Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Es gibt M&39939;lichkeiten, das zu umgehen...

carlos, Saturday, 10.04.2004, 21:17 (vor 7972 Tagen) @ Jens

Als Antwort auf: Es gibt M鰃lichkeiten, das zu umgehen... von Jens am 08. April 2004 15:58:30:

Servus Jens!

*zwar hat China das größte Entwicklungspotential - denn noch werden Produkte hauptsächlich exportiert, weil der überwiegende Teil der Bevölkerung (800 Mio) noch äußerst arm ist - Bauern.*

Alles relativ. Der Teil, der bereits in der Lage ist, zu konsumieren, waechst staendig und in atemberaubenden Tempo. Momentan sind das etwa 200 Millionen. Zur Erinnerung: Hierzulande haben wir nur knapp 80, und von denen koennen immer weniger konsumieren. Geoeffnet fuer westliche Investitionen sind ja momentan auch *nur* die Ostprovinzen; Pläne, auch den Westen und Zentralchina fuer auslaendische Investitionen zu oeffnen, sind schon fertig.

*Das Problem an China ist, dass sie nur Wissen ins Land lassen, aber nicht daran interessiert sind, zu Importieren - sie wollen selber produzieren.*

Das ist ihr gutes Recht, und ich an ihrer Stelle wuerde das genau so machen.

*Ein VW-Auto wurde schon komplett nachgebaut und VW hat in China nur deswegen erneut gewinn gemacht, weil sie von da aus exportiert haben. Die Nachfrage hingegen ist in China zurückgegangen.*

Das erste ist richtig. Im Rahmen der weiteren WTO-Verhandlungen werden die Dinge zur Sprache kommen. Das zweite ist Bloedsinn. Du warst doch in China. Dann haettest du sehen muessen, dass mehr als die Haelfte aller Autos, die dort herumfahren, VWs sind; und nicht nur die Modelle der fruehen 90=er Jahre, sondern vermehrt die nagelneuen Modelle des chinesischen Passats und des Audi. Und die sind noch nicht nach Deutschland exportiert worden, sondern werden groesstenteils im Lande selbst verkauft.

*Den Transrapid haben die Chinesen angeblich schon nachgebaut. Die Lizenz für die Trassen haben sie ja schon - aus der Hoffnung, sich Folgeaufträge zu "erschenken". Das Funktioniert aber nicht - hätte man aus der Vergangenheit gelernt: wir Deutschen haben nämlich aus unseren Entwicklungsgeldern, in der Hoffnung auf Folgeaufträge, zwei U-Bahnlinien in Shanghei gebaut. Das sind derzeit die einzigen Linien in Shanghai - Folgeaufträge gab es trotzdem nicht, nur Deutsche Steuergelder wurden verschwendet. Trotzdem werden die Chinesen sicherlich ihr U-Bahn-Netz ausbauen - indem sie unsere Technik klauen.*

Angeblich, angeblich... Geruechte. Mag ja moeglich sein, ist aber eher unwahrscheinlich, weil sie dafuer ja weder Anlagen, Logistik noch Infrastruktur haben duerften. Der Rest ist schlicht falsch. Der Transrapid von Shanghai nach Peking wird nicht gebaut, weil die Technik vor Ort mehrmals massiv versagt hatte. Es gab Kurzschluesse, der Magnet machte schlapp und es gab mehrere Kabelschmorer. Dann hat sich das Transrapid=Konsortium vor Ort arrogant geriert, und das mag niemand gerne, schon gar nicht die Chinesen. Wenn es einen Fall von Managerversagen *wie Flache leer* gibt, dann ist es dieses. Chinaunerfahrenes Personal, mieser Service vor Ort, als die Probleme auftauchten und der Irrglaube, man koenne mit den Chinesen vor Ort umspringen wie mit den quasi rechtlosen Verbrauchern in Doitschland... Daemlich ist da noch untertrieben. Steuergelder? Falls ja, dann wuerden die schon verplempert, seit das Ding im Emsland seine (dann) nutzlosen Proberunden dreht, und das sind ja schon ein paar Jaehrchen. Nach ueber 20=jaehriger Erprobung sollte man so weit sein, das Ding zu bauen und zu exportieren; und wenn nicht, dann sollte man die Verantwortlichen fristlos feuern und kuenftig die Strasse kehren lassen. Der Transrapid haette jede Menge hochwertiger Jobs in Deutschland geschaffen und gesichert.


