Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Der Erfolg ist der Römer Untergang.

Ruth Teibold-Wagner, Thursday, 28.10.2004, 16:58 (vor 7769 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Der Erfolg ist der Römer Untergang. von Andreas am 28. Oktober 2004 12:28:59:

Deshalb: ES GING IHNEN ZU GUT! Der Erfolg ist der Römer Untergang.

Interessanter Vergleich! Darüber mußte ich auch schon mal nachdenken.

Die Idee wurde schon sehr oft kolportiert:
- Der Untergang des Abendlandes, verursacht durch Dekadenz, wie bei den alten Römern. -

So wie wir in der Natur den ewigen Zyklus von Kindheit, Jugend, Reife, Blüte und Tod als absolutes Gesetz alles Lebendigen erkennen können, so ist es auch mit Kulturen. Sie steigen auf, kommen zur Blüte, zur sogenannten "Hochkultur", geraten in den Alterungsprozeß und in den Niedergang, den "Verfall" (=Dekadenz), bis sie aus der Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes "verschwinden". Man kann, um das zu belegen, auf die großen Hochkulturen der Geschichte verweisen, auf die Ägypter, die Babylonier, die Griechen, die Römer, die Inkas, Mayas, die Khmer-Hochkultur in Kambodscha und viele andere mehr. Unserem Kulturkreis am nächsten liegt natürlich der welthistorische Aufstieg und Fall Roms.

Wenn wir uns die herrliche Blütezeit Europas und den derzeitigen, demographisch mit-bedingten ökonomischen Niedergang anschauen und gleichzeitig das Emporstreben "junger", "unverbrauchter", "hungriger" Völker, wie z.B. der Chinesen deutlich vor unseren Augen sehen, die Vitalität und Dynamik dieser Völker erleben, ja ERDULDEN müssen, mit der wir einfach nicht mehr mithalten KÖNNEN, dann bieten sich solche Parallelen wirklich an, sie liegen auf der Hand.

Ich glaube aber eigentlich nicht, daß es den Römern "zu gut" ging. Das traf vielleicht auf eine bestimmte Schicht zu, aber sicher nicht auf alle Römer. Der demographische Faktor war auch nicht unbedingt die ausschlaggebende Ursache, die zum Untergang des römischen Imperiums führte - angesichts der Tatsache, daß die römische Bevölkerung nur einen minimalen Prozentsatz der Reichsbevölkerung ausmachte. Da gab es sicher eine Vielzahl von Gründen: Uneinigkeit innerhalb der politischen und militärischen Führung, wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen mit katastrophalen Folgen. Truppenverbände, die nicht auf den Staat, sondern nur noch auf den jeweiligen Feldherren vereidigt wurden - um dessen persönlichen und kurzsichtigen Interessen zu dienen. Durch die Übergröße des Reiches war eine effiziente Verwaltung überhaupt nicht mehr möglich, was dann am Ende zu einer Verwaltungsteilung führte. Um Steuern zu sparen, wurde die Verwaltung von Reichsgebieten auf Pächter übertragen, die ihre Gebiete gnadenlos auspressten. Die Verres-Reden von Cicero dokumentieren hervorragend die Habsucht und Korruption auf höchster politischer Ebene. Mangelnde Reformbereitschaft war sicher auch ein Grund für den Zusammenbruch des Reiches.

Klasse, Deine Aufzählung.
Mir fällt noch ein, dass das römische Militär von einem Volksheer zu einer Berufsarmee umgestaltet wurde, und dass diese Berufsarmee sich im Laufe der Zeit immer mehr aus unterworfenen oder benachbarten Barbarenvölkern bis in die höchsten Offiziersränge hinein, rekrutierte. Ein berühmtes Beispiel ist natürlich Armin der Chrerusker, der als Germane, also ausländischer Barbar, sozusagen als "Gastarbeiter" römischer Offizier wurde und dann die Seiten wechselte, was für Rom katastrophale Konsequenzen hatte.

Rom räumte fremden Völkern, vor allem solchen, die in Bewegung waren ("Völkerwanderung") Siedlungsgebiete auf eigenem Territorium ein, weil die römische Führung glaubte, auf diese Weise Militärgrenzen, vor allem gegen Germanien und auf dem Balkan, durch loyale Bevölkerungen sicherer machen zu können, und weil sie meinte, durch solche Maßnahmen demographischen Druck von außen abmildern zu können. Auch christliches Mitleid hat, vor allem in der Schlußphase, bei diesen gefährlichen Entscheidungen mit Sicherheit mit eine Rolle gespielt.

Es gab in Rom eine aktive Bevölkerungspolitik, die über Geld und Privilegien versuchte, die Römer zum vermehrten Kinderkriegen zu animieren. Die Römer merkten genau, was passierte, und sie versuchten vergeblich gegen zu steuern, nämlich dass sie als Staatsvolk in einem Meer anderer Völker innerhalb eines ÜBERDEHNTEN IMPERIUMS (!) untergingen. (Übrigens ist genau das ein schwerwiegendes Argument gegen den Beitritt der Türkei.)

Sicher ist die Demographie nur eine von mehreren Ursachen für den Zusammenbruch des römischen Weltreiches. Das Christentum hat auch seine unrühmliche Rolle zum Zusammenbruch beigetragen.
Trotzdem ist die Demographie ein Faktor, wenn auch unter anderen.

Ich halte die Überdehnung für einen entscheidenden Grund. Die EU könnte an derselben Ursache zugrunde gehen - an ihrer schieren, nicht mehr organisierbaren Größe.

Trotzdem ist mir im Zusammenhang mit Deinem Beitrag etwas eingefallen: die Stellung der Familie. Der Aufstieg des römischen Reiches war verbunden mit einer starken Stellung der Familie innerhalb der Gesellschaft. Die Familie war alles. Sogar der römische Kaiserstaat wurde der Familie nachgeahmt: der römische Kaiser als pater familias der Reichsbevölkerung.
Mit dem Untergang des Reiches ging auch eine Auflösung des traditionellen Familienverbandes einher. Mich würde durchaus interessen, ob es da einen Zusammenhang gibt? Man könnte es auch in der Frage zusammenfassen, wie weit die Existenz und Gesundheit eines Staates abhängig ist von der Stellung der Familie innerhalb der Gesellschaft. Das könnte interessante Informationen hervorbringen.

Ich beantworte diese Frage mit eindeutigem Ja: Ja, ein Staat geht dann darnieder, wenn die Institution Familie niedergeht.

Gruß
Ruth


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