Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Logisch....

Paul, Thursday, 28.10.2004, 19:30 (vor 7769 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Logisch.... von Max am 28. Oktober 2004 15:49:37:

Hi Max,

Du gehst offenbar davon aus, daß die zukünftigen Konsequenzen von Handlungen (oder auch Nicht-Handlungen) voraussehbar sind - und zwar über den unmittelbaren Rahmen hinaus. Das Problem ist nur, daß dies nicht funktioniert. Es ist ist fast immer nur retrospektiv einzuschätzen, ob eine Handlung "richtig" oder "falsch" war - abgesehen von Handlungen, die aufgrund ethischer Überlegungen als "richtig" oder "falsch" erkannt werden können. Wer sagt denn z.B., das ein Geburtenzuwachs wirklich sinnvoll ist? Vielleicht ist er dies gar nicht. Vielleicht werden sich aufgrund einer Entwicklung, die wir heute noch nicht vorhersehen können, gerade dejenigen Staaten(ich bleibe hier bei deinem Bezugssystem, obwohl ich ich die zukünftige Relevanz des Konzepts der Nationalstaaten anzweifle, siehe meine anderen Beitrag im Thread) einen gewaltiven evolutionären Vorteil haben, die eine sehr geringe Geburtenrate besitzen?

Was haben die Entstehung der Arten, die Marktwirtschaft, und die Enwicklung (freier) menschlicher Gesellschaften gemeinsam? Alles sind extrem efolgreiche Konzepte und alle entwickeln sich evolutionär. Bestandteil des zugrundliegenden "evolutionären Algorithmus" ist ZWINGEND die von dir vielgeschmähte Beliebigkeit. In der biologischen Evolution tritt diese Beliebigkeit in Form von zufälligen Mutationen auf, in der Marktwirtschaft in Form konträrer Markteinschätzungen (wobei sich ironischerweise oft gerade zum Zeitpunkt ihrers ersten Auftretens irrational erscheindenen Ideen als äusserst erfolgreich erweisen können!), innerhalb der Gesellschaft von divergierenden Wertvorstellungen.

Alle diese Prozesse haben auch noch etwas anderes gemeinsam: Sie sind NICHT zielgerichtet - jedenfalls nicht von einem "höheren", also objektiven oder "göttlichen" Standpunkt aus. Kein Lebewesen entstand im Hinblick auf seinen Einsatz als "Werkzeug" für irgendeinen Zweck, sondern nur nur als Resultat von Zufall und Umständen - also Mutation und Selektion. Die (Menschen)-Frauen existieren also nicht für den Zweck des Gebärens, weil kein Lebewesen für irgendeine Art von Zweck existiert - das würde nämlich dem gesamten Konzept der biologischen Evolution widersprechen (Susu kennt sich da sicher noch etwas besser aus - mal sehen, ob er sich in diesen Thread einschaltet). Es sollte uns zu denken geben, daß ausgerechnet die Prozesse, die "mindless", also bewusstlos und deshalb ohne jeglichen Lenkungsanspruch ablaufen, die erfolgreichsten überhaupt sind. Sie sind es genau deswegen, weil die Zukunft NICHT vorhersehbar ist und (vemutlich) niemals sein wird.

Jede Art von kollektivistischer Rechtfertigung müsste aber - da kollektive Auswirkungen niemals unmittelbare Auswirkungen von Handlungen sind, sondern komplexe Prozesse, die sich über längere Zeit erstecken - auf einer Prognose der Zukunft basieren. Wenn diese Zukunft aber nicht prognostizierbar ist, lässt sich auch niemals eine Einschränkung von individuellen Rechten mit dem Nutzen für ein/das Kollektiv rechtfertigen.

Gruss,
Paul


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