Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Nicht nur der Aktienplan ist Unsinn....

Nick, Tuesday, 13.04.2004, 00:43 (vor 7969 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Aktienplan ist Unsinn.... von Rüdiger am 12. April 2004 16:41:

Tja, und weiter hoffen sie - wider alle Rationalität - all diese "Stiftung-Warentest-Enthusiasten" und NTV-Junkies, als wäre es ihre (vernunftwidrige) persönliche "Lehre" aus dem gerade eben "überwundenen" Crash (im Dax top-to-bottom innert 3 Jahren: 75%), auf ihren großen Reibach! Man faßt es einfach nicht, wie gerne so viele Leute so ausgiebig dumm sein wollen. Ich kann deshalb deine Überlegungen in Hinblick auf Börse und Otto Normalverdiener, der ein stinknormales Berufs- und Familienleben zu managen hat, nur voll und ganz unterstreichen.

Die Psychologie des Finanzsystems ist nachgerade darauf angelegt, daß die Haie die Heringe fressen, sprich: daß die Profis die Anfänger schröpfen, gerade diejenigen also, die mit "Stiftung Warentest und N-TV" auf den großen, persönlichen Abräumer hoffen: gerade diese medialen "Experten" sind nämlich die Gauchos, die die Schafe ins Gatter treiben. Die sorgen schon dafür, daß Fridolin Ohneahnung z.B. seine Telekom "ganz billig" für 65 Euro kauft, "wo sie doch schon um 40% gefallen ist". Danach erlebt der Neuaktionär dann, wie seine Erwerbung auf 8 € runtergeht. Spätestens (oder eben GENAU dann!) verkauft er in tiefster Verzweiflung, um wenigstens die verbliebenen 12% des eingesetzten Kapitals zu retten. Andere haben die Telekom vielleicht sogar für 105 € gekauft, als Finanztest und N-TV u.dgl. "Experten" trompeteten: "Kauft! Kauft! Alles geht dauernd und immer weiter nach oben!"

Ich könnte Schaum vorm Mund bekommen, wenn ich hier so einen Stuß lesen muß, ausgerechnet über diese gezinkten Muppets-Shows für die ganz Doofen! Ich habe in meinem Umfeld einige kreuzehrliche Menschen erlebt, die es wirklich nicht sehr leicht im Leben haben - und die dann alle mehr oder weniger ihre gesamten Ersparnisse brav bei den "Finanzexperten" und Börsenprofis abgeliefert haben. TROTZ aller meiner eindringlichen Warnungen vor dem unabweisbar bevorstehenden Crash.

Ich habe kalte VERACHTUNG für diese blähsüchtigen Angeber, diese geschwätzigen Spezialisten, die sich so gerne als die Edelmenschen mit dem Superdurchblick inszenieren, die aber dann an eben solchen Bewegungen der Börse tatsächlich verdienen. Denn es ist wie Blutgeld! Es wurde den einfachen Leuten abgenommen, die keine Möglichkeit haben, ihre "Verluste auszugleichen", außer durch ihre Arbeit und Neuanfang bei Null - derweil dann schon mal die eine oder andere Kindheit (und anderes dazu) verstreicht, bis die Folgen der kollektiven Hysterie ganz privat verarbeitet wurden.

Ich muß aber auf einen weiteren Punkt hinweisen und dir warnend widersprechen: auch deine Staatsanleihen sind langfristig gesehen keineswegs sicher, sondern sie sind im Gegenteil definitiv auf Verschrottung hin angelegt. Warum?

Erstens haben sich in ganz Europa (wenige Ausnahmen wie z.B. Norwegen (5 Mio. Einwohner, riesige Ölquellen)) untilgbare Staatsschulden angehäuft. Diese Schulden werden NIEMALS zurückgezahlt! Es gibt ein probates Mittel, solche Schulden loszuwerden: massive Inflation. Dieser Weg wird zwangsläufig begangen werden, unabhängig vom subjektiven Willen der heutigen Verantwortlichen (besser: UN-Verantwortlichen) in der Politik und der EZB. Die Krisen, die dazu "zwingen" werden, sind unausweichlich und treten früher oder später ein.

Zweitens kann natürlich jede Regierung strengste Verbotsgesetze gegen jede weitere Elbeflut erlassen. Die Elbe wird sich jedoch, selbst bei schärfter Strafandrohung, einfach nicht daran halten. Die nimmt sogar lebenslänglich in Kauf, wenn es wieder mal heftig regnet, ganz locker sogar.

