Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Beruf, Kinder und Karriere

Garfield, Tuesday, 17.02.2004, 19:50 (vor 8024 Tagen) @ AJM

Als Antwort auf: Re: Beruf, Kinder und Karriere von AJM am 17. Februar 2004 17:17:40:

Hallo AJM!

Ja, heute geht es uns in puncto Arbeitszeit noch relativ gut. Es gab schon schlimmere Zeiten, da hast du zweifellos recht.

Ich finde nicht unbedingt, daß die heutigen Arbeitszeiten an sich unnatürlich sind. Nur ist es doch oft so organisiert, daß man zu einem ganz bestimmten, exakt festgelegten Zeitpunkt an seinem Arbeitsplatz erscheinen muß und auch erst zu einem ganz bestimmten, exakt festgelegten Zeitpunkt wieder gehen kann.

Das war in früheren Zeiten so gar nicht möglich, weil die Menschen keine so exakte Zeitmessung kannten wie wir heute. Die Menschen haben zwar nicht unbedingt weniger gearbeitet, oft sogar mehr als heute. Aber sie konnten ihre Arbeitszeit oftmals besser ihren momentanen Bedürfnissen anpassen. Weil sie eben nicht immer unter dem Druck standen, um exakt 8 Uhr auf der Arbeit erscheinen zu müssen und ansonsten womöglich eine Abmahnung zu bekommen.

Natürlich hat es in den letzten Jahrtausenden immer Menschen gegeben, die auch unter sehr fremdbestimmten Bedingungen arbeiten mußten. Aber die waren dann damit auch nicht sonderlich glücklich, und ihrer Gesundheit wird das genauso wenig genützt haben wie in heutigen Zeiten.

Ich finde es nicht unbedingt normal, mit 35 an einem Herzinfarkt zu sterben. Dieses Schicksal trifft vor allem Männer - weil es vor allem sie sind, die sich in den Tretmühlen des beruflichen Alltages abrackern müssen. Bis vor kurzem schob man das noch auf irgendeine spezielle männliche Veranlagung, aber seit man festgestellt hat, daß unter weiblichen Führungskräften die Herzinfarkt-Quote ebenfalls erhöht ist, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, daß der unnatürliche Streß des Berufslebens daran schuld ist.

Das ist ja auch der Grund, wieso viele Frauen so gern Hausfrauen sein möchten. Da können sie sich nämlich vieles weitgehend selbst einteilen. Da kann man morgens mal etwas länger im Bett liegen bleiben, wenn man schlecht geschlafen hat und morgens deshalb sehr müde ist. Da kann man tagsüber schon mal einfach einen Spaziergang machen, wenn einem danach ist.

Im Berufsleben geht das oft nicht so einfach. Da muß man immer ran, egal wie man sich gerade fühlt und wie man gerade drauf ist. Ich habe im Moment das Glück, auf Gleitzeit arbeiten zu können. Es gibt zwar auch eine Kernzeit, aber das interessiert kaum jemanden. Hier gab es mal einen Kollegen, der grundsätzlich nur nachts gearbeitet hat. Das war auch gar kein Problem.

Leider ist das aber nur selten so. Meine Partnerin beispielsweise hat offiziell auch Gleitzeit. Tatsächlich bringt ihr das aber so gut wie nichts. Es wird streng auf Einhaltung der Kernzeit geachtet, obendrein muß sie sich ständig mit einer Kollegin absprechen, wenn sie z.B. mal früher gehen möchte.

Früher habe ich mal in einer Fabrik gearbeitet. Die Arbeit war körperlich sehr anstrengend, und in der Hauptsaison wurde 48 Stunden pro Woche gearbeitet. Montag bis Donnerstag 10 Stunden und am Freitag dann nochmal 8. Am Freitag hatte ich dann immer starke Schmerzen in den Handgelenken. Manchmal, wenn es ganz dick kam, wurde zusätzlich noch am Sonnabend eine Sonderschicht eingelegt. Dann reichte der Sonntag nicht mehr aus, um die Handgelenke wieder zu regenerieren. Nach so einer 6-Tage-Woche dauerte es dann immer Wochen, bis die Schmerzen dann irgendwann an einem Wochenende wieder ganz verschwanden.

Wenn man solche Symptome hat, oder eben auch Herz- oder Kreislauf-Probleme durch zu hohen beruflichen Streß, dann ist das ein eindeutiges Zeichen dafür, daß die Arbeitsbedingungen absolut unnatürlich und dadurch eben so ungesund sind. Und da heute mehr Männer als Frauen davon betroffen sind, liegt die Lebenserwartung der Männer heute auch niedriger als die der Frauen.

Freundliche Grüße
von Garfield



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