Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen...

Garfield, Thursday, 08.04.2004, 19:40 (vor 7974 Tagen) @ Jens

Als Antwort auf: Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen... von Jens am 08. April 2004 15:58:30:

Hallo Jens!

Sehr interessant - vieles davon wußte ich noch gar nicht, hab es mir aber etwa so vorgestellt. In der Sowjetunion gab es zu sozialistischen Zeiten ähnliche Machenschaften, nur wirkte sich das nicht so stark aus, weil die Russen neue Technologien gar nicht so schnell kopieren konnten wie sie beispielsweise in Japan entwickelt wurden. Die Chinesen scheinen da etwas schneller zu sein.

Viele Unternehmen sehen wahrscheinlich vor allem die hohe Bevölkerungszahl in China und das damit verbundene Marktpotenzial. Sie befürchten dann, dort zu kurz zu kommen und wollen vor allem deshalb unbedingt dorthin. So manches Unternehmen spekuliert vielleicht auch darauf, daß die chinesische Regierung bald genauso fallen wird wie die meisten anderen Ostblock-Regierungen auch.

Es gibt aber noch andere Länder wie z.B. Indien, in denen nicht ganz so wüste Zustände herrschen und wo das Wachstumspotenziel auch enorm hoch ist. Die deutsche Software-Branche lagert Aufträge zunehmend nach Indien aus, und indische Firmen geben sie mittlerweile schon nach Vietnam weiter, weil die Lohnkosten für Programmierer in Indien mittlerweile auch schon relativ hoch sind. Fatal ist, daß viele deutsche Software-Unternehmen gar nicht so scharf darauf sind, Aufträge mit Subunternehmen aus Indien oder sonstwo abzuwickeln - sie werden nur immer öfter von den Kunden dazu gezwungen. Unternehmen wie Daimler-Chrysler arbeiten schon seit Jahrzehnten so und verlangen dasselbe dann auch von Unternehmen, an die sie Aufträge vergeben. Da steht dann tatsächlich im Vertrag, daß ein bestimmter Prozentsatz des Auftragsvolumens über "Offshoring" (wie sich das mittlerweile nennt) abzuwickeln ist. Einige Unternehmen haben sich mit solchen asiatischen oder osteuropäischen Subunternehmen schon übel auf die Nase gelegt. Trotzdem müssen sie weiterhin so arbeiten und sind so letztendlich auch gezwungen, qualifiziertes Personal in Deutschland zu entlassen bzw. nicht mehr einzustellen.

Ich persönlich versuche schon lange, nach Möglichkeit Produkte aus deutscher oder wenigstens aus EU-Produktion zu kaufen. Allerdings hat man dann auch nicht die Sicherheit, daß die dann wirklich komplett hier hergestellt wurden. Oft werden Einzelteile aus dem Ausland importiert und hier nur noch endmontiert. Ich habe mal in einer Fahrrad-Fabrik gearbeitet. Da kamen die Sättel fast zu 100% aus Italien, Schaltungen und Bremsen zum großen Teil aus verschiedenen asiatischen Ländern usw. Die einzigen in Deutschland gefertigten Teile waren Reflektoren, Sachs-Schaltungen und teilweise die Rahmen. Letztere wurden in dieser Fabrik hergestellt, zunächst durch Schweißer, bald aber durch einen Schweiß-Roboter. Der konnte sogar Alu-Rahmen schweißen, was zu der Zeit eine Innovation war. Als ich da aufgehört habe, fingen sie schon an, die Rahmen auch aus Asien zu importieren, und der teure Schweißroboter wurde bald gar nicht mehr genutzt. Auf den Fahrrädern stand am Ende trotzdem "Made in Germany"...

Freundliche Grüße
von Garfield


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