Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Beruf, Kinder und Karriere

Emmalein, Tuesday, 17.02.2004, 19:21 (vor 8024 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Beruf, Kinder und Karriere von Manfred am 17. Februar 2004 13:42:13:

Hi, Du,

Ungerechtigkeit wird immer vom anderen Geschlecht als grösser für das eigene beurteilt. Ich glaube, dass sich das in vielen Punkten die Waage hält.

So viel Einfluss hat die Frauenbewegung nun auch wieder nicht, wie sie hier dämonisierend dargestellt wird. Sie hat es bis jetzt nicht geschafft ,dass wir eine Bundeskanzlerin haben. Wir hatten auch noch keine Bundespräsidentin. Es gibt ausserdem noch in den meisten Fächern mehr Professoren als Professorinnen. Und sehr, sehr viele Frauen haben ein Problem, einen Job zu bekommen oder zu halten, sobald sie Kinder haben. Bei einigen Unternehmern reicht ja die MÖglichkeit, schwanger werden zu können, als Nicht-Einstellungsgrund aus (vgl. Expatriate). Und genügend ausserhäusige Kinderbetreuung gibt es auch noch nicht. Es gibt keine flächendeckenden verlässlichen Grundschulen. Und nur die wenigsten unserer Schulen sind Ganztagsschulen.

Mach Dir also keine Sorgen, die Frauenbewegung ist sehr viel ohnmächtiger, als Du glaubst.

Und sag mir, für welches Unternehmen Du die Personalpolitik betreibst, damit ich Deine Produkte boykottieren kann!

Ich habe kein soziales Jahr abgeleistet, bin aber als Assistant teacher für geringes Geld nach England gegangen. Kann man auch als sozialen Dienst sehen. Ist genauso sozial wie irgendwo in Polen Grabmäler von KZ-Toten zu pflegen.

Nicht widersetzt? Du unterschätzt die Kämpfe der Frauenbewegung! Es musste sehr intensiv um das Wahlrecht gekämpft werden, um das Recht auf eigenes Eigentum, um das Recht auf Freiheit, seinen Lebensstil zu wählen, um das Recht auf das Studieren, um das Recht auf ein mündiges, selbstbestimmtes Leben. Ja, die Frauenbewegung hat viel erreicht. Aber es gab auch immer viel WIDERSTAND! Es ist ihnen nichts geschenkt worden.

Ich habe Mitleid, aber nicht mit Grossunternehmen oder mit Unternehmern überhaupt. Mitleid habe ich mit Todeskandidaten in diktatorischen Regimen, mit Rechtlosen, mit Obdachlosen, mit Kranken, mit Armen. Nicht mit den Unternehmern, die unseren Staat erst dahin gebracht haben, wo er jetzt steht (nämlich durch ihr Nicht-Steuern-Zahlen in den Ruin) und die jetzt meckern, weil ihnen die Arbeitskräfte oft zu schlecht ausgebildet sind, weil kein Geld da ist, Schwächere angemessen zu fördern oder Sprachkurse für Ausländerkinder einzurichten.

Es grüsst sich die Menschen, mit denen sie Mitleid hat sehr genau auswählend
das Emmalein


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