Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Und eine Therapie kommt für Dich nicht in Frage?! (oT)

Eugen Prinz, Monday, 03.01.2005, 16:13 (vor 7702 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Und eine Therapie kommt für Dich nicht in Frage?! (oT) von Arne Hoffmann am 03. Januar 2005 12:25:30:

Hallo Arne,

ich habe mir schon gedacht, dass das Wörtchen "normal" zum Stolperstein würde. Das gilt ja als politisch unkorrekt. Schlimm, schlimm. Die Außenseiter, die ich oft mehr schätze als die "Normalos", haben es weit gebracht. Nun ist es schon eine Diskriminierung, wenn sich einem bei Rüdigers Bericht die Haare sträuben.

Wie definierst du "normal", und wo ziehst du die Grenze? Sind beispielsweise Homo- und Transsexuelle noch normal oder gehören die auch in die Therapie?

Cool bleiben. Ich ziehe keine Grenze, weil es nämlich keine gibt, nur fließende Übergänge. Habe ich was von Therapie gesagt? Ausgangspunkt für die Frage nach einer Therapie ist und bleibt der Leidensdruck der Betroffenen.

Wenn ich bei allem, was mir persönlich ungewöhnlich oder nicht ganz koscher erscheint, Extremfälle als Beleg anführe, zeugt das nicht unbedingt von einer großen Bereitschaft zu differenzieren.

Rüdiger hat Extremfälle geschildert. Seine Schreie waren auf Platz 1 der Hitparade. Wenn das nichts heißen will...

Rüdiger teilt hier mit, wie er seine Sexualität ausübt. Weder schädigt er irgendjemanden...

Offensichtlich wurde er geschädigt - körperlich und finanziell. Das ist es, was mir nicht gefällt. Er wollte es so? Gut, dann verkaufe ich ab morgen Heroin. Der Kunde will es ja.

Diese Frauen dort sind nach Rüdigers Bericht so wenig Sado, wie ein Nutte geil ist. "Es fehlt die subtile Dominanz". Statt dessen wohl die Geldgier. Und wie schrecklich: Im Hintergrund irgendwelche Machos, die die Dominas womöglich ausbeuten...

Andreas III reagiert auf Rüdigers Schilderung mit einem hingerotzten persönlichen Angriff.

Rüdiger hat hier eine ungewöhnliche sexuelle Praxis geschildert. Bitte schön. Ich finde es aber erstaunlich, dass Andreas´ Frage als ein persönlicher Angriff empfunden wird. Welch ungewohntes Zartgefühl in diesen heiligen Hallen. Also da haben wir doch hier schon ganz andere Töne gelesen. Hast du dich aufgeregt, als ich von irgendwelchen Proleten angepöbelt wurde? Oder nimmst du nur Leute ihrer sexuellen Orientierung wegen in Schutz? Rüdiger ist nicht aufs Maul gefallen. Er wird wissen, was er antwortet.

Diese Ausgrenzungsmanöver sind es doch gerade, die dazu führen, dass die Diffamierung sexueller Minderheiten "funktioniert". Immer weniger Leute sind bereit, sich solchen Abwertungen auszusetzen...

Nana, da hast du aber eine Brille auf! Noch nie gab es eine solche Bereitwilligkeit seine intimsten Details meterweit aus dem Fenster zu hängen. Man gilt schon fast als spießig, wenn man seine sexuellen Vorlieben nicht outet. Lesben und Schwule in der Politik - längst kein Hindernis mehr. Ich bin sehr froh darüber, dass es keine diesbezügliche Diskriminierung mehr gibt, aber...

Weniger froh darüber bin ich, dass sie nun eher andersrum zu funktionieren scheint. Ich darf ja nicht mal mehr bemerken, dass jemand ... ist. (Hier eine beliebige sexuelle Orientierung, ein Glaubensbekenntnis, eine Behinderung, eine ethnische Zugehörigkeit, eine Hautfarbe einsetzen).

Nehmen wir mal als ein anderes Beispiel die Selbstbefriedigung. HEUTE wissen wir, dass gut über neunzig Prozent aller Männer dieser Beschäftigung zeitweise frönen oder gefrönt haben.

Tatsächlich? Diese kleinen Ferkel ;-) Ist aber ein unglückliches Beispiel. Früher hieß es: Onanie ist selbstverständlich schädlich. Heute heißt es: Sie ist selbstverständlich nicht schädlich. Beides ist falsch!

Wieso soll Selbstbefriedigung schädlich sein? Schon deswegen, weil behauptet wird, sie sei selbstverständlich nicht schädlich. Wer sowas behauptet, der kennt eben nicht den Kosmos der Sexualität, oder keinen auskunftsbereiten Urologen oder Pathologen.

Da nehme ich nicht die Extremfälle zur Regel. Aber die Wahrheit liegt irgendwo, und sie liegt für jeden woanders. In meinem Bekanntenkreis zwei Todesfälle durch unglückliche Formen der Selbstbefriedigung.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Schädlichkeit sexueller Praktiken, die du zitiert hast, die hänge ich mir aufs Klo, sofern sie auf saugfähigem Papier gedruckt sind.

Die Therapiefrage wurde hier gestellt, nicht weil Rüdiger Anzeichen machte, dass er mit seiner Sexualität nicht zurecht käme, sondern weil Andreas III mit Rüdigers Sexualität Probleme hat.

Das ist für mich nachvollziehbar (was etwas anderes als billigen ist). Wenn morgen hier jemand über seine kannibalistischen Experimente schreibt, dann hast du vielleicht auch Probleme damit. Wo ist die Grenze? Um auf deine Eingangsfrage zurückzukommen.

Aber schön, dass wir drüber geredet haben.

Einene herzlichen Gruß von Eugen


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