Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Kleiner Exkurs Ethik

Andreas (der andere), Sunday, 02.05.2004, 19:37 (vor 7947 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich von Emmalein am 30. April 2004 11:38:07:

Soll ich mir von solchen Leuten sagen lassen, was meine Ethik zu sein hat und was nicht? Nee danke!

Liebes Emmalein,

Ethik zeichnet sch gerade dadurch aus, daß sie eben unabhängig von den Menschen und ihren persönlichen Auffassungen ist. Was konkret meinst Du damit, wenn Du sagst, Du lehntest die katholische (christliche) Ethik ab? Ganz offensichtlich bist Du Dir ja nicht einmal im Klaren darüber, auf welcher Ebene Du hier argumentieren willst: auf Ebene der normativen oder der Metaethik? Bezöge sich Deine Kritik auf den Bereich der normativen Ethik, müßtest Du schon eine gute Erklärung parat haben, weshalb Dir Gebote wie "Du sollst nicht töten!" etc. als überholt erscheinen. Ist Deine Kritik hingegen metaethischer Natur, würde Dich auch das nicht davon entbinden, Deine Auffassungen von Ethik entsprechend zu begründen (denn sonst blieben es lediglich Deine Auffassungen). Aus diesem Grund müssen wir Dir die Beantwortung Deiner (selbstverständlich auf Spaltung zielenden) Frage nach "atheistischer Männerrechtsbewegung" oder "katholischer Zwangsethik" verweigern - werde Dir zuallererst klar darüber, was Deinen eigentlichen Kritikpunkt darstellt.

Bliebe die Frage nach "Konsens-Ethik". Die Aussagen normativer Ethik unterscheiden sich von außermoralischen Handlungsnormen dabei in drei Punkten:
(1) Sie bewerten menschliches Verhalten entweder primär, oder mit Rücksicht auf seine Auswirkungen auf die außermoralisch Lebensqualität.
(2) Sie sind kategorischer Natur.
(3) Sie erheben Anspruch auf allgemeine Gültigkeit.

Diese Definition unterscheidet Ethik von einem von der Willkür der Beteiligten abhängigen privaten Abkommen, das keiner Form von Normen unterliegt (sofern nicht echte ethische Normen mit hineinspielen). Ich kann auch wirklich nur empfehlen, sich näher mit der Philosophie der Ethik, insbesondere den Thesen des Relativismus, auseinanderzusetzen. Zum Beispiel wäre es doch wichtig, daß Deine Forderung nach Toleranz gerade nicht durch einen Verweis auf einen metaethischen Relativismus gestützt werden kann, sondern durch das Gegenteil, die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts als universelle Norm. Ferner solltest Du klarstellen, ob Du Dich mit Deiner These auf fundamentale oder abgeleitete Normen beziehst.

Der Begriff "Konsens-Ethik" ist letztlich nur der Versuch, der Willkür mit der Verleihung eines besseren Namens ein positives Ansehen zu verschaffen.


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