Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

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An alle Möchtegern-Therapeuten ;-)

Rüdiger, Monday, 03.01.2005, 22:27 (vor 7702 Tagen) @ ein weiterer Andreas

Als Antwort auf: Re: Und eine Therapie kommt für Dich nicht in Frage?! (oT) von ein weiterer Andreas am 03. Januar 2005 12:57:06:

Wenn jemand hier eine neuere Untersuchung vorweisen kann, die in die gegenläufige Richtugn weist, wäre ich sehr interessiert. Ich habe keine gefunden.

Bevor wir uns immer mehr in die Richtung sexuelle Präfenzen und wie sie zu beurteilen sind verlieren, möchte ich an den Ausgangspunkt und damit den Kontext der Diskussion erinnern. Dieser kommt immer mehr aus dem Blickfeld: Dieses OKW betreibt die kommerzielle Ausbeutung von Männer über deren Sexualität unter Begleitung einer männerverachtende Pseudo-Ideologie ("matriarchal monarchy", "The OWK is governed on the basic principle that the WOMAN is always, everywhere and in everything superior to the male creature" ...).

Hallo Leute,

ich bin echt überrascht und ein bißchen schockiert, was ich da für eine Lawine losgetreten habe. Noch habe ich nicht alles gelesen, aber so viel schon mal:

Also erstens Mal: Therapie mache ich natürlich KEINE, denn ich hab nicht das Gefühl, krank zu sein. (Nebenbei: Leute in der SM-Szene setzen sich seit Jahren dafür ein, daß die SM-Neigung von irgendeiner stark veralteten internationalen medizinischen "Liste von Störungen" entfernt wird).

Zweitens: Bitte genauer lesen! Seit 1999 habe ich mich verändert. Es käme mir heute nicht mehr in den Sinn, ins OWK zu fahren, auch wenn ich dort nicht auf Grund meiner kritischen Berichte "für Erziehungsaufenthalte gesperrt" worden wäre. Mir kam allmählich dieselbe Erkenntnis, die der Held von Sacher-Masochs "Venus im Pelz" am Schluß des Romans hatte: Es ist besser, Hammer denn Amboß zu sein. Meine devoten Eskapaden sind weitgehend Vergangenheit. Aber als Dominanter macht man sich ja genauso verdächtig? "Will der nicht Frauen unterdrücken?" Dazu:

Drittens: Arne zitiert oben Studien, wonach die SM-Neigung nichts mit dem Alltag zu tun habe. Das gilt für die meisten SMer, denen SM nichts als Spiel ist, ja vielleicht sogar bewußter "Ausgleichssport" für den Rollenstreß des Alltags (klischeehaftes Beispiel: Der Manager, der nach Feierabend vor der Domina kniet). - Es gibt aber durchaus auch Leute, für die ist SM mehr, geradezu Lebensphilosophie. "24/7" nennt man das: Dominanz und Unterordnung nicht nur im Schlafzimmer, sondern auch im Alltagsleben, gewissermaßen 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Das bedeutet natürlich nicht, daß pausenlos gepeitscht und gefesselt wird, aber es bedeutet, daß ein gewisses Verhältnis von Befehl und Gehorsam IMMER da ist, nicht nur beim Sex. Eine meiner Autorinnen lebt so - als "Ehesklavin" - vollkommen glücklich, ist halt "Hausfrauchen", wenn sie nicht gut genug kocht, kriegt sie was hintendrauf, und Mitbestimmung, wann und wo Sex stattfindet, hat sie ebenfalls keine. Wenn beide Beteiligten damit glücklich sind, ist das vollkommen in Ordnung. Und wenn halt einer gern den Hausmann mimt und sich "24/7" unterordnet unter seine Frau, dann ist das vollkommen in Ordnung, solange beide Beteiligten FREIWILLIG so leben wollen. Schlimm wird's nur, wenn jemand à la Hannibal devote Phantasien und Politik verrührt und alle Menschen, auch die Andersgesinnten, zwingen möchte, so zu leben.

