Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: das klassische Mißverständnis

Garfield, Monday, 12.01.2004, 15:56 (vor 8060 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: das klassische Mißverständnis von susu am 09. Januar 2004 18:32:50:

Hallo Susu!

"Wobei wir hier kurz einharken und die Frage stellen: Wie definiert die US-Army Mann und Frau? Und wovon hängen diese Unterschiede letzten Endes ab: Hormonspiegel, XX vs XY, SYR, Gonaden, primäre Geschlechtsmerkmale (na dvon eher nicht)..."

Ach Susu... So kann man nicht argumentieren. Nehmen wir mal an, jemand will nachweisen, daß ein Tier Farben sehen kann und läßt es dafür zwischen verschiedenfarbigen Gegenständen unterschieden, wobei die Gegenstände auf Graustufen-Aufnahmen farblich identisch aussehen. Am Ende stellt er fest, daß das Tier die Farben unterscheiden kann oder auch nicht. Dann könnte man natürlich auch darauf bestehen, daß er in seinen Veröffentlichungen dazu lang und breit darauf eingeht, wie die Farben dieser Gegenstände eigentlich zusammen gemischt waren. Schließlich muß ja jedes Experiment nachvollziehbar sein. Und dazu muß man ja wissen, aus wieviel Blau und wieviel Gelb eigentlich das Grün bestand, und ob das Blau echtes Blau war oder vielleicht mit Gelb oder Rot gemischt...

So läßt sich natürlich so ziemlich alles zerpflücken, und am Ende diskutiert man dann nicht mehr über die Sehfähigkeiten dieses Tieres, sondern nur noch über Farben.

Man kann Menschen in den allermeisten Fällen sehr gut allein schon anhand äußerer Merkmale in Männer und Frauen unterteilen. Ja, es gibt da Ausnahmen, aber sie sind eher selten. Greife dir beliebig viele Menschen in einer Fußgängerzone raus, entscheide bei jedem, ob er männlich oder weiblich ist und frage diesen Menschen dann, ob er oder sie mit dieser Einteilung einverstanden ist. Du wirst das sehr lange tun müssen, um mal jemanden zu finden, der mit deiner Einordnung nicht einverstanden ist.

Nicht jeder Mensch, der irgendeine Abweichung von der jeweiligen geschlechtsspezifischen Norm hat (tatsächlich dürften die allermeisten Menschen solche Abweichungen aufweisen), kann deshalb dem jeweiligen Geschlecht nicht zugeordnet werden.

Es gibt immer wieder auch Fehlentwicklungen in der Natur, und auch aus diesem Grunde sind auch schon immer Tierarten ausgestorben. Es ist dann aber immer so, daß diese Fehlentwicklungen ursprünglich mal einen Sinn hatten. Dieser Sinn kann z.B. durch Änderung der Lebensumstände verloren gehen. Es kann auch vorkommen, daß es beispielsweise durch starke natürliche Radioaktivität eine erhöhte Anzahl von Mutationen gibt, die dann nicht immer positiv wirken.

Manchmal ist es auch so, daß eine Modifikation zwar Vorteile, andererseits aber auch Nachteile hat. Das scheint beispielsweise bei schwarzen Panthern so zu sein. Nachts sind sie durch ihre schwarze Farbe besser getarnt. Trotzdem setzt sich die schwarze Farbe nicht allgemein durch. Das liegt möglicherweise daran, daß die Artgenossen mit gelbem Fell und schwarzen Punkten tagsüber besser getarnt sind. So halten sich Vor- und Nachteile beider Farb-Varianten jeweils die Waage, mit dem Ergebnis, daß sich keine absolut durchsetzt und immer wieder Tiere beider Varianten geboren werden.

Auch wir Menschen schleppen einige heute unnötige Relikte aus der Vergangenheit mit uns herum. Beispielsweise die Weisheitszähne, den Blinddarm oder den Schwanzansatz am Ende der Wirbelsäule. Obwohl vor allem der Blinddarm doch ein hohes Infektionsrisiko darstellt. Aber das zeigt eben, wie hartnäckig manches ist, was sich über Millionen Jahre hinweg herausgebildet hat.

"Wenn Frauen auf große starke Männer fliegen, ist das mit Sicherheit nicht genetisch. Sexual Selection ist eher mit Kübelböck poppen zu wollen: Wenn das bis zur Geschlechtsreife gekommen ist, muß da doch irgenwas dran sein..."

Das funktioniert so aber beim Menschen nicht. Bei Menschen ist es nämlich schon sehr lange so, daß Kinder relativ lange von den Eltern versorgt werden. So ist es für Kinder keine allzu große Kunst, die ersten Lebensjahre zu überstehen. Ganz egal, ob sie gute oder eher schlechte Erbanlagen haben. Höchstens ein schwaches Immunsystem kann da bei Erkrankungen fatal wirken. Geringe Körperkraft hat aber einen Jungen nie daran gehindert, normal aufzuwachsen.

