Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Dekadenz .../ und nochwas!

Paul, Thursday, 28.10.2004, 15:39 (vor 7769 Tagen) @ Guildo

Als Antwort auf: Re: Dekadenz .../ und nochwas! von Guildo am 28. Oktober 2004 11:23:24:

Hallo Max,
Das Problem wird sich sowieso auf natürliche Weise lösen:
Alle Völker, die sich diese verquollene Femi-Denke zu eigen machen, und in kollektiver Empörung erbeben, wenn jemand daran erinnert, dass Frauen ihre Gebärmutter nicht nur zur Zierde haben, werden früher oder später aussterben.
Wenn die letzte Emanze im Pflegeheim dahinsiecht, in Deutschland nur noch Türken und thailändisch-deutsche Mischlinge leben und der Ruf des Muezzin vom Hamburger Michel schallt, dann ernten wir das, was Alice Schwarzer, Valerie Solanis, Andrea Dworkin und ihre Gesinnungsgenossinnen zusammen mit ihren männlichen Mitläufern gesät haben.
Sollen sie doch quaken und zetern...
Einfach abwarten...
Nur wir erlebens halt nicht mehr!
Gruß vom Guildo -noch nicht ausgestorben-

Ich weiss nicht so recht. Das hört sich auf den ersten Blick ja einigermassen plausibel an, genauso wie Ruths Vergleich mit den Römern. Allein das Problem ist: Geschichte wiederholt sich zwar, aber eben nicht 1:1. Sondern immer in einer Variation, die die in der Zwischenzeit gemachten gesellschaftlichen/kulturellen Veränderungen wiederspiegelt.

Das Idee von "untergehenden Völkern" hat nur so lange irgendeinen Sinn, solange es überhaupt noch "Völker" - oder besser - "Nationalstaaten" in der heutigen Form gibt. Und ich habe so meine Zweifel, daß dies in Zukunft der Fall sein wird. Die Globalisierung ist im Prinzip ja nichts neues. Tatsächlich ist sie nur die bisher letzte Phase einer Entwicklung, in der sich kleinere Organisationseinheiten zu immer größeren zusammenballen - auf wirtschaftlicher, kultureller, und vor allem kommunikativer Ebene. (Wenn man noch ein paar Schritt zurückgeht, sogar auf biologischer Ebene). Menschen formten Familien, Familien formten Sippen oder Stämme. Schliesslich entwickelten sich Staaten, deren innerer Zusammenhalt aber vorerst relativ lose war. Sobald sich diese Staaten stabilisiert hatten, bildeten sich interstaatliche Bündnisse.

Mit der Entstehung und dem Aufstieg jeder "höheren" Organisationsform, verringerte sich aber die Bedeutung der jeweils untergeordneten Organisationsformen. Die Globalisierung ist nun der ultimative Schritt, der alle anderen Ordnungungsstrukturen - aber zuerst und vor allem die der Nationalstaaten - hinwegfegen und vereinnahmen könnte. Nationalstaaten verlieren ihre Existenzberechtigung, weil die Resourcen der Zukunft vor allem Know-How und Kapital sind, und für beides stellen Grenzen kaum ein Hindernis dar. Staaten existieren aber nur solange, solange sie irgendeine Art von Kontrolle ausüben können. Das werden sie in Zukunft aber vermutlich nicht mehr können. Schon jetzt gibt es Bestrebungen, private Währungssysteme zu etablieren, die der Kontrolle von Staaten vollkommen entzogen sind. Auch wenn diese noch unbedeutend und teilweise etwas dubios sind, ist dies eine Idee, die ein gewaltiges revolutionäres Potential hat, weil sich damit die Wirtschaft vollkommen von bestehenden staatlichen und interstaatlichen Begebenheiten und Kontrollen abkoppeln kann.

Man kann die Symptome all dieser Entwicklungen auch schon lange im täglichen Leben beobachten: Hierzulande greift das Werbe-Denglisch immer mehr um sich, während die Amerikaner es zunehmend schick finden, ihre Sprache mit Ausdrücken aus den europäischen Sprachen (vor allem Deutsch und Französisch) zu würzen. Die Sprachen beginnen zusammenzuwachsen.
Betrachte ich nur die Kleidung der Menschen, so wird es immer schwieriger, festzustellen ob ich mich gerade in New York, München, oder Hongkong aufhalte - Modetrends, Design und vor allem das ästhetische Empfinden der Menschen sind schon längst globalisiert.
Ganz zu Schweigen von den globalen Ketten und Franchise-Unternehmen. Ob McDonalds, Starbucks, Benetton - alle sind im Prinzip bereits schon überall.

Angesichts dieser Entwicklungen von aufstrebenden und untergehenden Völkern zu sprechen, erscheint schon sehr anachronistisch. Es ist viel wahrscheinlicher, daß das ganze Konzept der Nationalstaaten auf dem Müllhaufen der Geschichte landet. Ob dies positiv oder negativ zu werten ist, ist eine andere Frage.

Gruss,
Paul


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