Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Patriarchat abschaffen!

susu, Friday, 06.08.2004, 05:34 (vor 7854 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: Re: Patriarchat abschaffen! von Garp am 03. August 2004 14:23:20:

Huhu

„Szientismus, auch Sensualismus, ist in seiner ursprünglichen Form die Ideologie, dass einzig und allein die Naturwissenschaften Antwort auf die Fragen der Welt geben können.“
(entstammt wikipedia.org)
Also ich verstehe dies nun als einen Methodenstreit über die Zulässigkeit naturwissenschaftlicher Methoden in den Geisteswissenschaften. Kritischer Rationalismus etc.
Meintest du das?

Nicht ganz. Eher eine Überschätzung des Geltungsbereichs naturwissenschaftlicher Theorien durch Geisteswissenschaftler. In Punkto Methodik verweise ich auf Wittgenstein...

Meiner Meinung nach entspringt der biologische Determinismus doch eben nicht den Geisteswissenschaften. Genau hier sind diese Begründungen mittels Genetik oder Hormone tabu.

Ja? Nenne mir mal Beispiele für Leute, die einen biologischen Determinismus vertreten haben und Naturwissenschaftler waren... Schon Darwin war überrascht, was aus seiner Theorie gemacht wurde und wenn ich hier exemplarisch Terman, Goddard, Yerkes, Cox, Montessori, Spearman, Burt, Herrnstein, Cohen und Murray nenne, dann findet sich unter diesen keinE NaturwissenschflerIn. BTW: Ich halte es auch für falsch biologische Ursachen vollständig auszuschließen. Nur sollten diese eben im Bereich des möglichen liegen (klassisches Beispiel für angeborenes Verhalten: lächeln. Lächeln tun alle Menschen, selbst blinde taubstumme Säuglinge. Da macht es durchaus Sinn biologische Ursachen zu suchen).

Es sind doch meist die Biologen oder Genetiker selbst, die aus ihren biologischen Daten Aussagen über menschliches Verhalten ableiten wollen.
Oder geht es dir um die Aussagen mancher Evolutionspsychologen, die menschliches Verhalten (z.B. Partnerwahl) ausschließlich evolutionär interpretieren wollen.

U.a. Es gibt relativ wenige Biologen, die sich dazu hinreißen lassen simplizistische Äußérungen in dieser Hinsicht zu tun. Ich kenne da wie gesagt deutlich mehr Geisterwissenschaftler.

Dass in den Geisteswissenschaften oftmals methodisch nicht sauber gearbeitet wird ist zwar richtig, aber wieder ein ganz anderes Themenfeld.
Ich verstehe nicht wie du auf der einen Seite den biologischen Determinismus ablehnst und zugleich die „Schuld“ dieser Theorien ausgerechnet bei den Geisteswissenschaften suchst?

Ganz einfach: Biologischer Determinismus erwächst einem Halbwissen über die Biologie. Ich glaube nicht, daß ein Biologe auf den Gedanken käme einschneidende Verhaltensänderungen innerhalb von 30 Jahren, oder auch 1000 Jahren, auf biologische Veränderung zurückführen zu wollen. Es gibt noch immer erbitterten Widerstand gegen die punctuated equilibrium Theorie (weil sie zu schnelle Veränderungen vorhersagt, als den meisten BiologInnen lieb ist) und da sind 10.000 Jahre Minimum. Weil das absolutes Grundwissen ist, bestätigt durch die Fossilienfunde, aber auch durch populationsgenetische Studien und niemand ein biologisches Diplom erwerben kann, ohne das zu wissen, ist es einfach unwahrscheinlich, daß solche Gedanken von entsprechenden Personen formuliert werden.


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