Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Bald ist Europawahl....

Garfield, Tuesday, 01.06.2004, 17:29 (vor 7920 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: Bald ist Europawahl.... von susu am 31. Mai 2004 09:34:29:

Hallo Susu!

"Verbindendes Element des Bolschewismus und des Nationalsozialismus war also die religionsfeindliche Ausrichtung und die Gottlosigkeit."

Hm, da hat Hohmann etwas falsch verstanden. Tatsächlich gab es sowohl im Nationalsozialismus als auch im Stalinismus so etwas wie Religion. Hitler z.B. war sehr wohl religiös. Er glaubte an einen Gott und an eine Vorsehung, und sich selbst sah er als eine Art Messias. Wie die meisten Diktatoren duldete er jedoch keine weiteren Mächte neben sich, und so waren ihm auch die christlichen Kirchen unangenehm. Die SS schuf sich ebenfalls so etwas wie eine Religion, inklusive Kulthandlungen. Man wollte die christlichen Religionen nicht einfach abschaffen, sondern sie durch die "nationalsozialistische Religion" ersetzen.

Bei Stalin war es so, daß er (wie auch andere Diktatoren im Ostblock) sich quasi selbst als Gott einsetzte und entsprechend verherrlichen ließ. Die Bibel wurde durch Werke von Marx, Engels, Lenin und (in einigen Ostblockländern) Mao ersetzt. Auf Grundlage dieser Werke wurden dann Dogmen geschaffen, die zur Basis allen Handelns wurden. Genau wie die katholische Kirche das im Mittelalter tat. Es gab dann auch in den Ostblockländern ganz ähnliche Diskussionen, wenn es darum ging, den politischen oder wirtschaftlichen Kurs mit diesen Dogmen in Einklang zu bringen. Da ging es manchmal zu wie auf einem Kirchenkonzil im Mittelalter.

Es liegt eben in der Natur des Menschen, an etwas zu glauben. Wer als Dikator erfolgreich sein und bleiben will, muß das beachten. Hitler beispielsweise war von Anfang an sehr bewußt, daß er die breite Masse nicht durch logische Argumentation für sich gewinnen konnte, sondern vor allem durch eingängige Parolen, durch Mimik, Gestik, Tonfall usw. Er übte das alles vor dem Spiegel und indem er sich bei diesen Übungen auch fotografieren ließ; er ließ sich von Experten beraten und tat auch sonst viel dafür, um die Menschen auf der unbewußten Ebene zu beeinflussen. Z.B. indem er häufig Musik-Kapellen aufmarschieren ließ, abends Märsche mit Fackeln und tagsüber Märsche mit vielen Fahnen und Standarten veranstalten ließ usw. Er hat es immer weitgehend vermieden, der NSDAP ein klares, fest definiertes Programm zu geben, sondern er wollte eine Art Religion schaffen, an die die Menschen blind glaubten. Das ist ihm dann ja auch bei vielen Menschen gelungen.

So gesehen werden Hohmanns Aussagen sogar noch gefährlicher, denn sie legen die Auffassung nahe, daß Glauben und Religion immer positiv wären. So ist das aber eben nicht - man kann sehr wohl auch Glauben und Religion negativ einsetzen, was ja auch mit den christlichen Religionen über Jahrhunderte hinweg getan wurde.

Freundliche Grüße
von Garfield


gesamter Thread:

 

powered by my little forum