Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus

Emmalein, Friday, 26.03.2004, 10:40 (vor 7987 Tagen) @ Jonathan

Als Antwort auf: Re: Auf vielfachen Wunsch: Grundsatzkritik am Maskulismus von Jonathan am 25. März 2004 17:50:02:

Hi, JO,

kein Problem, wenn man mich höflich bittet, bin ich zu vielen Dingen bereit;-).

Schön, dass wir uns einig sind, dass Lobbyismus immer einseitig ist. Vielleicht mag ich einfach kein lobbyistisches Engagement - nun ja, obwohl jedes Engagement in gewisser Weise lobbyistisch ist. Es ist dennoch wichtig, in manchen Punkten Einseitigkeit zu vermeiden. Denn so wie der Feminismus vor allem mit dem Problem zu kämpfen hatte, dass ihm seine Kritiker Männerhass vorwerfen, wird der Maskulismus, wenn er sich nicht um eine ausgewogene Sprache bemüht, damit zu kämpfen haben, dass ihm Kritiker Frauenhass vorwerfen. Das könnte mit der Zeit auch ein Grund sein, weswegen sich durchaus berechtigte Forderungen nicht realisieren lassen. Darum fand ich es wichtig, darauf aufmerksam zu machen.

Ich versuche die Welt möglichst nicht in gut und böse einzuteilen. Gut und böse weiss ich von mir selbst, vereine ich in einer Person.

Es schadet nie, auch die eigene Position kritisch zu hinterfragen. Ich denke, der Feminismus wäre eine sympatischere Bewegung, wäre dies gelegentlich geschehen. Leider passierte das viel zu selten.

Dass bestimmte Dinge oft in der Vergangenheit totgeschwiegen worden sind, ist leider eine traurige Wahrheit. Dass diese auch mit Männern und Jungen zusammenhängen, ebenso.

Beispiele: Eine Frau kann nicht gewalttätig sein. Darum kann es weder Jungen noch Männer geben ,die Opfer gewalttätiger Frauen wurden. Was, wie wir beide wissen, ja sich inzwischen als falsch herausgestellt hat.

Ein Junge ist kein Objekt sexueller Begierde, deswegen braucht er auch keine Einrichtungen, die sich der Therapie seines sexuellen Missbrauchs widmen. Ebenfalls eine falsche These, die leider dazu geführt hat ,dass es kaum therapeutische Einrichtungen für Jungen gibt, die missbraucht wurden.

Vermutlich ist es dazu gekommen, weil zunächst Frauen sich in diesem Diskurs Gehör verschafften. Es schadet insofern nicht, dass auch Männer auf ihre Probleme aufmerksam machen. Wichtig dabei ist, dass Kritiker weder diffarmiert werden noch dass ihnen die Luft abgedreht wird noch dass man sie faket, um sie zu diskreditieren. Für mich ist das kein legitimes Mittel im Umgang mit Kritik.

Insofern stimme ich Dir zu, wenn es darum geht, dass viele Diskurse gerade auch in Bezug auf Männer angestossen werden müssen. Ich stimme allerdings Maskulisten nicht zu, die behaupten, dass der Feminismus die Welt beherrscht, vor allem nicht in diktatorischer Weise, wie es von einigen hier unterstellt wird. Denn sonst könnten solche Diskurse ja in der Öffentlichkeit gar nicht geführt werden.

Allerdings sind die Hälfte aller potentiellen Wähler, aller potentiellen Zuschauer und aller potentiellen Menschen ,die sich an wissenschaftlichen Diskursen beteiligen, Männer. Vollkommen einseitige Gesetze zugunsten von Frauen dürften also eigentlich keine Chance haben. Zudem besetzen Männer die wichtigsten Positionen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Eine einseitig feministisch orientierte Republik hätte das mit Sicherheit längst geändert. Es muss also in der Bundesrepublik eine Menge Kräfte geben, die auch frauenpolitischen Interessen widersprechen. Und ich bin mir sehr sicher, dass es diese in grossem Masse auch gibt.

Sperrfeuer tritt doch mehr mir entgegen als Dir, von daher mach Dir mal keine Sorgen.

Ich verstehe, dass Du es vermutlich nicht richtig findest, dass solche alten Sachen aus der Klamotten-Kiste geholt werden, a la Frauen können nicht Auto fahren etc. Was mich nur wundert, ist, dass kein Maskulist solchen Thesen in den Foren widerspricht. Wenn es keinen Widerspruch gibt, ist es doch wohl legitim, anzunehmen, dass zugestimmt wird. Wie sagten die öllen Römer noch so schön: Wer schweigt, stimmt zu! Insofern würde ich mir wünschen, dass dann auch von maskulistischer Seite mal Widerspruch erfolgt, wenn jemand sich in dieser Weise äussert, wenn gemeint wird, das stimmt nicht. Das passiert aber eher selten.

Ich denke nicht, dass bei Frauen es eher akzeptiert wird ,dass sie sich auf Kosten von Männern ein schönes Leben machen als umgekehrt. Egal, wer erzählt, dass er ausgebeutet wurde, in der Regel ist die erste Reaktion der meisten Menschen doch Sympathie und Mitleid.

Die gemässigten feministischen Foren, in denen ich mich aufhalte, sind selbstkritischer als die maskulistischen. Deswegen bleibt eine Behauptung, die Männer als die Bösen darstellt, meist nie völlig unwidersprochen stehen. Das kann natürlich auch daran liegen, dass der Diskurs dort etablierter und schon länger in Gang ist. Was ich von frühen feministischen Diskursen gehört habe, scheint ja so zu sein, dass die ähnlich verliefen wie die hier. Vielleicht wird das Problem sich ja mit der Zeit von selbst erledigt haben.

Es mögen Detailfragen sein, aber sie scheinen auch für die beteiligten Männer enorm wichtig zu sein. Was immer ich so als Kritiker sagte, wurde irgendwann damit gekontert: Wie stehst Du zur Wehrpflicht? Offensichtlich ist das für Männer ein ganz wichtiger Punkt, nur um ein Beispiel zu nennen.

Es grüsst freundlich und gespannt auf den weiteren Diskurs
das Emmalein


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