Wenn er dann aber mit zur Jagd und auch mit in den Krieg zog, dann war geringe Körperkraft definitiv ein Nachteil. Es war also nicht nur die sexuelle Auslese, die da wirkte. Aber es war eben immer auch so, daß Frauen große und kräftige Männer bevorzugten. Weil sie eben vermeiden wollten, daß der Vater ihrer Kinder plötzlich von Jagd oder Krieg nicht mehr heimkommt und sie dann allein mit den Kindern dastehen.

Früher könnten das noch rein bewußte Entscheidungen gewesen sein. Heute aber nicht mehr. Denn heute gehen Männer hierzulande kaum noch auf die Jagd, und wenn sie es doch tun, dann nicht, um sich und ihre Familie damit zu ernähren. Und von Kriegen sind wir momentan auch nicht direkt betroffen. Trotzdem wollen die meisten Frauen weiterhin Männer, die groß und kräftig sind.

Diese Vorlieben sind definitiv nicht nur von der Gesellschaft anerzogen. Die Mehrheit der Frauen hat sich beispielsweise durch Filme, in denen Extrem-Bodybuilder wie Arnold Schwarzenegger mitspielten, kaum beeinflussen lassen. Umgekehrt haben sich auch die meisten Männer durch Pornos, in denen Frauen mit fußballgroßen Silikonbrüsten mitspielten, nicht beeinflussen lassen.

Interessanterweise wirken solche Beispiele von unnatürlichem Körperkult in den Medien immer vor allem auf Menschen desselben Geschlechts. Es gibt Männer, die unbedingt aussehen wollen wie Schwarzenegger in seinen besten Zeiten. Und es gibt Frauen, die sich die Brüste nach dem Vorbild von Dolly Buster extrem vergrößern lassen. Menschen des anderen Geschlechts finden so etwas aber oft gar nicht erotisch.

Daran sieht man deutlich, daß eine Beeinflussung durch die Medien zwar da ist, sich aber auf die Partnerwahl nur begrenzt auswirkt. Weil sowohl extreme Muskelprotze als auch Frauen mit fußballgroßen Brüsten unnatürlich wirken und deshalb dem instinktiven Schönheitsideal widersprechen.

Bei sehr schlanken Models ist das ein wenig anders. Auch da merkt man häufig, daß Frauen diesen Schlankheitswahn eher übernehmen als Männer. Aber teilweise lassen sich auch Männer davon beeinflussen. Das liegt wohl daran, daß sehr schlanke Frauen mit langen, dünnen Beinen einen instinktiv festgelegten Schlüsselreiz bei Männern auslösen. Wenn nämlich ein Mädchen in die Pubertät kommt, also dann auch geschlechtsreif wird, dann wachsen zuerst ihre Beine. Das war früher wichtig, damit die Kinder bei langen Märschen problemlos mit den Erwachsenen mithalten konnten. Zum Tragen waren sie dann ja schon zu schwer. Für Männer war das aber auch ein Zeichen dafür, daß dieses Mädchen nun eine Frau wird und somit für die Partnerwahl zur Verfügung steht.

Interessant ist auch, daß sich manche Schönheitsideale zwar im Laufe der Geschichte immer wieder änderten - andere Ideale blieben aber immer gleich. Sie wurden und werden zeitweise vielleicht mal durch anerzogene Ideale überlagert, aber sie sind niemals ausgerottet worden. So haben eben z.B. Frauen zu allen Zeiten immer große und kräftige Männer als Partner bevorzugt. Das tun sie noch heute, obwohl es mittlerweile keinen wirklichen Grund mehr dafür gibt.

Zur Amazonensage: Es gibt dafür keinen wirklichen Beweis. Interessant ist auch, daß die Amazonen häufig ganz unterschiedlich beschrieben wurden. Das weist darauf hin, daß es vor allem Sagengestalten waren. Wie viele andere Sagen auch, hatte diese Geschichte vielleicht mal einen wahren Kern. Vielleicht war es mal bei einem Volk so, daß sehr viele Männer z.B. bei einem Kriegszug getötet wurden, so daß dann die Frauen ihre Aufgaben, also eben auch Jagd und Krieg zeitweilig übernehmen mußten.

Man hat zwar Gräber von Frauen mit Waffen gefunden und auch Gräber von Männern mit Kindern. Aber das wird von den meisten Historikern nicht als Beweise für die Existenz der Amazonen betrachtet. Es dürfte bei vielen Völkern so gewesen sein, daß auch Frauen jagten und in Notfällen auch die Männer bei der Abwehr von Feinden unterstützten. Und wenn ein Mann zusammen mit einem Kind beerdigt wurde, beweist das lediglich, daß er zusammen mit diesem Kind gestorben ist, z.B. durch eine ansteckende Krankheit oder bei einem Überfall.

