Re: David
Als Antwort auf: Re: David von Nick am 30. Januar 2005 04:11:42:
Alle Gynäkologen,<<
Fast alle. Ich denke mal, daß zumindest ein Teil der Gynäkologen nicht nur erstere Definition kennt.
die meisten Biologen<<
Es ist sehr schwer als Biologe diese Sätze zu unterschreiben. Die Tatsache das einige Väter Mütter sind, hat Konsequenzen für fast alle Bereiche der Biologie, einschließlich ihrer Applikationen, weil über die mtDNA Aussagen über die Mutationsrate gemacht werden. Das wiederum ist ein sehr zentraler Punkt. Um mal ein Anwendungsbeispiel zu geben: Vaterschaftstests. Bei der Annahme, daß keine Väter mitochondriale Mütter sind, ergibt sich eine deutlich höhere Mutationsrate für das Genom insgesamt. Damit erhöht sich die Chance für falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse dramatisch. Statt: "Mit 99% Wahrscheinlichkeit..." müste da dann stehen: "Ja, so 50/50".
und(!) alle Schwarzwaldomas der Welt sind sich übereinstimmend in folgenden drei Sätzen einig:
(1) Jeder Mensch ohne Ausnahme hat genau einen Vater und genau eine Mutter. Davon gibt es nicht eine Ausnahme, zu keiner Zeit, an keinem Ort.
(2) Jeder Mensch wurde von seinem eigenen, einen Vater gezeugt und von seiner einen Mutter geboren. Auch davon gibt es nicht eine Ausnahme.
(3) Niemals wurde ein Mensch von seiner Mutter gezeugt und von seinem Vater geboren. Auch davon gibt es nicht eine Ausnahme.
Daß das Gegenteil einfachster Tatsachen immer eine "neue Idee" ist, ist zwar zutreffend (einfach deshalb, weil normalerweise nicht besonders viele Leute auf den Gedanken kommen, einfache Tatsachen zu bestreiten). Indes haben eben nicht alle "neuen Ideen" das gleiche Schicksal. Daß speziell diese Art "neue Idee" von mehr als einer sehr geringen Zahl von Menschen dauerhaft für wahr gehalten wird, ist absolut unzutreffend. Der Grund dafür liegt in ihrer krassen Nichtübereinstimmung mit den einfachsten Tatsachen.<<
Die von mir genannte Tatsache ist längst keine "neue Idee" mehr. Mitte der 80er erstmals beschrieben, wurde die These getestet (immerhin warf sie damalige Abschätzungen der Mutationsrate über den Haufen) und ist sehr gut belegt. Heute geht es darum so genau wie möglich zu messen wieviel gut 10% sind. 11,35% ? 10,98% ?
Daß gar einmal, wie von dir vorhergesagt wurde, eine Mehrheit von Menschen von sich behaupten kann, ihre eigene Existenz sei ein Beleg der Gültigkeit jener "neuen Idee", ja, daß sie so etwas sogar "schon immer gesagt habe", ist sowohl dann ausgeschlossen, wenn die Sätze (1)-(3) Gültigkeit besitzen, als auch dann, wenn sie keine Gültigkeit besitzen. Im ersten Fall, weil sie gültig sind. Im zweiten Fall, weil es dann keine Menschen gibt, die irgendetwas über sich aussagen könnten, da Menschen nunmal nur unter der Bedingung der Gültigkeit der Sätze (1)-(3) gezeugt und geboren werden können.<<
Dir ist schon klar, daß du hier unzulässigerweise beide Definitionen gleichsetzt, oder? Biologische Geschlechtsdefinitionen sind wie beim Spiel Teekesselchen.
- Mein Teekesselchen ist ein Schokoriegel
- Mein Teekesselchen ist ein Planet
Natürlich ist es völlig wiedersinnig zu behaupten die Cassini-Sonde sei auf einem Schokoriegel gelandet, oder jemand habe den 4. Planeten verspeißt. Aber mein zentraler Punkt ist, daß diese Definitionen nicht identisch sind. Das beides immer noch Geschlecht, bzw. in dem Fall Vater und Mutter heißt, auch nachdem sich herausgestellt hat, daß damit nicht das gleiche gemeint ist, hat historische Gründe. Genau wie Atome nicht umbenannt wurden, nachdem sich herausstellte, daß es noch kleinere Teilchen gibt. Warum sollte ein Fachbereich alle Veröffentlichungen umschreiben müssen, die auf der Fachinternen Definition beruhen, nur weil sich dieser Begriff als inkonsistent mit einem gleichlautenden in einem anderen Fachbereich herausstellt. Physiker und Informationstheoretiker kommen auch ganz gut mit der Doppelbelegung von Entrophie zurecht (und da ist der Gegensatz schlimmer, bei den Physikern nimmt die in einem System enthaltene Information zu bei steigender Entropie, bei den Informationstheoretikern nimmt sie ab).
