Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Prioritäten zu setzen bedeutet nicht, Tabus zu schaffen

Arne Hoffmann, Tuesday, 25.05.2004, 14:34 (vor 7927 Tagen) @ Der Eman(n)ze

Als Antwort auf: Prioritäten zu setzen bedeutet nicht, Tabus zu schaffen von Der Eman(n)ze am 24. Mai 2004 23:34:04:

Speziell bei diesem Vergewaltigungsthema befindet man sich in einem Teufelskreis: Gerade WEIL es so selten ist, kämpfen die wenigen Opfer mit einem Glaubwürdigkeitsproblem. Das heißt aber noch lange nicht, daß man das Thema jetzt zur Speerspitze der Männerbewegung machen muß.

Wie gesagt, da sind wir uns ja einig: Als Speerspitzen-Thema ist dieses sicher ungeeignet, zumal ja in der Sexualwissenschaft ohnehin erst erste Forschungsansätze bestehen und nicht über hundert Studien wie bei der häuslichen Gewalt. Deshalb wird das Thema bei mir auch immer unter "ferner liefen" behandelt. Unser erster Ansprechpartner wäre hier auch nicht die Öffentlichkeit, sondern der akademische Bereich, damit überhaupt mal verstärkt die _Frage_ nach der Häufigkeit solcher Taten gestellt wird. Wir haben erste Zahlen vorliegen, aber gerade weil diese Taten so sehr gegen den scheinbaren "gesunden Menschenverstand" gehen, bräuchten wir eine bessere Datenlage zur Unterfütterung.
Ich schätze, dass dort wie in vielen anderen Feldern mal wieder erst die US-amerikanische Sexualwissenschaft den Vorreiter spielen muss. Die deutsche trottet dann ein oder zwei Jahrzehnte später hinterher. Und wenn man hierzulande die US-Zahlen vorlegt, fangen garantiert sofort welche an zu tönen, wir seien hier schließlich in Deutschland, das sei eine gaaaanz andere Kultur, und Ami-Zahlen würden hier sowieso nicht zählen. Exakt wie bei der häuslichen Gewalt. Wenn es um das Aufbrechen der gängigen Klischees vom Täter Mann und Opfer Frau geht, wird mit allen denkbaren "Argumenten" gemauert wie irre. Und in der Zwischenzeit gibt es immer wieder neue Opfer, um die sich keiner kümmert, weil sie keiner sehen will.

Opfern von Nischenproblemen kann auch geholfen werden, indem man das Spezialthema einem breiteren Themenkomplex (z.B. "weibliche Täter und männliche Opfer") zuordnet, und in diesem breiten Rahmen dann auf eine öffentlichkeitswirksame Sensibilisierung hinarbeitet, so daß indirekt auch männl. Frauen-Vergewaltigungsopfer davon profitieren.

Yep.

All diese Themen haben gemeinsam, daß sie auf bei weitem akutere Probleme zurückgreifen als das Problem "männliche Vergewaltigungsopfer durch Frauen"

Aber genau das ist doch strittig. Bei männlichen Opfern häuslicher Gewalt und sexuell missbrauchten Jungen hieß es doch anfangs auch: "Pfft, sowas Abstruses hab ich ja noch nie gehört ... Frauen sind da die einzigen Opfer, das ist doch ganz klar." Ist in der Berichterstattung etwa der "Emma" ja auch heute noch so.

Herzlicher Gruß

Arne


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