Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus

Emmalein, Friday, 26.03.2004, 00:10 (vor 7987 Tagen) @ Texaco

Als Antwort auf: Re: Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus von Texaco am 25. März 2004 19:55:48:

Nach diesem intellektuellem Kraftakt, Emmalein, sieh dir einmal zwei deiner Aussagen an:

1. [...]Mit einer solchen Einseitigkeit übersieht er natürlich wichtige Punkte, [...]wie etwa die Armut von Alleinerziehenden oder die Tatsache, dass es in der Bundesrepublik immer noch höchst problematisch ist, Kind und Beruf zu vereinbaren.
5. Probleme [...]mit Vereinbarkeit von Kind und Beruf, werden [...]auf die private Ebene verschoben. Dabei liegt es gerade an den öffentlichen Strukturen, dass diese beiden Dinge so schlecht vereinbar sind.

Und jetzt erklär mir bitte, ganz sachlich, Emmalein, was meinst du mit damit, die "öffentlichen Strukturen" seien ursächlich dafür, daß Kind und Beruf so schlecht zu vereinbaren seien? Die Ursache ist doch wohl dies: Beides kostet Aufmerksamkeit, und man kann nur eins von beiden zur selben Zeit tun. Das ist übrigens mit fast allen Dingen so.

HI,

es gibt Länder, in denen Berufstätigkeit und Kinder sehr viel besser miteinander vereinbar sind als in Deutschland. Das ist beispielsweise in Frankreich der Fall, wo Kinder bereits mit drei Jahren pflichtmässig die Ecole Maternelle besuchen und eine Betreuung der Kinder von 9 bis 5 Uhr garantiert ist. Den französischen Kindern scheint es nicht zu schaden, im Gegenteil, die Pisa-Ergebnisse in Frankreich sind besser als in Deutschland. Und die Französinnen bekommen auch ohne Einrechnung der Maghrebins mehr Kinder als die deutschen Frauen. Woran das liegt? An anderen Strukturen des Bildungssystems.

Fast ganz Europa hat die Ganztagsschule. Ganz Europa`? Nein, ein Land, das schon seit langem einem Mutterkult sondergleichen nachhängt, nicht: Deutschland. Und prompt gerät es bildungsmässig ins Hintertreffen.

Die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten brauchen nicht auf die private Ebene verschoben zu werden - sie sind ein privates Problem. Nur scheinst du zu glauben, vom Staat verlangen zu können, daß er es für dich löst. Wie kommst du darauf? Wieso sollte für dein Kind jemand anderns Geld, für das er hart gearbeitet hat, als Steuer konfisziert werden? Sind deine Mitbürger deine Teilzeitsklaven?

Nein, aber auch in Frankreich sieht die Lehrerinnen in den Ecoles Maternelles niemand als Teilzeitsklaven oder Teilzeitsklavinnen. Die Franzosen haben erkannt:Mehr Kinder bedeutet mehr Zukunft. Das wird noch dauern, bis das hier in D anerkannt wird.

Für die gesamte Gesellschaft bedeuten mehr KInder mehr Zukunft. Kinder sind nur ein privates Problem wenn sie kosten. Die Kosten werden vor allem zuungunsten der Mütter privatisiert, die Erträge- gut ausgebildetete Steuer- und Rentenzahler - vergesellschaftet. Verständlich, dass da viele Frauen nicht mehr mitspielen.

Wie kommst du darauf, du hättest solche Ansprüche gegenüber deinen Mitbürgern? Darin drückt sich doch genau die Mentalität aus, die man Frauen zum Vorwurf macht: Der Staat soll der Ersatzehemann sein. Und vom Ehemann könne eine Frau schließlich erwarten, daß er ihre Probleme löst!
Apropos: Wo ist er denn hin, der Ehemann?

Auf Ehemänner kann man als Hilfe für die Betreuung nicht bauen. Das ist ein bittere Erkenntnis, die aus allen Studien hervorgeht. Männer stecken beruflich nicht zurück, wenn ein Kind da ist. Und MÄnner machen auch kaum mehr Hausarbeit.

Wo ist eigentlich die Einsicht geblieben, daß es gerade wegen des Problems, nicht zwei Dinge gleichzeitig tun zu können, für eine Familie nun einmal zwei und nicht eine Erwachsene braucht? (Schon allein aus praktischen Gründen - von den psychischen fange ich gar nicht erst an.)

Das ist Blödsinn.

Übrigens: Auch in intakten Familien kennt man das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Kindern. Und siehe da: Auch Männer beschäftigen sich sehr wohl damit. Vielleicht ist dir in diesem Forum schon einmal die Initiative "Väter gegen länger" untergekommen?

Die Väter gegen länger möchten sich gern mehr mit den Kindern beschäftigen. Das löst aber das Betreuungsproblem eben wegen der Strukturen, die einen Mann als Vollzeitarbeitenden vorsehen, leider nicht wirklich.

Allerdings: Väter tragen die Hauptlast des Familieneinkommens. Wenn es nicht langt, machen sie Überstunden. Mit ihren Überstunden können sie dann ja die Gehaltseinbußen ausgleichen, die ihnen durch die Steuererhöhungen entstehen werden, mit denen dann dein Kita-Platz finanziert wird.
Die Alternative wäre, daß er es selbst für einen Kita-Platz für seine eigenen Kinder ausgibt, damit seine Frau auch arbeiten kann. Wenn sie dann auch verdient, könnte er seine Überstunden wieder zurückfahren. Aber wie viele Ehefrauen wollen das wirklich? Und wie viele schaffen dann so viel Kohle nach Hause, daß es sich gegenüber der bezahlten Kinderbetreuung rechnet? Das hängt von den Frauen ab, nicht von den Männern.

Und davon, wie viel die Frau in dem betreffenden Job verdient. Und viele typische Frauenjobs sind schlecht bezahlt, schlechter als typische Männerjobs.

Wenn ein Paar aber weiß, was es will, ist diese Alternative fair und machbar.

Dass ich nicht lache! Ich kenne verdammt viele Frauen, die wahnsinnig gern wider arbeiten würden und bei denen es aufgrund der Strukturen nicht funktioniert, trotz einigermassen intakter Partnerschaft.

Es gibt dabei nur eine, eine einzige Verliererin: Die alleinerziehende Mutter, die zwar ein Kind, aber keinen Mann will, und die ihre Kinderbetreuungskosten auf andere Leute abwälzen will, um ungestört Karriere zu machen.

Alleinerziehend kann frau oder man durch die verschiedensten Dinge werden: Durch Partner, die einen betrügen, was man nicht länger hinnehmen will, durch Partner, die schlagen, was man nicht länger hinnehmen will, durch Partner, von denen man sich völlig entfremdet hat, sogar durch Partner, die gestorben sind.

Es grüsst mit dem Wissen, dass alles nicht so einfach ist
das Emmalein


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