Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Beruf, Kinder und Karriere

Emmalein, Thursday, 19.02.2004, 16:40 (vor 8022 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Beruf, Kinder und Karriere von Garfield am 19. Februar 2004 13:59:19:

Hi, Garfield,

"Wir sind einer der ganz,ganz wenigen Staaten ohne flächendeckendes Ganztagsschulangebot in Europa!"

Angeblich soll sich das ja nun ändern.

Witzig, Du glaubst unserer Regierung? Es tut mir leid, das tue ich schon lange nicht mehr. Die hat schon so viel versprochen, was sie gebrochen hat, da kann man ihr nicht mehr trauen.

Männer können genauso gut oder genauso schlecht demonstrieren wie Frauen. Da ist kein Unterschied. Wer auf Kinder aufpassen muss, kann auch nicht so gut demonstrieren. Und auch Frauen arbeiten teilweise Vollzeit.

Männer haben ebenfalls Unterstützung bekommen, durch Männerbünde, die ihnen halfen, Jobs zu kriegen, durch Arbeitsmöglichkeiten, die Frauen nicht offenstanden und durch Bildungsmöglichkeiten, die Frauen nie bekommen konnten (Studium, Lehre in vielen Zunftberufen). Dass die Witwen unterstützt wurden, lag auch daran, dass es ihnen gar nicht ERLAUBT war, zu arbeiten oder dass die Gesellschaft die arbeitenden Witwen nicht vorsah.

Kürzere Arbeitszeiten müssen nicht familienfreundlicher sein. Viele Betriebe verlangen absolute Flexibilität, auch bei Kurzzeitarbeit, das ist nicht gerade besser für Familien. Z. B. wenn dann ein Partner Wechselschicht an vier statt an fünf Tagen macht, bringt das gar nichts! Flexible Arbeitszeiten sind flexible Arbeitszeiten für die Arbeitgeber, die die Leute flexibler einsetzen wollen, nicht für Eltern, die sich bessere Vereinbarkeit von Kind und Karriere wünschen . Dagegen ist, wie ich schon sagte, auch nichts zu sagen. Aber dieses als Familienförderung darzustellen ist Zynismus pur.

NuIch sprach nicht davon, die 4,5 Mio. Arbeitslosen wegdiskutieren zu wollen, aber zu sagen, dass Frauen nur arbeiten sollen, wenn man keine Arbeitslosen hat, der trötet in Clements Horn, der Ehefrauen nur noch höchstens ein Taschengeld mit Dazuverdienen zugestehen will, und ihre Arbeitslosmeldungen nicht ernst nimmt. Damit wird ja die Ernährer-Rolle für Männer 100%ig festgeschrieben, denn dann hat die Frau, wenn sie ja mal arbeitslos geworden ist, zumindest staatlicherseits keine Chance auf Vermittlung.

Im Hochschulbereich stimmt es! Wenn es Dich wirklich interessiert, kann ich Dir einen Aufsatz zukommen lassen, von Christa Müller, die über die Situation im Erziehungswesen geschrieben hat. Männer bekamen recht schnell Wiedereinstellungen - Frauen guckten da noch länger und noch mehr in die Röhre.

Wer besser qualifiziert ist, bekommt leichter einen Ausbildungsplatz, zumindest in vielen Grossbetrieben. Mädchen haben eher das Abitur, Jungen eher den Hauptschulabschluss. Das Abitur ist eine höhere Qualifikation als der Hauptschulabschluss. Sässe ICH in einem Unternehmen mit sehr anspruchsvoller Tätigkeit (z. B. bei einem Unternehmen, das Industriekaufleute suchen würde), würde ich lieber einen Bewerber mit höherer theoretischer Qualifikation einstellen. Ob der seinen Wehrdienst abgeleistet hat oder nicht, wäre mir da eher egal. Wenn sich also eine junge Dame mit Abitur 1,0, mit den Abiturfächern Englisch, Mathematik, Geschichte und Französisch mündlich bewerben würde, würde ich die eher einstellen als einen jungen Herrn mit einem durchschnittlichen Hauptschulabschluss. Logisch?

Im Übrigen haben sich viele Menschen für ein soziales Jahr beworben, die keine Stelle bekommen haben. Das ist also gar nicht so einfach, da dran zu kommen! Deswegen bin ich ja auch gegen den Zivildienst: Es würden sich bestimmt genug Freiwillige finden, die einen solchen Dienst machen würden, und die wären besser motiviert als die Zivildienstleistenden.

"Ja, aber dann kommen die Fragen: Ich sehe sie haben Kinder, wer betreut die,wenn die mal krank sind? Wenn die Antwort dem Unternehmer nicht gefällt, kriegt die Frau keine Stelle. Diesen Fragen muss sich kein Mann stellen, egal, wie alt das Kind ist!"
Wenn mehr Männer den Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen könnten, wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie genau dieselben Handicaps haben. Die Wehrpflicht haben sie dann aber womöglich zusätzlich immer noch auf dem Hals.
Außerdem gibt es genügend Unternehmen, die es aus Prestige-Gründen gar nicht wagen, Bewerberinnen so zu behandeln.

Aber auch genügend Unternehmen, die Frauen nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch einladen, weil sie FRAUEN sind, und schwanger werden KÖNNTEN (Siehe Expatriates Posting!). Wo werden MÄNNER nicht eingestellt, weil sie MÄNNER sind, und aus keinem anderen Grund?

Sobald der Wehr- oder Zivildienst abgeleistet ist, ist er abgeleistet. Aber Frau bleibst Du ein ganzes Leben. Und bis ungefähr 40 kannst Du locker Kinder kriegen. Eingezogen werden kannst Du aber wohl offenbar nur bis Anfang 30. Und wenn Du eingezogen warst, ist die Sache vorbei. Aber nichts ist vorbei für eine Frau, wenn sie Kinder hat, weil der Arbeitgeber ja auch denkt , sie könnte noch mehr Kinder haben.

Es grüsst
das Emmalein


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