Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Mehr Geld bedeutet nicht mehr Sex

Ekki, Thursday, 02.09.2004, 22:12 (vor 7826 Tagen) @ Simon

Als Antwort auf: Re: Mehr Geld bedeutet nicht mehr Sex von Simon am 01. September 2004 16:28:49:

Nein, missionieren wollen die MonogamistInnen nie, nur alle, die sich für etwas anderes entschieden haben, psychologisieren, pathologisieren, als nicht ganz ersnstzunehmen behandeln und nebenbei ihr eigenes Lebensmodell als das einzig "warme" darstellen.

Hallo Simon!

Bei dieser Art der Missionierung geht es noch nicht einmal ausschließlich um Monogamie.

Sondern es geht um Familie als solche - und darunter verstehen diese Leute ausschließlich Familie mit Kindern.

Sieh Dir diesbezüglich mal folgende Seite an:

http://www.norbert-geis.de/ueberzeugungen/ehe.htm

Dort heißt es unter anderem knallhart:

"Kinderlose Ehen sind aufgrund der Entkoppelung von Ehe und Familie keine Familie."

Aber ich will man ein Beispiel aus meinem eigenen Leben bringen, um zu zeigen, wie weit die "Toleranz" gegenüber bewußt kinderlosen Menschen geht.

Meine Cousins sind beide Familienväter, der ältere hat schon 4 Kinder, der jüngere, der ziemlich spät (Ende 30) geheiratet hat, bisher eines.

Es ist nun einmal so, daß ich mit Kleinkindern nichts anfangen kann. Ich habe nicht die Gabe, mit Menschen umzugehen, die sich sprachlich noch so gut wie gar nicht artikulieren können. Und etwas Entzückendes finde ich an Kleinkindern schon gar nicht.

Ich bin weder willens noch auch nur imstande, das zu überspielen, und das wurde mir denn auch schon bei den vier Kindern meines älteren Cousins zum Vorwurf gemacht. Aber der wohnt weit von meiner Heimatstadt weg, weswegen ich ihn und seine Familie auf meinen sowieso seltenen "Heimaturlauben" kaum sehe.

Aber jetzt, bei dem Töchterchen meines jüngeren Cousins, kommt's ganz knüppeldick. Mein jüngerer Cousin wohnt nämlich wieder in unserer gemeinsamen Heimatstadt, so daß man sich bei meinen "Heimaturlauben" regelmäßig sieht.

Es spottet jeder Beschreibung, mit was für Tiraden ich seitens meines Vaters eingedeckt werde, der seinerseits die Gabe hat, mit Kleinkindern umzugehen.

Da wird nach jedem Besuch bei meinem jüngeren Vetter auf mich eingeredet, daß es erschreckend sei, wie ich mit Kleinkindern überhaupt nicht umgehen könne, daß mir da geradezu eine Dimension des Menschseins fehle, daß das ein widerlicher Charakterzug sei. Und dann kommen endlose rührselige Erzählungen darüber, wie meine Eltern mich als Kind geliebt hätten, ergänzt um nicht minder rührselige und nicht minder endlose Beobachtungen, die mein Vater an der Tochter meines Cousins macht - und ich sitze da und fühle mich, wenn auch auf andere Weise, genauso beschissen, wie wenn mein Vater mir als Kind Gardinenpredigten wegen meines seiner Meinung nach schlechten Benehmens hielt.

Gerade hat mein Vater wieder eine tolle Nummer abgezogen:

Meine Kolleginnen hatten mir ausgerichtet, daß mein Vater um Rückruf bitte. Nachdem das eigentliche Anliegen erledigt war, sagte er mir, mein Vetter seit mit meiner Familie da und er werde jetzt den Hörer der kleinen Tochter geben.

Das Kind ist keine 2 Jahre alt, kann gerade mal ein paar unvollständige Sätze sprechen, und ich soll jetzt darauf irgendetwas erwidern, bringe kaum mehr als "Ach ja, schön" heraus, das Kind schweigt in den Hörer, ich schweige in den Hörer, und es vergehen endlose Sekunden, bis mein Vater das Gespräch wieder Ansicht nimmt.

Nicht minder erschreckend ist das, was mein Vetter so über sein Familienleben erzählt. Erschreckend für mich - er selbst geht ganz im Familienleben auf.

U.a. hat er einmal gesagt, er und seine Frau könnten sich überhaupt nicht mehr vorstellen, was sie mal ohne Kind zusammen unternommen hätten.

Den Satz muß man sich wirklich mal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen! Und dann darüber nachdenken, wie wohl das Zusammenleben mit einer Frau aussähe, die sich knapp 2 Jahre nach der Geburt ihres Kindes nicht mehr daran erinnern kann, was sie mal ohne Kind mit dem Mann unternommen hat!

Wehe dem Mann, der in eine solche Situation reingerät und sie nicht so von ganzem Herzen annehmen kann, wie mein Vetter es tut!

Es wäre doch soch einfach, daß man nach dem Motto handelt: Bei Familientreffen sitzt ganz jung bei ganz jung, etwas älter bei etwas älter usw. Dann könnte ich mich angeregt mit Leuten meines Alters unterhalten.

Aber nein - die Mutter-Glucken drängen sich allen auf, alle haben gefälligst ihr Entzücken über ihr Kroppzeug zu teilen, sie unterbrechen hemmungslos jedes Gespräch, und wem das nicht paßt, der sieht sich zumindest strafenden Blicken ausgesetzt.

Das ist die Wärme der Familie - umfassende Infantilisierung von allen und allem.

Wahrlich - man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte (und das, obwohl auf Familienfeiern mit Großfamilien reichlich aufgefahren wird *lol*).

Ergänzend und abschließend empfehle ich Deiner Aufmerksamkeit noch folgendes Posting von mir samt Antworten:

http://f27.parsimony.net/forum66375/messages/2992.htm

Herzliche Grüße

Ekki


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