Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Wie wärs mit ner neuen Brille auf der Nase....?

Norbert, Friday, 16.04.2004, 17:34 (vor 7966 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Wie wärs mit ner neuen Brille auf der Nase....? von Garfield am 16. April 2004 13:11:18:

Hi Garfield

Problematisch ist allerdings auch, daß der Staat natürlich Sozialkosten sparen will, und daß man auch Frauen mit Kindern nur ungern in die Arbeitslosenstatistik aufnimmt. Für den Staat ist es viel bequemer, diese Kosten auf die Ex-Partner abzuwälzen und die alleinerziehenden geschiedenen Frauen dann schön aus der Arbeitslosenstatistik rauszurechnen.

Ich habe heute mit einer Kollegin gesprochen.
Diese war letztens auf einer Hochzeitsfeier, auf der sie mit einer Fachanwältin für Familienrecht geprochen hat.
Diese meinte, dass sie in ihrer Tätigkeit nur Sozialfälle schaffe, da unter den geltenden Bedingungen schon die Gehälter aus gut verdienenden Berufen für die Lebenshaltungskosten zweier Haushalte nicht ausreichen würden.

Ein trauriges Fazit.
Ich würde bei so einer Bewertung meiner Tätigkeit vermutlich depressiv werden.

Man sollte deshalb nicht ganz vergessen:
Nicht nur die Frau mit den Kindern, sondern auch der Mann werden in der Regel zum Sozialhilfefall.
Die Thematik einer Zweitehe verschärft die ganze Sache nur noch mehr.

und dann wird man dieses Problem durch weitere finanzielle Belastungen von kinderlosen Menschen zu lösen versuchen, um diese dann eben dazu zu zwingen, Kinder in die Welt zu setzen. Natürlich werden sie das nicht tun, sondern entweder die zusätzlichen Belastungen zähneknirschend ertragen oder aber auswandern.

Hier kommt es auf die Fragestellung an.
Es ist inzwischen so, das die Familien mit Kindern finanziell überlastet wurden.
Es wurde/wird die Ehe subventioniert, egal ob Kinder vorhanden sind oder nicht.
Es ist aber nicht einzusehen, dass Doppelverdiener steuerlich besser gestellt werden als Geschiedene, nur weil sie (noch) verheiratet sind.

Sobald Kinder da sind, so leisten die Eltern schon dadurch einen Beitrag zum Erhalt unserer Gesellschaft.

Früher war es mal die Regel, das Ehe=Kinder bedeutete.
Somit war das Ehegattensplitting eine Form der Familienförderung.
Die Politik hat ignoriert, dass dieses schon lange nicht mehr zutrifft.
So lange kinderlose Ehen die Ausnahme bildeten, konnte man diese Ausnahmen akzeptieren, und an dieser Form der Förderung teilhaben lassen.
Dieses aber weiterhin zu tun, obwohl der Anteil der Ehen mit Kindern nicht mehr den überwältigenden Löwenanteil ausmacht, ist nun aber nicht einzusehen.

Die größte Schieflage entsteht nun noch, indem der Unterhaltspflichtige, wie ein Single besteuert wird, aber trotzdem faktisch weiter die gesamte Familie ernähren muß, und dass bei deutlich höherem Aufwand.
D.h. mit weniger Geld müssen nun zwei Haushalte auskommen.
Viele Kosten sind schon dadurch verdoppelt, da sie sich nicht nach Personenzahlen, sondern fixen Gebühren orientieren.
Diese Schieflage ist rechtlich eigentlich unhaltbar.

Natürlich gibt es Menschen, die nicht willentlich kinderlos bleiben.
Diese tun mir deswegen leid. Aber sie sollten trotzdem nicht besser gestellt werden, wie Menschen die tatsächlich Kinder aufziehen.
Ich sehe dieses auch nicht als Strafe an, denn dafür kann der Staat dann nichts, und überprüfen, ob dieses nun willentlich oder unwillentlich so ist, geht im Endeffekt auch nicht.

Dass es problematisch ist, bei den vielen Arten der Lebensgemeinschaften, hier eine richtige Lösung zu fnden, kein Zweifel.
Aber hier muß angesetzt werden.
Eine einfache Lösung ware z.B. die steuerliche Eingruppierung nach der Zahl der zu alimentierenden Personen.

Zwar wurden die Kindergeldbeträge kräftig erhöht, doch wurden dafür im Gegenzug die Kinderfreibeträge reduziert bzw. abgeschafft.
Eine Mogelrechnung also.

Ein Unterhaltspflichtiger kann zwar den nachehelichen Ehegattenunterhalt steuerlich geltend machen. Der Unterhalt für die Kinder ist aber seine 'Privatsache'.
Wobei klar herauszustellen ist: der Ehegattenunterhalt stellt den größten Betrag dar, sofern kein Mangelfall vorliegt.

Wenn wir unsere werten Politiker nicht massiv auf die Probleme draufstoßen, werden die sich keinen Millimeter rühren und den bisherigen Schwachsinn unbeirrt weiter führen. Die sehen und denken nämlich nur bis zu ihrer Nasenspitze, was sie uns seit Jahrzehnten immer wieder beweisen.

Leider nur zu wahr.
Leider aber nicht ganz hinreichend.
Denn etlichen Unsinn, gerade im Unterhaltsrecht, haben Richter zu verantworten.
Diesbezüglich drängt sich mir immer mal wieder der Begriff 'furchtbare Juristen' auf.
Wie ich schon in einem anderen Posting geschrieben habe, auch da setzt langsam eine Nachdenklichkeit ein.

Insofern stellt die heutige Familienministerin in Berlin eine wesentliche, wenn auch noch nicht hinreichende, Verbesserung zu den früheren Vorgängern dar. Inklusive derjenigen aus den Kohl-Kabinetten.
Waren im übrigen nicht nur Frauen.

Freundliche Grüße
von Garfield

Gruß
Norbert


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