Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus

Emmalein, Monday, 29.03.2004, 13:18 (vor 7984 Tagen) @ Jonathan

Als Antwort auf: Re: Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus von Jonathan am 26. März 2004 19:40:51:

Hi, Jo,

bis Diskurse über Frauen wirklich an die Öffentlichkeit kamen, war es noch ein viel längerer Weg. Die ersten Versuche einer Art von Frauenbewegung gab es bereits zur Zeit der französischen Revolution. Die Dame, die sie anstiften wollte, landete auf dem Schaffott von Robbespierre.

Dann gab es zu Beginn der Industrialisierung einen neuen Versuch, im Zusammenhang mit dem Problem der neu aufkeimenden Arbeiterschaft. Da gab es dann ein bürgerliches und ein radikales Lager.

Dann gab es einen erneuten Schub in den 70ern des 20. Jahrhunderts.

Wenn also die Männerbewegung es innerhalb von ca. 20 Jahren schafft, in den öffentlichen Diskurs zu kommen, muss man sagen, dass sie es wohl vermutlich leichter haben, ihre Anliegen vorzutragen. Das könnte an folgenden Punkten liegen:

1. Dem institutionellen Punkt ,dass dennoch noch immer Männer an den hauptverantwortlichen Stellen sitzen. Ich traue der These nicht so recht, dass diese Menschen gar keinen bis nur geringen Einfluss haben. Die Hälfte aler potentiellen Zuschauer und Leser sind Männer. Die Hälfte aller Konsumenten sind Männer. Als Gruppe können Männer den Konzernen nicht egal sein.

2. Den Punkt, dass die feministische Perspektive langsam "langweilig" wird, eine andere hat eben noch mehr Neuigkeits- und Unterhaltungswert. Neues zu bringen, das wollen sowohl Medien als auch die Wissenschaft.

3. Der Geschlechterdiskurs ist mittlerweile gesellschaftlich etabliert. Somit hat die Gesellschaft insgesamt einen sensibleren Blick auf Geschlechterthemen als früher. Deswegen wird das Ganze auch eher aufgegriffen.

Freu Dich also, dass die Männerbewegung nicht so viel Geduld brauchte wie die Frauenbewegung.

Die feministischen Ideen sind, wie ich schon sagte, eben schon sehr alt. Dass sie sich oft heute als diskursdominierend erweisen, liegt vielleicht an dem langen Weg, den sie schon hinter sich haben.

Aber ich stimme nicht mit Dir überein, dass es keine Strukturen gibt, die Frauen nicht benachteiligen könnten. Vor allem unsere Arbeitswelt ist so strukturiert, dass sie dem Modell "Hausfrau" und "Vollverdiener" entspricht. Diese Struktur wird auch politisch stark durch Steuervorteile, Regelungen im Schulsystem und Arbeitsrecht unterstützt.

Frauen und viele Männer auch streben heute aber sehr oft andere Modelle an. Diesen Modellen werden diese Strukturen in keinster Weise gerecht. Frauen wollen heute Berufstätigkeit und Kinder. Und das wird ihnen künstlich schwer gemacht, schwerer als beispielsweise in vielen europäischen Nachbarländern, die andere Strukturen haben.

Eine private Entscheidung für das Hausfrauenmodell kann also durchaus wegen politischer Begünstigung erfolgen. Vor allem für Männer hat dieses Modell eher Vorteile (bis auf solche, die eben gerne auch zugunsten der Kinder zurückstecken möchten oder solche, die sich eine gleichberechtigtere Partnerschaft wünschen, in der beide zum Einkommen auch mit Kindern beitragen). Für Frauen hat es samt und sonders hauptsächlich Nachteile, wenn sie sich mehr als Einzelwesen sehen (bis auf die stärkere Selbstbestimmung im Arbeitsbereich), denn sie haben kein eigenes Geld zur Verfügung, sondern nur Haushaltsgeld und im Rahmen der Rente werden sie auch benachteiligt gegenüber vollzeit berufstätigen Frauen.

Bei diesem Test weiss ich nicht, ob es dieselben Streitigkeiten mit unterschiedlichen Rollen waren. Dann könnte man sagen, dass Frauen einen Sympathiebonus haben, anders weiss man nicht, ob die Argumente der Frau nicht tatsächlich sympatischer gehalten waren, vom Sprachstil oder von der Argumentationslinie.

Ein Vergöleich von Feminismus und Maskulismus ist in meinen Augen nicht unmöglich. Denn sie haben eine Gemeinsamkeit: Den einseitigen Lobbyismus zugunsten einer Geschlechtergruppe. Und daraus resultieren teilweise andere Gemeinsamkeiten, wie etwa ein verengter Blick auf Dinge, die die Lobby-Geschlechter-Gruppe benachteiligen.

Es grüsst freundlich
das Emmalein


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