Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus

Emmalein, Thursday, 25.03.2004, 17:04 (vor 7988 Tagen)

Hi, Ihrs,

wie Ihr wisst, bin ich eine Kritikerin des Maskulismus. Mir wurde ja nun gesagt, von vielfacher Seite, dass man sich wünscht, dass ich meine Kritikpunkte mal zusammengefasst äussere.

1. Wie der Feminismus ist der Maskulismus ein einseitiger Lobbyismus zugunsten von Männern. Mit einer solchen Einseitigkeit übersieht er natürlich wichtige Punkte, die nicht für seine Theesen sprechen oder versucht diese zu relativieren, wie etwa die Armut von Alleinerziehenden oder die Tatsache, dass es in der Bundesrepublik immer noch höchst problematisch ist, Kind und Beruf zu vereinbaren.

2. Der Maskulismus geht von einem ominös regierenden Feminismus aus. Ich frage mich, wo der regiert? Proffessoren, Minister, Regierungschefs und Konzernchefs sind zum Grossteil männlich. Würde ein Feminismus das nicht verändern und dafür sorgen, dass es diese Dinge nicht mehr gibt? Wenn er das nicht schafft, wo ist dann seine Macht, mit der er angeblich regiert?

3. Viele maskulistische Positionen klingen sehr danach, als ob nur Frauen Böses tun könnten und Männer nicht. Frauen und Männer können beide Böses tun. Männer sind nicht immer unschuldige Opfer, Frauen nicht immer böse Täter. Die umgekehrte Sache bemängele ich auch beim Feminismus; es ist eben ein einseitiges Menschenbild, das auf beiden Seiten propagiert wird.

4. Gesetze und Regeln, die in einer Gesellschaft existieren, werden vom Maskulismus einseitig danach untersucht, ob MÄnner diskriminiert werden oder nicht. Kindeswohl ist nur in zweiter Linie wichtig. Das Wohl aller anderen Menschen auch. Das ist dasselbe was ich am Feminismus kritisiere.

5. Probleme, die betreuuende Menschen haben mit Vereinbarkeit von Kind und Beruf,werden hier nicht ernst genommen, sondern auf die private Ebene verschoben. Dabei liegt es gerade an den öffentlichen Strukturen, dass diese beiden Dinge so schlecht vereinbar sind. Dadurch wird, wie es der Feminismus formuliert hat und wo ich ihm recht gebe, das Private politisch.

6. Der Umgang mit Kritik, selbst wenn sie sachlich ist, erfolgt oft nicht sachlich, sondern in Form von Diffarmierungen und Diskriminierungen. Eine Bewegung, die für sich in Anspruch nimmt, gegen Diffarmierung und Diskriminierung zu kämpfen, sollte so nicht arbeiten.

7. Vorurteile und Aggressionen aus den letzten Jahrhundeten werden beim Maskulismus wieder aufs Parkett geholt. A la: Frauen können nicht autofahren, Frauen bemühen sich nicht um eine gute Kindererziehung, Frauen sind als Hausfrauen faul, als Karrierefrauen egoistisch und Frauen können nichts aus eigener Kraft erreichen.

8. Es wird indirekt ein Frauenbild propagiert, das folgender Massen aussieht: Frauen manipulieren Männer, beuten sie aus, behandeln ihre Kinder nicht gut, sind extrem materialistisch und machen sich auf Kosten anderer ein schönes Leben.

Das umgekehrte Männerbild wird propagiert: Männer werden immer nur ausgebeutet, manipuliert, sind altruistisch, machen nie Fehler und haben alles Schreckliche in der Welt nur den Frauen zu verdanken, deren Opfer sie sind.

(Dasselbe kritisiere ich auch beim Feminismus, der sagt, dass Frauen immer die Guten sind, die nie Böses tun, und Männer aggressive, potentielle Vergewaltiger und miese Dreckskerle).

Ein solches Bild entspricht mit Sicherheit nicht der Realität.

Punkte, die der Maskulismus meiner Ansicht nach zu Recht anprangert, sind:

1. Das Sorgerechtsproblem
2. Das Problem von einseitiger Verpflichtung zu Wehr- und Zivildienst
3. Die mangelhafte Beteiligung von Männern im Früherziehungswesen

Es grüsst grundsätzlich
das Emmalein


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