus, daß sie eben unabhängig von den Menschen und ihren persönlichen Auffassungen ist.

Stümmt.

Was konkret meinst Du damit, wenn Du sagst, Du lehntest die katholische (christliche) Ethik ab? Ganz offensichtlich bist Du Dir ja nicht einmal im Klaren darüber, auf welcher Ebene Du hier argumentieren willst: auf Ebene der normativen oder der Metaethik? Bezöge sich Deine Kritik auf den Bereich der normativen Ethik, müßtest Du schon eine gute Erklärung parat haben, weshalb Dir Gebote wie "Du sollst nicht töten!" etc. als überholt erscheinen.

Man kann eine Reihe von Textstellen der Bibel anführen, mit denen sich die meisten Menschen einverstanden erklären dürften. Ebenso Dinge aus den sonstigen Auffassungen der Christen. Aber es gibt eben auch viele Dinge, die einer modernen ethischen Betrachtung nicht standhalten.

Das 10. Gebot zum Beispiel lautet vollständig und bei möglichst treuer Übersetzung:

Du sollst nicht versuchen, etwas an dich zu bringen, das deinem Mitmenschen gehört*, weder seine Frau noch seinen Sklaven oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel noch irgend etwas anderes, das ihm gehört.

*etwas, das deinem Mitmenschen gehört: wörtlich "das Haus deines Mitmenschen." Mit »Haus« ist nicht das Gebäude, sondern der gesamte Besitz gemeint.

2. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 17 in der Übersetzung der Deutschen Bibelgesellschaft von 1997 („Gute Nachricht Bibel“)

Häufig wird es so zitiert: „Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Weib.“ Das wird dann auch noch in sexueller Hinsicht interpretiert, was völlig unhaltbar ist.

Ich mag das 10. Gebot besonders, weil man damit gläubigen Christen vor Augen führen kann, dass Gott die Sklaverei schützt. Zumindest kommt man zu diesem Schluss, wenn man, wie eben gläubige Christen, glaubt, die 10 Gebote stammten von Gott.

Dass sich viele Christen zu den 10 Geboten und zur Bergpredigt bekennen, liegt nur an ihrer bedauerlichen Unkenntnis auf religiösem Gebiet und der leider weit verbreiteten selektiven Wahrnehmung auf selbigem.

Meines Erachtens liegt die gesamte Reputation der christlichen Ethik in einer solchen selektiven Wahrnehmung begründet.

Ist Deine Kritik hingegen metaethischer Natur

Was ist das denn? (Kann man es essen?) Wenn damit systematische Einwände gegen eine christliche Ethik gemeint sind, auch da lässt sich natürlich einiges vorbringen. Vor allem, dass es sich um eine Sonderethik handelt, die eben nicht für alle verbindlich sein kann, sondern nur für Christen. Je mehr die Allgemeinverbindlichkeit angestrebt wird, um so weniger darf sie auf ihre christlichen Wurzeln rekurrieren ("Euthyphron-Dilemma").

Gruß,

Daddeldu


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