*China ist in zweierlei Hinsicht eine große Gefahr: erstens der billige Markt, zweitens der Technologieklau, der richterlich NIE verfolgt werden kann, weil alles unter der Fuchtel und dem Schutz der Partei abläuft, deren Abgeordnete mit Firmengründungen und Technologieklau den großen Reibach machen. Siemens droht damit seine Entwicklung schon nach China zu legen. Die werden sich umgucken, wenn sie dann dort jährlich ihren sinkenden Umsatz feststellen und dann Kopien auf dem Markt finden, die in alle Wert exportiert werden. Nochwas: dort habe ich Kleidung gesehen, die dort hergestellt wird - offenbar Kopien von Marlboro, Kelvin Klein und Camel-Jacken, die auch noch exportiert werden! Die finden sich hier auf dem Markt wieder, denn alle hatten Preisschilder in EURO drauf! Die USA hat aber auch eine große Textilindustrie, wo diese Marken angesiedelt sind. Die USA hat ja schon handelsbeschränkungen ausgerufen (es dürfen nicht mehr als 10% der Kleidung aus China kommen).
Großes Problem auch das Internet. Für harte Verschlüsselungen benötigt man Genehmigungen, Investitionen laufen dort meist als Jointventure, Technologie wird somit IMMER geklaut.*

Das interessiert mich jetzt: Wo, also in welcher Stadt, hast Du denn besagte Klamotten gesehen? Dass in China viel raubkopiert wird, weiss ich auch; und China ist da kein Einzelfall. Sagen wir es ein bisserl globaler: Jede Form von Marktwirtschaft hat was Raubtierhaftes; die eine mehr, die andere weniger. Es kommt u.a. auf Rahmen und Gewissen an. Und das, was ich jetzt sage, ist keine Entschuldigung dafuer, sondern nur eine Erklaerung: Gerade die USA, die Du ja so sehr schaetzt, sind die Oberraeuber. Das sind sie auch gegen uns Europaeer, schwerpunktmaessig gegen Deutschland. Ueber ihren Geheimdienst NSA betreiben sie massive Wirtschaftsspionage gegen uns; so ist z.B. alles, was an regenerativer Energietechnologie auf deutschem Boden entwickelt worden, von den USA ausspioniert und umgehend zum Patent angemeldet worden. Ich selbst weiss von zwei Faellen. Auch ueberall sonst auf der Welt, wo US=Firmen taetig sind, fuehren sie sich auf wie die letzten Schlammsaeue: Sei es, dass sie die reichen Oel=Vorkommen in Ecuador auspluendern und dem Land selbst keine Entwicklungschance lassen und dabei den Urwald am Oberlauf des Amazonas=Becken in eine oelvereuchte, oekologische Wueste verwandeln, sei es, dass ihre Frucht=Multis in ganz Zentral=Amerika und auf den Philippinen die fruchtbarsten Boeden okkupiert haben und dafuer in den 80=ern mit Hilfe der Militaers die vorher dort wohnenden Ureinwohner abgeschlachtet haben. Den finanziellen Reibach machen sie ausschliesslich bei sich zu Hause, u.a. an der Warenterminboerse in Chicago. All das, was ich in den genannten Laendern, also vor Ort, gesehen habe, bezeuge ich hiermit; gleichwohl bilden die, wohlgemerkt, nur die Spitze eines Eisbergs. Da sind die Deutschen, die in China ihre Geschaefte machen wollen, harmlose Knilche. Allerdings sind sie oftmals auch dumme Knilche, denn Technologieklau passiert nicht zwangslaeufig; man kann sich davor durchaus schuetzen. Siemens ist schon fast seit Bestehen der Firma im Lande. Die werden sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, glaub mir. Zum mindesten hoffe ich das mal.

*Und jetzt kommt noch das schärfste: EGAL WAS WIR TUN, wir werden NIE die Produkte so billig wie die Chinesen anbieten können. Es ist bekannt, dass Chinesen in Arbeitslager, politische Gefangen, gezwungen werden z.B. in der Textilindustrie zu arbeiten - natürlich unbezahlt.*

In wenigen Faellen mag das zutreffen, aber keinesfalls fuer die Regel. Du kannst mir glauben, dass hierzulande ein Sturm der Entruestung losbraeche, sollte sich das im Falle auch nur eines Unternehmens herausstellen; Stichwort *Brent Spar*.

*Viele Firmen glauben, in China das große Geschäft zu machen, weil sie dann die Produkte (hier) billiger anbieten können. Wenn das so weiter geht, sieht das Ende so aus: Der Markt hier bricht wegen Arbeitslosigkeit zusammen - das Kapital hier in Europa wird durch Firmenabwanderung ja auch viel weniger. Desweiteren werden dort Chinesische Firmenauftauchen, die ihre hochqualifizierten chinesischen Angestellten (im Ausland studiert, z.B. Deutschland) einstellen und auf der Grundlage der geklauten Technik mit der Entwicklung den Markt und Export übernehmen.*

Das wird zweifellos passieren. Das ist aber nicht die Schuld der Chinesen, sondern unsere. Seit mehr als 35 Jahren hat sich in unserem Land an den Strukturen nix mehr geaendert, in anderen Laendern dagegen schon. Die Mehrheiten hierzulande haben das konsequent ignoriert. Seit gut 35 Jahren sind wir eifrig dabei, uns selber unser Grab zu schaufeln. Die heutigen Zustaende haben wir uns immer wieder selbst gewaehlt; die sind nicht ueber uns gekommen wie die sieben biblischen Plagen. Wir haetten es ja auch anders haben koennen, wenn wir es denn nur gewollt haetten.
Du kennst doch sicher die Samsung=Foto=Mobiltelefone; suedkoreanische Produkte. Die gab es bereits in China, lange, bevor man sie in unseren Regalen fand. Zudem kosten sie in China nur den Bruchteil dessen, was sie bei uns kosten. In Sued=Korea gibt es aber keine Zwangsarbeiter und keine Sklaven. Erklaer mir das alles jetzt einmal.