P.S.: Man kann aus der Tatsache, daß Wahrheit sich manchmal zunächst verrückt anhört, nicht schlußfolgern, daß alles, was sich verrückt anhört, deshalb wahr sein muß. Das darfst du bei deinem Bildungsroman nicht vergessen zu erwähnen.<<
Dem stimme ich durchaus zu. Nur ist das keineswegs meine Argumentation. Ich begründe damit lediglich, daß eine Reaktion, die allein darauf beruht, eine Aussage für verrückt zu halten, nicht stichhaltig ist.
P.P.S.: Das Schlimme an speziell dieser "neuen Idee" ist, daß sie ganz real zur Grundlage weitreichender politischer Entscheidungen gemacht wird, Entscheidungen, die sich gegen die Mehrheit der Menschen richtet und ihnen ihr Leben ruiniert. Deshalb ist das alles leider weit mehr, als bloß ein Streit um Kaisers Bart. Man faßt es zwar nicht, daß sowas möglich ist, aber es ist trotzdem so. Nicht nur mutest du uns allen den schieren Irrsinn zu, sondern die Politik mutet uns allen eine darauf gründende "Neuerfindung" des menschlichen Zusammenlebens zu - natürlich ohne uns groß zu fragen, ob wir das überhaupt wollen.
Das letzte ist der wichtige Punkt an dieser abgedrehten Debatte.<<
Das ist so wunderschön inkonkret. Welche Entscheidungen der Politik gründen auf Populationsgenetik? Auf welche Art und Weise ruiniert ein wissenschaftlicher Diskurs, der von politischen Entscheidungsträgern nicht mal rezipiert wird das Leben der Mehrheit der Menschen?
Meiner Ansicht nach sind eher Loop-Quantengravitation, Phykologie und Strukturgeologie dafür verantwortlich zu machen, daß die Menschheit gegenwärtig durch ein Trauental geht.
susu
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- WIE US SEXUALWISSENSCHAFTLER J. MONEY DEN GENDER-BEGRIFF BEGRÜNDETE (lang) -
Konfuzius,
29.01.2005, 09:07
- Die Würde des Menschen ist unantastbar ... - Sven, 29.01.2005, 11:26
- Re: WIE US SEXUALWISSENSCHAFTLER J. MONEY DEN GENDER-BEGRIFF BEGRÜNDETE (lang) -
susu,
29.01.2005, 15:32
- Re: WIE US SEXUALWISSENSCHAFTLER J. MONEY DEN GENDER-BEGRIFF BEGRÜNDETE (lang) -
Konfuzius,
29.01.2005, 17:51
- David -
susu,
29.01.2005, 19:22
- Re: David -
Scipio Africanus,
29.01.2005, 19:38
- Re: David -
susu,
29.01.2005, 21:02
- Re: David -
Scipio Africanus,
29.01.2005, 21:57
- Re: David -
susu,
29.01.2005, 22:54
- Re: David -
Scipio Africanus,
29.01.2005, 23:31
- Re: David -
susu,
30.01.2005, 00:53
- Re: David - Scipio Africanus, 30.01.2005, 01:19
- Re: David -
Paul,
30.01.2005, 01:36
- Re: David - Scipio Africanus, 30.01.2005, 01:59
- Re: David -
susu,
30.01.2005, 04:56
- Re: David -
Nick,
30.01.2005, 06:11
- Re: David - susu, 30.01.2005, 08:01
- Völlige Zustimmung, Nick! (nT) - Rüdiger, 30.01.2005, 20:19
- Re: David -
Nick,
30.01.2005, 06:11
- Re: David - noname, 30.01.2005, 13:05
- Re: David - Nikos, 30.01.2005, 16:23
- Re: David - Rüdiger, 30.01.2005, 01:09
- Re: David -
susu,
30.01.2005, 00:53
- Re: David -
Scipio Africanus,
29.01.2005, 23:31
- Re: David -
susu,
29.01.2005, 22:54
- Re: David -
Scipio Africanus,
29.01.2005, 21:57
- Re: David -
susu,
29.01.2005, 21:02
- Re: David -
Scipio Africanus,
29.01.2005, 19:38
- David -
susu,
29.01.2005, 19:22
- Re: WIE US SEXUALWISSENSCHAFTLER J. MONEY DEN GENDER-BEGRIFF BEGRÜNDETE (lang) -
Konfuzius,
29.01.2005, 17:51