Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus

Emmalein, Friday, 26.03.2004, 11:29 (vor 7987 Tagen) @ Sebastian

Als Antwort auf: Re: Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus von Sebastian am 25. März 2004 20:41:43:

Hi, Sebastian,

eine geistige Entwicklung beginnt da, wo die Kämpfe aufhören und das gemeinsame Nachdenken anfängt. Kämpfe sind nur darauf aus, die eigene Position zu stärken und den eigenen Weg zu bestätigen. Wer kämpft, will seine Überlegenheit beweisen. Wer gemeinsam nachdenkt, sucht nach Lösungen und nach positiven Ansätzen.

Mit mehr Nachdenken und weniger Kämpfen bin ich sicher, kämen wir aus der aktuellen Wirtschaftskrise hervorragend heraus. Dann würden beide Teile nicht auf ihren Vorteilen und Vorurteilen beharren, sondern versuchen, Modelle zu finden, die gemeinsam an der aktuellen Wirtschaftskrise arbeiten.

Eine Möglichkeit, die sich in der Realität so wenig zeigt, ist für mich eher irrelevant. Es wäre auch meiner Meinung nach möglich, dass es ein Patriarchiat zur Zeit in Deutschland gibt. Für mich zeigt es sich allerdings wenig in der Realität. Daher ist das für mich irrelevant. Ebenso wie die Sache, dass die MÄnner der Macht von irgendwelchen Damen beherrscht werden.

Macht ist für mich sekundär. Als Mittel ist sie vielleicht brauchbar, aber nicht das, was mich wirklich interessiert. Interesse habe ich daran, dass bestimmte Dinge sich verändern. Dafür braucht man Macht. Aber Macht um der Macht willen,die interessiert mich nicht.

Vermännlichung ist für mich ein dummes Wort. Genau wie Verweiblichung. Menschen sind Menschen. Eigenschaften, die bestimmten Geschlechtern zugeschrieben werden, schaden durch die Zuschreibung mehr als dass sie nützen.

Ich wickele keine Männer um den Finger, wenn sie es nicht selbst wollen ;-). Und ich sehe hier auch wieder einen Punkt: Frauen werden nach ihrem Äusseren beurteilt, Männer in Deinen Augen nicht. Ich kann also so viel studieren, wissen, lernen und verstehen, wie ich will, habe ich eine gute Figur und ein gewinnendes Lächeln, wirst Du mir immer vorwerfen, ich hätte alles ,was ich bekomme, nur deswegen erreicht. Selbst wenn ich in objektiven Tests, in denen mein Äusseres gar keine Bedeutung haben kann, weil mich derjenige gar nicht sieht, besser abschneide als viele Männer.

Ein Mann würdest Du das Gleiche nicht zum Vorwurf machen, selbst, wenn er blendend aussieht.

Der Unterschied zwischen Dir und mir scheint mir zu sein, dass ich eine Gesellschaft anstrebe, in der nicht nur ich gut leben kann, sondern andere Menschen auch. Und sogar Männer.

Das ist kein Altruismus. Sondern die Erkenntnis, dass wir alle in gewisser Weise aufeinander angewiesen sind und es darum Vorteile bietet, eine Gesellschaft so zu gestalten, dass sie für möglichst viele Individuen lebenswert ist, weil das das allgemeine Klima verbessert und so jedem Mitglied der Gesellschaft auch durch Interaktion ein besseres Leben ermöglicht.

Im Übrigen habe ich Ökonomie studiert. Darum betrachte ich mich als Ökonom. Du hast Informatik studiert oder studierst sie noch. Darum betrachte ich Dich als (zukünftigen) Informatiker.

Keine Moral zu haben ist auch eine Form der Moral. Zu behaupten, jedes Mittel sei erlaubt, ist auch eine Moral, die , dass der Zweck die Mittel heiligt. Der Zweck heiligt die Mittel ist ein Liebligsspruch in totalitären Regimen, gleich welcher Couleur.

Dass mich etwas stört, wird doch wohl erlaubt sein, zu äussern. Wenn mich die Einseitigkeit einer Position stört, dann sage ich das. Ich wurde darum gebeten, meine Kritikpunkte zusammenzufassen. Das habe ich getan. Mehr nicht. Wenn Dir nicht passt, dass ich diese Kritik äussere, brauchst Du sie nicht zu lesen. Niemand zwingt Dich dazu. Ich entsprach den Wünschen einiger Teilnehmer an diesem Forum. Für sie habe ich geschrieben.

Im Prinzip machst Du hier auf Strukturen aufmerksam. Du allein veränderst sie aber nicht. Du machst Vorschläge, wie sie verändert werden können. Ich mache andere Vorschläge an anderer Stelle zu anderen Problemen, wie Strukturen verändert werden können. Das ist legitim. Aber ich behaupte nicht, dass ich Strukturen verändere. Ich hoffe, dass sich Strukturen langsam verändern, indem ich Bewusstsein schärfe. Das tun die meisten Maskulisten auch, nur mit anderen Zielen.

Leider waren die Nationalsozialisten nicht so schwach wie Du hier sagst, immerhin haben sie viele Nationen der Welt das Fürchten gelehrt. Den Krieg haben sie letztlich verloren, weil sie den Mund zu voll genommen haben und den Hals nicht vollkriegen konnten. Es ist sehr gut, dass die meisten Diktaturen und Diktatoren an Grössenwahn leiden. Dadurch erledigen sie sich meistens selbst. Grössenwahn kommt dadurch zustande, dass man zu sehr an die eigene Stärke glaubt. Demokratien werden durch die Kritiker immer wieder auf eigene Schwächen aufmerksam gemacht und zur Arbeit an ihnen gezwungen. Die Kritikfähigkeit macht Demokratien deswegen Diktaturen langfristig überlegen.

Es grüsst zur Kritikfähigkeit beitragend
das Emmalein


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