*Was kann man tun?
1. Unternehmen müssen in Deutschland bleiben - egal wie - und keine Jointventures in China eingehen ->Technologieklau!*

Nein, das ist halbfalsch. Technologieklau passiert, das ist richtig, ist aber nicht unausweichlich. Ich weiss selbst, dass in China schon viele Investitionen in der Pleite geendet sind. Fast keiner von denen hatte speziell geschultes Personal dabei, also zum mindesten einen China=Fachmann, der als unabdingbare Voraussetzung auch chinesisch sprach. Selber schuld, kann man da nur sagen, und am falschen Ende gespart.

*2. Europäische Schutzzölle auf Chinesische Produkte und Handelsbeschränkungen (wie die USA). 80% des importierten Weihnachtsschmuckes kam aus China. Silverster Produkte wahrscheinlich genau das gleiche.*

Nun ja. Mach das, und schau halt mal, was dann bei uns passiert. 1,2 oder 1,3 Milliarden Menschen in China, die ganzen Auslandschinesen in Südostasien, auf Taiwan ROC und in den diversen Chinatowns weltweit gar nicht mit eingerechnet, lassen sich auf Dauer nicht ignorieren. Kulturell sehen sie sich naemlich nach wie vor als eine zusammengehoerige Nation, als die Kinder des Drachen.

*3. Kein Wissenstransfer mehr nach China, keine Zusammenarbeit, keine "Technikaustausch", keine Kanzlerbesuche, kein Hanauexport sondern selber damit Atomstrom herstellen oder in andere Länder - aber nicht China - exportieren.*

Kein Hanau=Export; einverstanden. Wissenstransfer dagegen ist international. Und abgesehen von Deutschland denkt da letztlich jedes Land egoistisch. Ganz nebenbei; Du kannst es drehen, wie Du willst, aber von den 6,5 oder 6,5 Milliarden Menschen auf der Erde leben nun einmal 1,2 bis 1,3 Milliarden in China. Auf Dauer kommst Du an denen nicht vorbei.

*4. Chinesische Studenten in Deutschland reduzieren - sie studieren hier in Deutschland, bekommen eine gute Ausbildung und ziehen dann wieder zurück nach China - so kann man sich selbst das Grab schaufeln.*

Juden... aeh, ich wollte sagen, Chinesen raus! (Huestel...)

*5. Keine Knüppel in die Beine was Technik an geht und keien überregelmentierung in Sachen Umwelt. USA und China kümmern sich einen Dreck um die Umweltbestimmungen. Hier in D wird alles tot-regelmentiert, obwohl wir sinkenden CO2 ausstoß haben und nur 0.9% des Gesamtausstoßes auf der Welt zu verantworten haben (USA und CHina jeweils 30 Prozent)!*

Einverstanden. Machen wir alle weiter wie bisher. Und wenn einer so dumm ist und sich vom 20. Stockwerk stuerzt, in der irrigen Annahme, er koenne fliegen, dann machen wir ihm das nach. Weil gleiches Recht fuer alle.

*6. Konsumverhalten ändern und nicht immer auf das billigste zugreifen, sondern schaun, wo was hergestellt wurde. Z.B. keine Aldi-kamera kaufen, sondern eine Sony, weil die meist ein Deutsches Objektiv von Carl-Zeis drin haben...etc. In Elektronik ist es schwierig. Hätten wir alle einen teueren Grundig-Fernsehe gekauft und nicht den Billigschrott von was weiß ich wo, dann gäbe es in Deutschland noch ein paar mehr Arbeitsplätze.*

Teilweise einverstanden; mache ich auch so. Das allein Entscheidende ist allerdings die Qualitaet und nicht Herkunft und Name. Keinen deutschen, arroganten C=Klasse=Mercedes, einen fahrenden Haufen Luxus=Schrott=Kuebel zu horrenden Preisen, wenn ich statt dessen einen Toyota kriegen kann, der erstens besser und zweitens preiswerter ist. Kein Markenprodukt, wenn ich einen Billigheimer kriegen kann, der, anders als der Markenheini, von der Stiftung Warentest mit sehr gut getestet worden ist. Verarschen kann ich mich ansonsten selbst.

carlos


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