Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Und eine Therapie kommt für Dich nicht in Frage?! (oT)

Arne Hoffmann, Monday, 03.01.2005, 22:16 (vor 7702 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Und eine Therapie kommt für Dich nicht in Frage?! (oT) von Eugen Prinz am 03. Januar 2005 14:13:28:

Hallo Eugen,

ich habe mir schon gedacht, dass das Wörtchen "normal" zum Stolperstein würde. Das gilt ja als politisch unkorrekt.

Nö. Ich habe dich nur gefragt, wo du die Grenze ziehen willst. Was gilt noch als "normal", und was muss therapiert werden? Du beantwortest es ja schon selbst:

Ich ziehe keine Grenze, weil es nämlich keine gibt, nur fließende Übergänge. Habe ich was von Therapie gesagt?

Nein, Andreas hat das, und du hast dich gewundert, dass wir das kritisiert haben.

Ausgangspunkt für die Frage nach einer Therapie ist und bleibt der Leidensdruck der Betroffenen.

Eben. Wobei man auch da natürlich diskutieren kann. Wenn ein SMer unter seiner Neigung leidet, weil er immer wieder als seelisch gestört hingestellt wird, muss er dann wegen des daraus entstandenen Leidensdruckes in Therapie? Müsste das ein Homosexueller?

Um deine Beispiele aufzugreifen: Rüdiger kann sich nach seinem Erlebnis im OWK frei entschieden, ob er sowas noch mal durchmachen möchte oder nicht. Das kann jemand, der mit Heroin angefixt oder von einem Kannibalen gefrühstückt wurde, in der Regel nicht. Als Grenzziehung bei SM hat sich "safe, sane and consensual" etabliert. Rüdiger hat den Eindruck gewonnen, dass "safe" und "sane" beim OWK zu wünschen übrig lassen und sich deshalb mehrfach in verschiedenen Texten gegen diese Einrichtung geäußert.

Offensichtlich wurde er geschädigt - körperlich und finanziell. Das ist es, was mir nicht gefällt. Er wollte es so? Gut, dann verkaufe ich ab morgen Heroin. Der Kunde will es ja.

Ganz so einfach geht das nicht. Es ist ja sogar juristisch geregelt, dass man auch in Körperverletzungen einwilligen kann - beispielsweise als Profiboxer oder in vergleichbaren Sportarten. Du weißt, bevor du in den Boxring steigst, dass die Gefahr groß ist, dass du nicht nur austeilst, sondern heftig eins auf die Glocke bekommst. Trotzdem machen das manche Leute, weil sie es als Herausforderung empfinden. So wie Rüdiger im OWK.

Rüdiger hat hier eine ungewöhnliche sexuelle Praxis geschildert. Bitte schön. Ich finde es aber erstaunlich, dass Andreas´ Frage als ein persönlicher Angriff empfunden wird. Welch ungewohntes Zartgefühl in diesen heiligen Hallen.

Ach, du weißt doch, dass ich so furchtbar sensibel bin ...

Also da haben wir doch hier schon ganz andere Töne gelesen. Hast du dich aufgeregt, als ich von irgendwelchen Proleten angepöbelt wurde? Oder nimmst du nur Leute ihrer sexuellen Orientierung wegen in Schutz?

Eigentlich analysiere ich nicht vorher, wann ich mich äußere und wann nicht. Wenn du mich jetzt so fragst, fallen mir aus dem Stand einige Kriterien ein:
a) Ich muss halbwegs wissen, was thematisch überhaupt Sache ist, bevor ich mich irgendwo reinhänge.
b) Ich muss die Hoffnung haben, durch meine Einmischung irgendwas positiv verändern zu können.
c) Es muss mich gerade persönlich ärgern.
Alle drei Kategorien treffen bei deinem Dauerclinch mit Max und Co. nicht zu. Ich weiß nicht, wie er überhaupt konkret entstanden ist, weil ich in Maxens Forum noch unregelmäßiger lese als hier, ich glaube nicht, irgendwas erreichen zu können, und es geht mir ehrlich gesagt am Arsch vorbei. In das SM-Thema habe ich ein viel größeres emotionales Investment.

Nana, da hast du aber eine Brille auf! Noch nie gab es eine solche Bereitwilligkeit seine intimsten Details meterweit aus dem Fenster zu hängen. Man gilt schon fast als spießig, wenn man seine sexuellen Vorlieben nicht outet. Lesben und Schwule in der Politik - längst kein Hindernis mehr. Ich bin sehr froh darüber, dass es keine diesbezügliche Diskriminierung mehr gibt, aber...

Gibt es gegen SMer immer noch. Es werden immer noch aktuelle Fälle berichtet, wo Leute ihren Job verloren haben, weil ihre Neigung dazu bekannt wurde. Allerdings gehen diese News vor allem durch die SM-Szene und nicht durch die Nachrichten.

Da nehme ich nicht die Extremfälle zur Regel. Aber die Wahrheit liegt irgendwo, und sie liegt für jeden woanders. In meinem Bekanntenkreis zwei Todesfälle durch unglückliche Formen der Selbstbefriedigung.

Autosexuelle Todesfälle durch Atemkontrolle und vergleichbare Praktiken waren nicht gemeint, als behauptet wurde, Selbstbefriedigung sei schädlich. Da ging es um diese Beschäftigung an sich.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Schädlichkeit sexueller Praktiken, die du zitiert hast, die hänge ich mir aufs Klo, sofern sie auf saugfähigem Papier gedruckt sind.

Prima, dann kann ich über dieses Thema auch mit dem Papst diskutieren, wenn alle Forschungserkenntnisse dazu sowieso beiseitegewischt werden.

Herzliche Grüße

Arne


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