Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Von eingebildeten Göttern und eingebildeten Menschen

Jens, Monday, 10.05.2004, 02:58 (vor 7940 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Re: Von eingebildeten Göttern und eingebildeten Menschen von Nick am 09. Mai 2004 23:08:05:

Hi Nick,

Der Vorwurf fällt auf dich selbst zurück. Habe ich das denn gesagt? Ich sage nur, daß heute viele Leute eine der christlichen entgegengesetzte Norm vertreten (oder "vertreten sehen wollen", ohne genau angeben zu können, welchen Inhalt sie denn dann überhaupt haben sollte). Diese Tatsache ist unbestreitbar. Ich kritisiere das, weil sich solche Positionen historisch durchweg als extrem unethisch erwiesen habe. Wenn du indes nicht das Gegenteil der christlichen Norm forderst, sondern dich daran hältst, auch wenn du das nicht so nennen magst, dann soll mich das freuen und ich kritisiere es dann ausdrücklich nicht.
[quote]Ich kenne nicht einen einzigen Fall, daß eine der christlichen Ethik direkt entgegengesetzte Position auch nur zwei bis drei Generation lang überlebt hätte. Die jeweiligen "Firmen" haben samt und sonders, ohne eine einzige Ausnahme, meistens schon nach wenigen Jahren, wegen geistiger Zahlungsunfähigkeit und ruinösen (Menschen-)materialverbrauchs Konkurs anmelden müssen.[/quote]

ich habe leider noch 20 min bevor die Schreibsperre aktiv wird. Aus diesem Grund beeile ich mich und gehe nur auf den Anfang ein - kann auch nicht alles durchlesen.

Ich empfinde es sehr schwierig erstmal zu sagen, was "Christentum" eigentlich bedeutet. Wenn du mich heute fragst, so glaube ich nicht, dass es durch die zwei großen Kirchen repräsentiert wird. Außerdem unterscheiden sich die "christlichen" Wert zwischen den zwei den großen Kirchen. Im Katholizismus herrscht eine extreme Hirarchie, die selbst Jesus nicht für gut hieß. Die katholische Kirche ist ein reiner Machtapparat. Habe mal gelesen, dass lediglich 8% der Spendeneinnahmen für gemeinnützige Zwecke von der Katholischen Kirche verwendet werden. Hinzukommt das totalitäre Denken. So wurde das 1945 gefundene Thomas-Evangelium von der Katholischen Kirche lange Zeit zurückgehalten, weil sie angeblich die reinen Jesusworte beeinhalten. Ein Satz sinngemäß: "Spalte ein Stück Holz und ich bin da, Hebe einen Stein auf und du wirst mich finden. Das Reich Gottes ist überall". Auf Deutsch: Kirchen verlieren somit an Bedeutung - es benötigt keine Institution um Christ zu sein, es benötigt noch nichtmal eine Gemeinschaft, sondern allein der Glauben daran ist genug. Traurig auch, dass die Bibel im Laufe der Geschichte geändert wurde und "unglaubwürdige" Passagen herausgestrichen wurden. Warum? Die Katholische Kirchen hat unter dem Deckmantel des Christentum tausende von Jahre das Mittelalter "dunkel" gemacht. Inquisition und eine ideologischen Weltbild, welches keinen Widerspruch, kein Hinterfragen, keine Forschung beeinhaltete. Die Katholische Kirche ist unweigerlich Teil der Christlichen "Ethik" - zu verdanken haben wir ihr jahrtausendlange unterdrückung und den 30jährigen Krieg, die Kreuzzüge. etc....
Martin Luther ist auch Teil der christlichen Ethik - er war aber nicht nur großer Reformator, sondern eines der größten Antisemiten seiner Zeiten. Hilter hat mal gesagt: "Ich mache da weiter, wo Martin Luther aufgehört hat". Viele Maßnahmen, die damals die Kirche vollzogen hat, (berufsverbot für Juden, Juden haben Brunnen vergiftet etc..) wurden in unsere Kultur weitergetragen und von Hitler auf Berufung dieser "fortgeführt." Auch das ist ein Teil "christlicher" Interpretation.

Wenn jemand die Menschen zu Vernunft und Humanismus geprägt hat, dann nicht "das Chirstentum" oder "Die Kirche", sondern - sofern Bibeltreue vorhanden - die Eigeninterpretation von der Verkörperung Jesus. Ich betracht ihn eher als eine "Philosophen", der schon damals gegen bestehende "Sitten" und gesellschaftlichen Regeln verstieß und dadurch eine Position des Humanisten, Selbstkritikers und Menschenfreundes einnahm. ("Wer von euch frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein", "Wenn euch jemand auf eine Wange schlägt, haltet ihm die andere auch hin" etc....).

Das "Christentum" als ein "homogenes" Wertesystem darzustellen ist somit sehr schwierig. Die Unterschiede und Interpretation der Heiligen Schrift fallen zu unterschiedliche aus.

Wonach man es dann mit ebenso kurzlebigen "Neugründungen" unter anderem Namen versuchte - alle immer mit dem selben Schicksal. Die Geschichte der Gottlosigkeit ist, seit ihrer politischen Geburt unter der Guillotine, ein einziges, singuläres, moralisches Desaster, ein Blutbad unvorstellbaren Ausmaßes, eine geistige Ödnis des seelischen Grauens, wie es die Welt nie zuvor sah. Ein inzwischen unbestreitbares historisches Faktum.

Teil des historischen Faktum habe ich oben beschrieben. Jahrtausendelange Inquisition, Antisemitismus, Kreuzzüge, Glaubenskriege widerlegen - bis auf den Kommunisus - dass ein Blutbad aus der Gottlosigkeit zu schließen ist. Der Papst segnete im Mittelalter die Waffen, im dritten Reich kolaborierte die Katholische Kirche teilweise mit dem NS-Regime. Immerhin wurde Jesus ja von den Jüdischen Hohepriestern ans Kreuz geschlagen - das haben die "Christen", den Juden irgendwie nie verziehen - offenbar. Auch nicht Martin Luther - bis in seinen Tod.

Hingegen hat John Locke - als erste den Freiheitsgedanken geprägt. Als einer der ersten forderte er die strickte Teilung zwischen Staat und Kirche und forderte Gewaltenteilung. Die angehenden Amerikaner ließen sich von Locke anstecken und formulierten eine Verfassung, die den Sklavenhandel und die Sklaverei letzten Endes beendetet und besiegelte (Jeder Mensch hat ein Recht auf Freiheit...). Die Christliche Kirche hat das nicht geschaft, auch nicht der "christliche Gedanke" der Menschen, sondern eine normale Klage vor dem Bundesgericht der noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika, in einem Rechtssystem mit Gewaltenteilung ohne kirchlichen Einfluss.

Jens


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