Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Patriarchat abschaffen!

michail, Saturday, 31.07.2004, 13:21 (vor 7860 Tagen) @ Silke

Als Antwort auf: Patriarchat abschaffen! von Silke am 30. Juli 2004 23:27:46:

Diesen Vortrag finde ich bedeutungsvoll! Potentiale werden hier gezielt moralisiert nur um demoralisiert werden zu können. Stärke wird sentimentalistisch verdammt, Macht soll an die übertragen werden, die sie selbst nicht entfalten oder halten könnten. Männer sollen so stark sein und zugleich so gut und einsichtig werden, daß sie den Planeten von den eigenen vermeintlichen Lastern befreien, um ihn dann den schwächeren Frauen zu vermachen!

Ich sehe hier ein ideologisches Problem, das bei diesen unheilvollen Undenkern auch jenseits der Geschlechterfrage Wirkungen zeitigt; es ist ihr krankes Verhältnis zur Stärke und Leistung – das Problem ihrer allmählichen Selbstauflösung (Amen!) nämlich.

Ich hatte mal den Vortrag mit folgendem Text bei mir ironisiert:
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… Dagegen haben hierzulande noch Vorträge Konjunktur wie der von Prof. Dr. Christian Pfeiffer (Kriminologe und Justizminister in Hannover), veröffentlicht in DIE ZEIT, Nr. 16, 2001). Unter dem Titel "Machos, Feinde der Menschheit" schlägt Pfeiffer Alarm gegen das eigene Geschlecht auf eine Weise, in welcher mancher Leser Züge einer Volksverhetzung erkennen könnte. Das Konzept des SPD-Ministers lautet kurz gefaßt: Die Dominanz des Mannes gefährdet das Überleben der Menschheit, weil alle Bedrohungen, das sind: Bevölkerungszuwachs, Umweltverschmutzung, Terror und Krieg, vom Mann ausgehen. Außerdem erkennt man auch anhand der Kriminalstatistiken, daß Frauen die besseren Menschen sind. Deswegen müssen Frauen an die Hälfte - oder vielleicht mehr - der "Ressourcen" (gemeint ist politische Macht) herangeführt werden.

Aber nicht gleich! Erstens deswegen nicht, weil sie noch "unter Druck" stehen, nämlich "beweisen zu müssen, dass sie den Männern an Härte und Durchsetzungskraft keineswegs unterlegen sind." Das heißt also, Pfeiffer erkennt auch in machtausübenden Frauen "Härte"! Als Beispiel benutzt er die "eiserne Lady" der Briten, Frau Thatcher, die ja bekanntlich im Falklandkrieg ein paar hundert Menschen (natürlich allesamt "Machos") draufgehen ließ. Einhergehend mit diesem Beispiel wird aber der Gedanke suggeriert, Frauen wären so nur "unter Druck" und niemals aus eigener freier Einsicht. - Pfiffig!

Zweitens dürfen Frauen deswegen noch nicht an die Macht, die ihnen "Demokraten" und Nichtmachos galant entgegenstrecken, denn sie, die Macht, erst geschält werden muß! Zu viele "gefährliche Macho-Kulturen" nämlich gebe es noch auf unserem Erdball, als daß man Frauen nachts allein an die Macht schicken solle. Das solle erst geschehen, nachdem "die westlichen Demokratien" dieses Problem gelöst haben werden. Es ist klar, welche Länder dabei gemeint sind. Es klingt, als solle Feminismus doch noch einen legitimen Grund für einen Krieg der Kulturen liefern, durch welchen er seinen Endsieg auf dem Erdball erringen würde!

Bis dahin werden aber die Demokraten des Westens leider noch Macho genug zu sein haben, um dem Gleichen im Osten schlagfertig begegnen zu können, sollten aber währenddessen immer nichtmachohafter werden, um die bevorstehende Schichtübergabe an die Weiblichkeit nicht zu verweigern. Auch die Mittel zu solcher Läuterung zögert der Minister und Meister nicht uns zu vermitteln. Darunter fällt "Weinen nicht unterdrücken"! (Das Ganze unter: http://www.zeit.de/2001/16/Politik/200116_essay.pfeiffer.html)

Ein sehr sensibler Prozeß, wenn man bedenkt, daß mit zunehmender Weinerlichkeit direkt proportional die Einsatztauglichkeit gegen Macho-Krieger abnehmen könnte, die ja auch in Zukunft sicher nicht allein per Mausklick anzugehen sein werden.

Also, liebe Freunde, es besteht wenig Grund, gleich mit dem Heulen zu beginnen, es sei denn, die Ausführungen des preisgekrönten Kriminologen und Politikers bieten dem einen oder anderen unter uns den Grund dazu…
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Gruß
Michail


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