Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Garfield, hast du gelesen, was ich schrieb?

Nick, Thursday, 06.05.2004, 15:28 (vor 7944 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Garfield, hast du gelesen, was ich schrieb? von Garfield am 06. Mai 2004 11:12:25:

Lieber Garfield!

Im übrigen hätten Engländer und Franzosen Hitler vielleicht auch ohne einen echten Krieg im Zaum halten können. Als deutsche Truppen das Rheinland besetzten, hatten sie Befehl, sich im Falle eines Einmarsches der französischen Armee kämpfend zurück zu ziehen. Hitler selbst war sich auch keineswegs sicher, ob die Franzosen nicht doch militärisch intervenieren würden, und ihm war sehr bewußt, daß die deutsche Armee zu diesem Zeitpunkt auf einen Krieg mit Frankreich überhaupt nicht vorbereitet war. Wenn die Franzosen das Rheinland militärisch besetzt hätten, dann hätte Hitler klein bei gegeben und alle französischen Forderungen erfüllt. Noch gravierender wären die innenpolitischen Folgen gewesen. Dann hätten viele Deutsche in Hitler nämlich nicht mehr den genialen Führer gesehen, sondern den Abenteurer, der er nun einmal war.
Problematisch war aber, daß der ganze Versailler Vertrag ja schon ungerecht war. So hatten auch im Ausland viele Menschen Verständnis für diese und andere Aktionen Hitlers. Ein britischer Politiker sagte dazu, daß die Deutschen doch nichts weiter tun würden, als ihren Vorgarten zu besetzen. Und so war es ja eigentlich auch. Daß Hitler durch diesen Erfolg zum einen in seinem Sendungswahn bestärkt wurde und zum anderen noch mehr Bewunderung und Zustimmung in Deutschland und teilweise auch im Ausland fand, hat man nicht bedacht.
Man hätte die Machtübernahme der Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg ja auch schon 1918 durch einen fairen Frieden mit Deutschland verhindern können. So wie Bismarck es nach dem preußisch-österreichischen Krieg durchgesetzt hat. Und wie er es eigentlich auch nach dem deutsch-französischen Krieg durchsetzen wollte. Da wäre es durchaus sinnvoll gewesen, das christliche Prinzip der Nächstenliebe anzuwenden, um für die Zukunft Feinde in Freunde zu verwandeln. Stattdessen haben sich die Regierungen Frankreichs und Englands durch ihre durch die Kriegspropaganda aufgeputschte Bevölkerung dazu verleiten lassen, Deutschland die alleinige Schuld am Ersten Weltkrieg zuzuweisen und den Deutschen unfaire Bedingungen für den Frieden zu diktieren.

Das genau ist die Genesis der Tragödie unseres Vaterlands im 20. Jahrhundert. Früher hat so etwas dann bekanntlich immer zu weiterer Revanche und neuen Kriegen geführt. Heute führt es hauptsächlich zu neurotischer Gutmenschlichkeit - ich sehe in der kollektiven Nichtverarbeitung dieses ultimativen nationalen Zusammenbruchs die psychologische Grundlage für die penetrante Gutmenschsucht in D-Land, aufruhend auf gleichgerichteten Vorerfahrungen: Reformation, 30-jähriger Krieg, politische Zerstückelung, osmotische Auflösung des Reiches, napoleonische Umpflügung des Landes mit reflektorischer Entstehung eines äußerst fiebrigen, bösen Nationalismus (der den Deutschen vorher immer ganz fremd gewesen war), die erdrückende Vormacht Preußens und der Ausschluß der katholischen Habsburger aus Deutschland, die Wende von Bismarck zu Wilhelm II., Versaille, Weimar, Hitler...).

Wünschenswert nach alledem wäre die souveräne Klarheit eines geläuterten Herzens in Europas Mitte, frei von allen Opfer- und Täterneurosen, die daraus die geistige Basis eines Europas der Gerechtigkeit schüfe. Das war möglich, den Willen und die Klarheit dazu gab es (Schumann, de Casperi, Adenauer, de Gaulle). Heute bin ich skeptisch: die Kal-cul's und Wirtschafts-Fuzzis haben ihre Schmutzfinger in alle Löcher gesteckt, es wird wohl eine Anal-Orgie werden. Auf deutsch: Scheiße wird's (wieder) werden! Und warum? Weil Europa seine geistigen Wurzeln verraten hat. Europa kann nur als christliche Welt seine Identität bewahren - oder es wird eben verlöschen. My two cents...

Aber leider läßt sich dieses Prinzip der Nächstenliebe eben nicht überall anwenden. Wenn man es mit Irren zu tun hat, ist Nächstenliebe oft nicht angebracht. Das beweist uns ja auch Hannibal mit seinen erfolglosen Anbiederungsversuchen bei Radikalfeministinnen immer wieder.

Ich bitte dich: wer ist Hannibal? In Fragen von Bedeutung indes geht's immer um die Nächstenliebe - oder eben um Fortsetzung des Wahns. Die Anwendung der Nächstenliebe kann allerdings völlig anders aussehen, als man sich das gemeinhin zu denken pflegt. Augustinus hat mal gesagt: "Liebe - und tu was du willst!" Ein ungemein gefährlicher Satz, in der Tat. Aber wenn er auf Wahrheit und Gerechtigkeit gründet und nicht die eigene Eitelkeit zum Handelsobjekt macht, dann liegt darin eine große Kraft und unermeßliche Freiheit, die nicht an bestimmte Formen gebunden ist. Nur fehlen solche Menschen heute an allen Orten. Es ist eben alles sehr "feminisiert" bei uns... und ganz "wirtschaftsorientiert"...

Ich verstehe schon, daß du das ähnlich siehst - aber es gibt Christen, die das anders sehen und sich willig in das Heer der Gutmenschen einreihen.

Die muß man da eben wieder "ausreihen", genauso wie die anderen Gutmenschen. Die meisten Christen schlafen einfach zu tief, das ist wahr. Dabei ist es eigentlich sehr einfach: ein guter Mensch ist man nicht deshalb, weil man zu den guten Menschen gehört, sondern weil man ein guter Mensch ist. Punkt. Die erste Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit zur Askese, zur Einsamkeit, Einsamkeit auch gegenüber sich selbst. Der Glaube war immer ein Weg mitten in diese Askese hinein. Alles von Bestand ist daraus erwachsen, aus nichts anderem, zu allen Zeiten.

Es werden sich wieder Wege finden.

Gruß an dich
vom Nick


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