Mißverständnisse wird es immer geben, gewollte und ungewollte. Eine Lektorin von mir, devote Frau, erzählte mal, sie habe einst bei der Frauenbewegung mitgemacht, sich aber davon verabschiedet, weil die nicht das geringste Verständnis für ihre (der Lektorin) sexuell devote Wünsche aufbrachten. Jemand wie Arne, dessen ältere SM-Stories in der Mehrzahl in die "Femdom"-Richtung weisen, muß damit leben, daß in Mayas einstigem Forum "Kalle" spottete, er, Arne, würde ja GERNE entführt und "behandelt" etc. pp. - Max hat ja wiederholt einmal launig bekundet, er fände das eheliche Züchtigungsrecht von anno dazumal gar nicht so schlecht, und es sei ihm schnurz, wie solche Äußerungen bei Freund und Feind ankämen. Also ich bin mittlerweile so weit, daß ich sage: Bewußt eine Steilvorlage liefern sollte man dem Gegner zwar nicht, aber sich immer nur diplomatisch winden und denken "Um Himmels Willen, was sollen die denken?" und sich ängstlich den Diskussionsstil vom Gegner vorschreiben lassen, das halte ich nicht für angebracht. Es gibt nun mal Masochisten, unter Maskulisten wie auch anderswo - wer da nicht differenzieren kann und will, der ist halt selber schuld; nur weil es vielleicht 2 Prozentpunkte Gewinn in der Beliebtheitsskala gibt, halte ich mit solchen differenzierungsbedürftigen Dingen nicht hinter dem Berg. Weil man sich dabei einfach zu sehr verbiegt. - Mittlerweile könnte ich mir (falls ich noch mehr Bücher verkaufe:-) ganz gut vorstellen, mit einer "Ehesklavin" zu leben, und die erwähnte Autorin redet mir auch immer gut zu, eifrig nach einer zu suchen :-) - da müßte ich mir dann wohl von Feministinnen den Vorwurf machen lassen, ich (und Teile der Männerbewegung) wollten die Frauen nur zurück an den Herd schicken, und Ferdi und Co. würden sagen, ich ließe mich als Alleinernährer ausbeuten etc. pp. - Was soll's. Allen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann - also versuch ich's schon gar nicht mehr ....

Viertens: Daß das im OWK 1999 hart werden würde, das wußte ich; aber daß es dermaßen extrem werden würde, das wußte ich nicht. Das alles ging weit über das als geil empfundene Maß hinaus (Sagt das OWK ja auch immer: Wir sind nicht zur Bedienung der Geilheit der Sklaven da - wir sind ECHT:-) Ich hatte auch gar nicht den Ehrgeiz, "Meister im Aushalten" werden zu wollen - aber als es nun so kam, empfand ich rückblickend doch eine gewisse Zufriedenheit, es wenigstens durchgestanden zu haben, so kritikwürdig der ganze Laden auch ist. (... ähnlich wie Marathonläufer rückblickend triumphieren, daß sie den "inneren Schweinehund überwunden" haben, auch wenn sie ab km 30 nur noch auf dem Zahnfleisch liefen - und das ist anscheinend auch bei trainierten Läufern so).

Fünftens: Das ganze matriarchale Gesülze ist doch nur Theaterdonner, Kulisse, ein potemkinsches Dorf. Anfangs war ich ja auch im Zweifel, aber seitdem ich die Hintergründe kenne, bin ich mir da ganz sicher. - Schau, ein Buch von mir heißt "Die Briefe der Lady S." Modell für das Titelbild stand eine in London amtierende sächsische Domina: www.jzara.com, glaube ich (vielleicht auch mit Bindestrich). Auf deren Website findet sich auch viel matriarchales Gesülze - das zweifellos ebensowenig echt gemeint ist. - Wie sehr - um der Geilheit der "Sklaven" wegen - die potemkinsche Fassade aufrechterhalten werden soll, sieht man ja auch daran, daß ich sofort gesperrt wurde, als ich im Forum "owk-slaves" mal die Wahrheit rausließ (daß nämlich alles nur Geschäft und Fassade ist). Selbst viele "Sklaven" ahnen die Wahrheit, wollen sich selbst aber das "Spiel" nicht versauen und legen halt vorübergehend Scheuklappen an ....

Sechstens: Selbst in einem ganz normalen Puff kostet eine volle Stunde oft schon 400,- DM, und an einem Nachmittag 1000 Mark loszuwerden ist keine große Kunst. Demgegenüber ist SM mit allem, was da an Gerätschaften, Klamotten und Wissen über oft nicht ungefährliche Praktiken nötig ist (oder im Falle der OWK-Dominas leider oft: nötig WÄRE), sogar vergleichsweise preiswert. - Ich weiß ja nicht, was die "Männer für besondere Stunden" ihrer weiblichen Klientel abknöpfen, aber ich vermute mal, wenig ist das auch nicht. Man kann auch nicht immer die Nutten selbst verantwortlich machen, scheinheilige Hausbesitzer, die Nutten das Zigfache der ansonsten üblichen Miete abknöpfen, sind ebenfalls mit daran schuld, daß diese Dienstleistungen leider, leider so teuer sind, wie sie nun mal sind. Da "Männerausbeutung" zu rufen, ist m. E. zu kurz gegriffen.

Gruß, Rüdiger


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