Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Beruf, Kinder und Karriere

Emmalein, Wednesday, 18.02.2004, 11:42 (vor 8024 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Beruf, Kinder und Karriere von Manfred am 17. Februar 2004 22:30:52:

Hi, Manfred,

Wieder so eine Sache... Ich stimme Dir schon teilweise zu, aber auch hier Vorsicht mit der Reihenfolge der Zusammenhänge. Ein mann muß nunmal bis ins Rentenalter damit rechnen, dass er im Zweifelsfall für die Familie auzukommen hat. Nicht als zubrot, nicht als Hobby oder Lust an der Karriere, es wird gesellschaftlich eingefordert, nach wie vor!
Ich möchte nicht wissen wie hoch der Prozentsatz der Frauen mit dem dummen Gesicht wäre, wenn -heute auf morgen- die Kinderbetreuung durch den Mann und das pflichtgemäße "Ernähren" der Familie durch die Frau etabliert würde.

Heutzutage kann auch eine Frau nicht mehr damit rechnen, einen Ernährer für die Familie gewonnen zu haben. De jure, ja, aber de facto? Ich weiss nicht genau, wie ich eine unabhängige Statistik bekommen könnte (die einzigen die hier wieder Statistiken führen, sind Frauenorganisationen, und die gelten bei Euch ja als parteiisch!), die aufführt, wie viele Männer den Unterhalt,den sie zahlen sollten, auch tatsächlich zahlen. Hört frau sich um, kommt sehr oft dabei raus, das die Männer wohl offenbar das ncht tun. Hört frau sich bei Mann um, wird geklagt, der Unterhalt ist viel zu hoch und es kann gar nicht gezahlt werden. Irgendwo steckt da ein Widerspruch, der sich nur durch das Phänomen "unterschiedliche Wahrnehmung desselben Sachverhalts wegen unterschiedlicher Betroffenheit" erklären lässt. An objektive Zahlen zu kommen, ist aber schwer. Hättest Du da einen Tipp (also eine Statistik, die weder von einer Frauen- noch von einer Männerorganisation erstellt wurde)?

Gehen wir aber mal davon aus, dass es Männer gibt, die im Scheidungsfall nicht zahlen (wie viele, ist ja, wie bereits beschrieben, schwer herauszubekommen!). Dann heisst das, dass man als Frau immer damit rechnen muss,entweder zur Sozialhilfeempfängerin zu werden oder irgendwann für die lieben Kleinen allein aufkommen zu müssen.

Ich glaube, dass es viele Männer und Frauen gibt, mehr als man denkt, die gerne beides möchten: Beruf und Familie. Und ich glaube, dass dies auch mit anderen Betreuungsregelungen machbar wäre. Aber die sind darum nicht bezahlbar, weil die Steuereingänge fehlen. Und die Unternehmen, die von den besser ausgebildeteten Kindern später profitieren würden, wegen höherer Produktivität und besseren Lehrlingen, sind nicht bereit, in die Ausbildung dieser Kinder zu investieren. Darum suche sie sich selbst aus, wieviel Steuern sie bezahlen. Und hier in Deutschland fehlt auch das christliche Gewissen, das in Amerika teilweise die Unternehmer zu hohen Stiftungssummen animiert. So was wie Bill Gates da gemacht hat, würde hier kein zu Reichtum gekommener Unternehmer tun. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen , z. B. IBM oder den Bertelsmann-Konzern, die sehr viel in Bildung und Ausbildung investieren.

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Man darf auch nicht vergessen, dass Deutschland eines der am dichtest besidelsten Länder weltweit ist. Das Boot ist (mehr oder weniger) voll, auch ohne Ausländer. Zugegeben, keine schöne perspektive, aber unbestreitbar. Wenn nicht jetzt, dann in wenigen Generationen!
Zu glauben, man könne sich aus dem Rentendebakel kurz mal einfach so herausbumsen (sorry) hat nicht kapiert was für ein empfindliches Pflänzchen nachhaltige Familienpolitik überhaupt ist, für Gesellschaftspolitik im allgemeinen gilt das noch mehr.

Das stimmt! Und gerade in dem Bereich gibt es politisch eine Menge zu tun, und zwar für Frauen und Männerrechte. Männer brauchen ein verbrieftes Sorge- und Umgangsrecht für die Kinder, das in jedem Fall (ausser in absoluten Ausnahmefällen, also wenn dem Kind Gefahr für Laib und Leben droht, wenn es der Mann (das muss aber auch für die Frau gelten) zu sich nimmt. Und allgemein muss dafür gesorgt werden, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser geregelt wird, wie etwa in unseren Nachbarländern Frankreich und England. Beides keine sozialistischen Länder nach ihrem Selbstverständnis überigens, nur um das nochmal zu betonen.

Nach unserem Grundgesetz verpflichtet Eigentum. Eine Tatsache, die von vielen Grossunternehmern übersehen wird. Nennst Du die Bundesrepublik deswegen einen sozialistischen Staat, weil jeder, auch ein Unternehmer, eine gesellschaftliche Verantwortung hat? In früheren Zeiten haben das Unternehmer teilweise auch selbst so gesehen. Und es gibt auch Unternehmer, die das heute noch so sehen. Leider aber viel zu wenige.

Es grüsst freundlich
das Emmalein


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