Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Patriarchat contra feministische Weltverschwörung

Der Eman(n)ze, Friday, 26.03.2004, 12:16 (vor 7987 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus von Emmalein am 26. März 2004 08:40:31:

Du beklagst, daß desöfteren hier eine "feministische Weltverschwörung" konstruiert wird. Zu recht, wenn Du die Kritiken an real vorhandenen Ungereimtheiten so interpretierst.

Vielleicht arbeitet man hier (wie anderswo) gelegentlich aber auch nur mit einer unzulässigen begrifflichen Vereinfachung? Wenn man "den Feminismus" durch "opfer-feministischen Zeitgeist" ersetzt, wird doch vieles viel klarer, oder?

Beim Lesen Deiner Texte habe ich übrigens auch manchmal den Eindruck, daß Du wieder einmal das vielzitierte Patriarchat® beschwörst ;-)
Gerade, wenn Du altgediente Scheinargumente wie "in Führungspositionen sitzen viel weniger Frauen", "in den Parteispitzen sind viel zu viele Männer", "Männerunterdrückung kann es demzufolge gar nicht geben" (welch brilliante Schlußfolgerung ;-), und nicht zu vergessen "Frauen verdienen weniger als Männer*" (Suggestivaussage, weil falsch formuliert und ohne Kontext) bringst, unterscheidest Du Dich eigentlich nur durch die Polarisierung von den von Dir kritisierten Feminat-Beschwörern.

*richtig muß diese Aussage lauten "Frauen gehen häufiger Arbeitsverhältnisse ein, aus denen aufgrund ihrer Qualifikation, aufgrund der Arbeitszeitmodelle (Teilzeit!) oder branchenbedingt (Handel!) ein geringeres Einkommen resultiert."
"Frauen gehen ein" habe ich hervorgehoben, um zu verdeutlichen, daß nicht das vielzitierte Patriarchat® sie zu einer solchen Lebensweise zwingt. Frauen sind aktiv, sie können ihr Leben selbst bestimmen.

So, nun möchte ich noch einige Hinweise sammeln, um Dir deutlich zu machen, was hier mit "opfer-feministischen Zeitgeist" gemeint ist. Gleichzeitig verweise ich aber noch einmal auf Jonathans Text, wo er begründet, warum es Unsinn ist, aufgrund der geschlechtlichen Sitzverteilung z.B. im Bundestag ("nur XX%Frauen") auf eine geschlechtliche Diskriminierung der Bevölkerung zu schließen. Mehr noch: Daraus abzuleiten, daß es Männerbenachteiligung - ganz gleich in welcher Sparte - es deshalb gar nicht geben könne.

die Hinweise kommen jetzt in loser Folge, nicht sortiert nach Priorität:

-Mädchen werden einseitig gefördert durch den Girls'Day. Einen vergleichbaren Boys'Day gibt es nicht. Sind Mädchen wirklich explizit förderungsbedürftig? (->Ergebnis von PISA Jungen/Mädchen)

-an einigen Orten gibt es explizit ausgewiesene Mädchenspielplätze. Sind Jungen weniger schutzbedürftig? BZW., sind sie weniger wert?

-speziell für Mädchen gibt es Selbstverteidigungskurse, im selben Atemzug wird jegliche Gewalt "der Jungen" angeprangert. Ist es für Mädchen aufgrund ihres Geschlechts legitim, Gewalt auszuüben? Dürfen Jungen aufgrund ihres Geschlechts gar keine Gewalt ausüben?

-in Fernsehen, Film und Werbung wird ein Bild von Mann in der Gesellschaft gezeichnet, das ihn als Trottel, Macho, Schurken, Versager oder Lüstling darstellt. Nicht mal der Hauch eines Widerspruchs aufgrund dieser sexistischen Diskreditierungen ist zu verspüren. Wenn jedoch z.B. bei einer Plakataktion nur leichtbekleidete Damen zu sehen sind, ist der Sturm der Entrüstung schon groß. Organisationen und Interessenvertretungen in Medien und Politik sorgen dafür, daß eine solche Aktion sofort beendet wird. Sind nur Frauen in der öffentlichen medialen Repräsentation besonders schutzbedürftig?

-Väter sind vor dem Gesetz und vor der Justiz ein Elternteil 2.Klasse. Sind Väter als Elternteil wirklich schlechter? Etwa, weil sie keine Gebährmutter haben? Sollten sie deshalb wirklich weniger Rechte haben bzw. das Kind weniger Rechte auf seinen Vater?

Fazit: Ein Welt-Feminat gibt es nicht, aber in westliche Industrieländern wie in Deutschland tritt ein Phänomen auf, welches ich als "opfer-feministischen Zeitgeist" bezeichne: Traditionelle Rollenauffassungen (Frau=schutzbedürftig, unselbständig) und einst emanzipatorische, heute lobbyistische Strömungen (Frauenbewegung im weitesten Sinne und ihre Vertreter in den großen Parteien) sind eine unheilige Allianz eingegangen. Das hat zu der absurden Situation geführt, daß eine Art Perpetuum Mobile der Unterdrückung in Bewegung geraten ist.

Das perpetuum Mobile der Unterdrückung

1.)Einerseits genießt der angenehme Teil der traditionellen weiblichen Rollenidentifikation weiterhin breite gesellschaftliche Anerkennung (von Feministinnen bis hin zu Konservativen: Überall wird die Frau als besonders schutzbedürftig angesehen)
2.) in deren Folge die heranwachsenden Frauen dieses Angebot gerne annehmen und sich mehr oder weniger (je nach individuellem Bedürfnis) damit identifizieren
3.)wodurch aber auch wieder bevorzugt Frauen in das klassische Lebensmodell (Hausfrau, Teilzeit u.s.w.) fallen
4.)dies beklagt die opfer-feministische Lobby in Politik und Medien ("Frauen vedienen weniger als Männer", "weniger Frauen in Spitzenpositionen" u.s.w.)
5.)deren Schlußfolgerung ist, daß Frauen unterdrückt und deshalb besonders schutz- und förderungsbedürftig sind
6.)dies führt erneut zur Stärkung der Überbleibsel traditioneller Rollenauffassungen, da sie partiell deckungsgleich mit feministischen auffassungen sind -> Sprung zu Punkt 1

Gruß
Der Eman(n)ze


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