Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Lauterkeit?

Garfield, Wednesday, 05.05.2004, 19:39 (vor 7944 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Nick am 05. Mai 2004 13:46:10:

Hallo Nick!

Im Großen und Ganzen sehen wir die Dinge durchaus ähnlich. Wie schon geschrieben, ist mir schon klar, daß die Grundgedanken der urchristlichen Bewegung positiv waren und daß die echten Christen es geschafft haben, diese positiven Ideale bis heute zu bewahren, obwohl sie von manchen Kirchenfürsten zuweilen mit Füßen getreten wurden.

Trotzdem sehe ich bei solchermaßen religiös verbrämten positiven Idealen eine Gefahr:

Viele Religionen gehen davon aus, daß es ein Leben nach dem Tod gibt. Das legt den Glauben daran nahe, daß nach dem Tod die Guten ins Himmelreich eingehen, während die Bösen in die Hölle fahren.

Und genau das hat es den Mächtigen in früheren Zeiten sehr einfach gemacht, Profit aus den übrigen Menschen herauszupressen. Man sagte ihnen, daß die Armen selig wären und ins Himmelreich kommen würden, während diejenigen, die auf Kosten anderer Reichtum anhäuften, in der Hölle landen würden. Getreu dem Motto "wen Gott liebt, den läßt er leiden", ertrugen viele Menschen ihr mühseliges Leben, in der Hoffnung, dafür nach ihrem Tod zu Gott in den Himmel zu kommen, während diejenigen, die sie unterdrückten und ausbeuteten, doch sicher nach dem Tod dafür bestraft werden würden...

Ich ziehe es aber vor, schon hier auf Erden diese positiven Ideale verwirklicht zu sehen und nicht erst auf irgendein imaginäres Himmelreich oder gar ein jüngstes Gericht zu warten.

So könnten wir ja nun auch geduldig den Einfluß des Radikalfeminismus auf unsere Gesellschaft hinnehmen und den Radikalfeministinnen freundlich lächelnd immer wieder auch noch die zweite Backe hinhalten, wenn sie uns auf die erste schlagen. Und wenn dann eines Tages die von Valerie Solanas in ihren Gewalt-Fantasien herbeigewünschten Gaskammern für Männer tatsächlich existieren, könnten wir auch alle fröhlich singend dort hinein wandern, denn auch Jesus hat sich für die Sünden der Menschen ans Kreuz schlagen lassen...

Du hast geschrieben, daß der Krieg gegen Hitler vermeidbar gewesen wäre. Das sehe ich anders. Alle die Leute, die an das Gute in ihm geglaubt haben, haben mit dazu beigetragen, daß sein Wahnsinn immer mehr die Oberhand gewann. Weil er sich durch die Nachgiebigkeit seiner Gegenspieler nur noch mehr in seinem Sendungswahn bestätigt fühlte. Nachdem sein Putschversuch 1923 gescheitert war, hat er sich schon ein wenig zum Positiven geändert, denn zumindest hat er dabei gelernt, daß die Erfahrungen der italienischen Faschisten nicht so ohne weiteres auf Deutschland übertragbar waren und daß es für ihn günstiger ist, seine Ziele auf legalem Wege zu erreichen. Aber danach gingen für lange Zeit alle seine innen- und außenpolitischen Abenteuer gut aus, und so glaubte er schließlich tatsächlich, daß er eine Art Messias wäre, den die Vorsehung dazu bestimmt hat, die "arische Rasse" zur Weltherrschaft zu führen. Millionen Anhänger (darunter übrigens viele Frauen) bestärkten ihn in diesem Wahn noch.

Wenn er - z.B. bei der militärischen Besetzung des Rheinlands - einen Reinfall erlebt hätte, dann hätte ihn das vielleicht dazu gebracht, sich zu bescheiden, und vielleicht hätte er dann letztendlich sogar noch Gutes bewirkt.

Es stimmt also nicht, daß man irgendwelche Konflikte immer am besten mit Sanftmut lösen könne. Wenn die Klügeren immer nachgeben, gewinnen zwangsläufig die Dümmeren die Oberhand. Genau das ist eines unserer derzeitigen Probleme. Momentan läuft vieles nach dem Motto "alle Macht der Dummheit" ab.

Alle Strömungen der Gutmenschen-Bewegung beruhen ja auch auf positiven Idealen und Zielen. Frieden, Umweltschutz oder Gleichberechtigung der Geschlechter sind positive Ziele. Aber viele der Organisationen, die sich ursprünglich dafür einsetzten, wurden von selbstgerechten und oft wirklich unintelligenten Gutmenschen unterwandert, was dann oft dazu führte, daß ihre ursprünglichen Ziele komplett ausgehöhlt wurden. Die Grünen sind dafür ein Paradebeispiel.

Ein Patentrezept gibt es selten, und Nächstenliebe um jeden Preis ist für dieses Problem definitiv keines.

Freundliche Grüße
von Garfield



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