Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Bald ist Europawahl....

Garfield, Wednesday, 02.06.2004, 14:58 (vor 7919 Tagen) @ Don Pedro

Als Antwort auf: Re: Bald ist Europawahl.... von Don Pedro am 01. Juni 2004 19:32:36:

Hallo Pedro!

Das mit der Finanzierbarkeit von einem „Familiengehalt“ sehe ich etwas anders. Das Problem besteht darin, dass unsere Gesellschaft leider so organisiert ist, dass man für jede finanzielle Leistung eine Gegenleistung erbringen muß. In der Regel geschieht dies durch Arbeit.

Auch bei Arbeitslosengeld oder Rente ist das so. Dort wird die Gegenleistung im Voraus in Form von Beiträgen erbracht. Allerdings kann es hier schon passieren, dass jemand mehr herausbekommt als er eingezahlt hat – z.B. wenn er häufig arbeitslos ist oder wenn er ein sehr hohes Alter erreicht. Dann kann das nur ausgeglichen werden, indem mindestens ein anderer Mensch weniger herausbekommt, als er eingezahlt hat, z.B. wenn er nur kurz oder nie arbeitslos ist oder wenn er kurz vor dem Renteneintrittsalter oder kurz danach stirbt.

Es gibt aber auch jetzt bereits finanzielle Leistungen, für die keinerlei Gegenleistung erbracht werden muß. Dazu zählen z.B. Sozialhilfe und auch Kindergeld. Und das von dir gewünschte „Familiengehalt“ würde auch darunter fallen.

Da die Empfänger dieser Leistungen dafür effektiv keine Gegenleistungen erbringen, müssen diese Gelder von anderen erarbeitet werden. Je mehr man diese Leistungen ausdehnt, umso mehr müssen andere dafür arbeiten.

Nun wirst du sicher einwenden, dass Kinderbetreuung auch Arbeit ist. Das ist richtig – aber es ist keine Arbeit, die in unserem real existierenden System einen finanziellen Nutzen erbringt. Dieser finanzielle Nutzen ist in unserem System aber unbedingt erforderlich, um solche Leistungen zu finanzieren. Außerdem gibt es auch genügend Eltern, die zwar Kinder haben, sich den Streß mit Kinderbetreuung und –erziehung aber gern weitgehend ersparen und ihre Kinder verwahrlosen lassen. Die könnten solch ein „Familiengehalt“ aber auch auf Kosten anderer beziehen.

In einem anderen Beitrag hast du geschrieben, dass Kinder doch ein wesentlicher Wirtschaftfaktor wären, weil sie die Eltern zum Konsum zwingen würden. Und dass man durch solch ein „Familiengehalt“ so Arbeitsplätze schaffen könne.

Leider ist das eine Milchmädchenrechnung. Nach dieser Logik könnte ein Ladenbesitzer, dessen Geschäft schlecht läuft, das einfach ändern, indem er sich vor seinen Laden stellt und jedem Passanten 100 Euro schenkt, unter der Bedingung, dass der dann diese 100 Euro in seinem Laden ausgibt. So würde er seinen Umsatz mit Sicherheit steigern. Nur leider wäre er trotzdem sehr schnell pleite. Überlege mal, wieso. Dann wird dir nämlich auch klar werden, wieso so ein „Familiengehalt“ in unserer jetzigen Gesellschaft nicht finanzierbar ist.

Obendrein kann mit dieser Logik letztendlich jeder ein „Gehalt“ vom Staat beanspruchen. Autofahrer beispielsweise könnten sagen, dass sie ja durch ihren Benzinverbrauch die Konjunktur ankurbeln und obendrein über die Mineralölsteuer die Staatskasse füllen. Und dass sie als Gegenleistung dafür gern eine staatliche Prämie hätten, z.B. 10 Cent pro verbrauchten Liter Benzin. Vor allem Fahrer großer Luxusautos mit hohem Verbrauch könnten dann gut abkassieren. Auch Raucher oder Alkoholiker könnten mit demselben Recht dieselbe Forderung stellen...

Und was das Wahlrecht für Kinder angeht: Du schreibst ja selbst, daß ein Kind mit 6 Jahren noch gar nicht fähig ist, politische Entscheidungen zu treffen. Hältst du es für demokratisch, wenn jemand für eine andere Person eine Wahlstimme abgibt?

Freundliche Grüße
von Garfield


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