Und genau so irrational verhält sich die Mehrheit des Volkes (und seine Regierung, die es sich wirklich ehrlich verdient hat) angesichts einer alles ertränkenden Flut von ineinander verzahnten, desaströsen Krisenentwicklungen: Demographie (und nochmal, und nochmal Demographie!), wirtschaftlicher Niedergang, bürokratische Erstarrung, politische Selbstblockade, umsichgreifende Infantilisierung und ideologische Verholzung von Sachdebatten, dilettierende Urteilsunfähigkeit, impotente Entscheidungsschwäche und Verantwortungsflucht, moralische Orientierungslosigkeit bis zum ethischen Bankrott, kollektive Selbstzertrümmerung der kulturell-religiösen Identität, gnadenlose Zersplitterung der Gesellschaft in 80 Millionen Egopartikel, Balkanisierung der Gesellschaft, mit all den ethnisch motivierten Bürgerkriegsszenarien, die wir auf dem Balkan schon seit Jahrhunderten kennen... Den ganzen Rest laß ich jetzt einfach mal weg, sonst liest keiner weiter.

Du hast neulich wieder irgendwo geschrieben, wie außerordentlich wünschenswert es doch sei, wenn wir ein paar weniger Millionen Einwohner im Land hätten. Naja, vielleicht kann ich dich eben einfach nicht mit Argumenten erreichen, ok, aber es lesen ja noch andere mit, deshalb nochmal: es ist inzwischen eine unabwendbare Tatsache geworden, daß wir zu einem Siechenheim werden, und zwar noch zu unseren Lebzeiten, denn die "Alten" leben alle schon (=wir) und die Jungen sind alle nicht geboren (und werden auch niemals geboren, denn das geht nun mal nicht "nachträglich"). Dieses rapide verarmende und in Demenz und Agonie versinkende Siechenheim ist aber umgeben von lauter Regionen, die genau die entgegengesetzte, extrem explosive Demographie aufweisen: lauter junge Leute ohne die geringste Perspektive! Diese "Dschihad-Krieger", die wir neuerdings multikultipolitischkorrekt (=komplett dämlich und totaldegeneriert) in Millionenstärke zu Staatsbürgern machen, werden eine derartige Überschwemmung auslösen, die schwuppsdiwupps alles einfach wegspült, was sich die allermeisten hier als verbürgte Sicherung ihrer Zukunft delirieren. Dabei geht es nicht etwa "nur" um die Rente (die den Russen z.B. vor 14 Jahren auch noch "todsicher" schien, die sich heute indes durch eine nette Inflation nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in ein schieres Nichts aufgelöst hat).

Ich mal die Apokalypse jetzt nicht weiter aus - ist ja auch völlig unnötig, denn das bißchen Zeit kann man ja schließlich locker auf einer Backe abwarten, dann erleben wir es alle live - aber es werden ALLE in grauem Trübsinn und hoffnungsloser Verzweiflung und Sinnlosigkeit absaufen, die nicht endlich noch die Biege hinkriegen und zu den naturgegebenen Grundaxiomen menschlichen Daseins zurückkehren. Feminismus gehört nicht dazu, Maskulismus auch nicht. Auch Staatsanleihen gehören nicht dazu, oder Renten und Versicherungen, Börse ohnehin nicht, und auch nicht die infantile Frage, ob Wichsen oder Ficken besser ist oder wie lästig Blagen sind u.dgl. pubertärer Unsinn mehr.

Es geht um die Rückkehr zu Mut und Entschlossenheit, Liebe und Versöhnung, unverbrüchlicher Treue (wem sie gebührt), mitmenschlicher Solidarität, subsidiarer Bewältigung des eigenen (unvorstellbar schwerer werdenden) Lebens, rückhaltlose Verantwortungsübernahme für die persönlichen wie auch die kollektiven Irrwege, Wiedergewinnen der leichtfertig preisgegebenen kollektiven Identität und darauf gründend einer gewaltigen moralischen Anstrengung, die alle verfügbaren Kräfte auf diese eine Aufgabe zu konzentrieren in der Lage ist.

Anders gesagt: wer von der Apologetik des Egoismus zum Altruismus zurückfindet, wessen Glück dabei nicht davon abhängt, daß das Leben "easy" ist, sondern davon, daß es Würde hat, der kommt durch. Alle anderen verschwinden einfach leise winselnd, ohne daß es groß auffällt. Außer ihnen selbst natürlich. Aber wen interesiert das dann noch? Wer interessiert sich dann noch für Egoisten? Warum sollte er?

Ab und zu muß das einfach wiederholt werden - und zwar damit es NICHT dazu kommt.

Aber die Zeit läuft ab!

Nick


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