Es ist wohl klar und logisch, daß ein Volk, das so lebt, wie es den Amazonen nachgesagt wurde, sehr große Probleme mit der Fortpflanzung bekommt. Es ist nicht gerade effektiv, nur zum Zweck der Fortpflanzung immer wieder Kriegszüge starten zu müssen. Zumal Frauen Männern nun einmal körperlich unterlegen sind, was bei der damaligen Waffentechnik eine sehr große Rolle spielte. Selbst mit Distanz-Waffen wie Speeren oder Pfeil und Bogen war man mit größerer Körperkraft klar im Vorteil. Wenn die Amazonen sich durch Vergewaltigung von Männern vermehrt hätten, wären sie sehr bald ausgestorben. Entweder weil ihre Nachbarvölker sie in Grund und Boden gemetzelt hätten oder aber weil sie einfach zu wenig Nachwuchs hatten. Tatsächlich haben sie auch keine Spuren hinterlassen, was darauf hindeutet, daß sie - wenn sie denn wirklich existiert haben - niemals so eine große Rolle gespielt haben können, wie in manchen Sagen behauptet wird.

Meiner Meinung nach kommt in dieser Sage vor allem der offenbar schon sehr alte Wunsch der Männer nach gleichwertigen Partnerinnen zum Ausdruck, die alles mit ihnen teilen, also eben auch Kriegszüge.

"Andererseits: Hast du das Gefühl, du müstest loslaufen und irgendwas/wen erwürgen? So Jagdtriebmäßig siehts da nicht so toll aus..."

Nein, das Gefühl habe ich üblicherweise nicht. Das führe ich darauf zurück, daß ich, wenn ich Hunger habe, in den nächsten Supermarkt gehen und mir so die Jagd ersparen kann. Menschen waren ja auch niemals reine Fleischfresser. Sie waren da immer flexibel, konnten sich also auch durch Sammeln ernähren. Zeitweise haben unsere Vorfahren offenbar auch als Aasfresser gelebt.

Selbst reine Raubtiere neigen instinktiv dazu, immer den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und für die Jagd nur soviel zu tun wie gerade nötig ist. Sie suchen immer die schwächsten Beutetiere aus, damit sie die wenigste Energie verbrauchen und das geringste Risiko eingehen. Sie jagen auch nur, wenn sie Hunger haben. Alles andere wäre unlogisch und würde ihnen nur schaden. Natürlich könnte ein Tiger einfach alles niedermetzeln, was er erwischen kann. Ganz egal, ob er die viele Beute überhaupt fressen kann oder nicht. Aber wenn dann in seinem Revier massenweise Kadaver herum liegen würden, würde das auch andere Raubtiere anlocken, die ihm dann vielleicht gefährlich werden könnten. Und vor allem wäre sein Revier dann bald leer. Er würde dann mangels Beutetieren hungern, müßte sich ein neues Revier erkämpfen und dafür hohe Risiken eingehen.

So ist es klar und logisch, daß auch bei Menschen der Jagdtrieb nicht ständig auftritt, zumal Menschen sich ja eben auch niemals nur durch die Jagd ernährt haben.

Wenn Menschen sich dagegen von anderen Menschen angegriffen fühlen, können sie sehr wohl gewalttätig werden. Zuweilen prügeln sich sogar Autofahrer, nur weil einer den anderen vielleicht mal riskant überholt hat. Übrigens hat man festgestellt, daß solche Aggressionen unter Autofahrern weit häufiger auftreten als beispielsweise unter Fußgängern oder Radfahrern. Das hat wohl mehrere Gründe, aber einer davon scheint zu sein, daß Autofahrer im Auto nicht so deutlich zu erkennen sind. Wenn ein Fußgänger einen anderen anrempelt, wird der Rempler sich meist entschuldigen und dann auch mit Mimik und Gestik zum Ausdruck bringen, daß es ihm leid tut. Das wirkt dann instinktiv beruhigend. (Auch Affen benutzen übrigens solche Signale.) Bei Autofahrern sieht man das nicht so deutlich. Man sieht vielleicht eine Handbewegung, kann die aber nicht immer richtig deuten. Die Mimik erkennt man meist gar nicht. Da fühlt man sich dann rein instinktiv ungerecht behandelt und so baut sich dann eher Aggressionspotenzial auf.

Sicher hat auch die Gesellschaft Einfluß darauf, daß viele Menschen heute vor Gewaltanwendung zurück scheuen. Weil man halt Strafen zu befürchten hat. Aber da steckt eben doch noch mehr dahinter.

Freundliche Grüße
von Garfield



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