Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re:

Andreas (der andere), Wednesday, 04.08.2004, 15:08 (vor 7856 Tagen) @ Garp

Als Antwort auf: Re: von Garp am 04. August 2004 11:07:31:

Hallo Garp.

O.k. aber dann beziehst du dich auf die veröffentlichte Meinung, die Journalisten und populärwissenschaftliche Veröffentlichungen. Darunter haben wahrscheinlich Geisteswissenschaften wie Naturwissenschaften zu leiden.

Nicht nur. Es werden auch viel zu schnell Untersuchungsergebnisse publiziert, von denen bei genauerer Betrachtung überhaupt nicht klar ist, wie sie überhaupt zu bewerten sind, bzw. was sie denn eigentlich aussagen. Mutmaßungen werden in der Presse schnell zu Gewißheiten, insofern ist das nochmal ein spezielles Problem. Aber es sind auch die Forschungen selbst. Ich sollte dazu Beispiele bringen. Vielleicht hol ich das mal nach, wenn ich ein bißchen mehr Zeit zum suchen habe.

Ein schönes Beispiel hierfür ist Professor Otten. Er begründet des „Böse“ der Männer eben nicht biologisch. Der Ursprung liegt bei ihm in der männlichen Sozialisation. Deshalb schreibt er vom Versagen der Gesellschaft an den Männern. Und deshalb plädierte er für eine neue männliche Moral. Wäre das Böse biologisch bedingt so wäre eine neue Moral unnütz.

Das stimmt einerseits schon, andererseits spricht er Männern aber auch die Fähigkeit ab, sich ethisch zu verhalten, wenn sie nicht von oben herab so geformt würden. index.php?id=32403 Für Otten ist der festgelegte Punkt die Unfähigkeit zum ethischen Erkennen, dann zum Handeln aus sich selbst, ohne Führung. Wir dürfen raten, wem er diese Führung gerne anvertraut sehen möchte ... Ist das jetzt Biologie? Hmm, vielleicht nicht das glücklichste Beispiel. Aber ich möchte auch nicht auf die grausamen Theorien des Herrn Schwanitz verweisen ...

Auch der Großteil der feministischen Forschung, sieht das böse des Mannes nicht in der Biologie, sondern in der gesellschaftlichen Konstruktion – dem Patriarchat.

Jein. Das ist Gender-Theorie. - Die feministische Frauenforschung kennt hingegen jede Menge biologischer Determinismen, sei es vom sexuellen Mißbrauch bis zur männlichen Gewalt. Und leider ist auch diese Richtung an den Unis noch lange nicht ausgestorben.

Ich selbst bin der Meinung, dass die Biologie in den Geisteswissenschaften oft unterschätzt wird. Zwar kann die Biologie nicht monokausal menschliches Verhalten erklären, man kann sie aber auch nicht völlig abstreiten.
Ich glaube eben nicht, dass man problemlos einen Jungen zum Mädchen und ein Mädchen zum Jungen umerziehen kann. Geschlechterrollen sind zwar maßgeblich sozial bestimmt, aber nicht ausschließlich.

Ich glaube, wir haben hier gar keinen Widerspruch. Es ging nicht um Beachtung bzw. Nichtbeachtung der Naturwissenschaften, sondern um Mißinterpretationen auf Grund eines unzureichenden Verständnisses, woraus wieder unzulässige oder falsche Schlußfolgerungen gezogen werden. Was sich u.a. in der Frage zeigt, wie weit sich die Biologie zur Erklärung kultureller Prozesse verwenden läßt. Ich denke, die Biologen sind da vorsichtiger.

Gruß, Andreas


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